Dreamforce 2015 | | von Irmela Schwab

Wahlkämpfer und Freebies: Was Unternehmen von Startups lernen können

Wenn David Plouff spricht, versucht er zwischen jedem Satz ein Lächeln zu platzieren. Seine Mundwinkel gehen nach oben so als ob ein Lichtschalter umgelegt wird. Licht an. Licht aus. An, aus. Von Plouff kann an einiges lernen: Als Wahlkampfberater der Demokratischen Partei in den Vereinigten Staaten leitete er den Wahlkampf von Barack Obama bei den Präsidentschaftswahlen 2008. Heute ist der 48-Jährige Chief Adviser bei Uber.

Seine Zuhörer sind internationale Journalisten. Sie gehören zu den gut 160.000 Teilnehmern, die zur Dreamforce 2015 nach San Francisco angereist sind. Zu der Konferenz hat Cloud Computing-Anbieter Salesforce bereits zum 13. Mal geladen. Den Fragen der Pressevertreter, die Uber während der Konferenztage in seiner Firmenzentrale empfangen hat, weicht er geschickt aus. Die Fahrer würden schlecht bezahlt, bei Reparaturen oder der Wartung ihrer Fahrzeuge würden sie nicht finanziell unterstützt - was sagt Plouff dazu? Er lächelt. Dann antwortet er, dass schließlich keiner arbeiten würde wenn er nicht auch etwas davon habe. Dabei vergisst er nicht noch einmal Meilensteine und Ziele von Uber aufzuzählen. Dazu zählt etwa, dass Uber auch außerhalb seiner Bürozentrale in Downtown San Francisco neue Jobs bietet. Flexible Jobs, die man zwischen einem Hauptarbeit und der Pflege von kranken Eltern einschieben kann. Plouff knipst sein Lächeln an. Gegen die Kritik die dem Social Sharing-Dienst, der Taxis größtem Widersacher, zuweilen entgegenweht.

Einen erprobten Wahlkämpfer an Boot zu holen, ist nicht das einzige, was Teilnehmer der Dreamforce, viele auch aus traditionellen Unternehmen von Vorzeige-Startups lernen können. Manche von ihnen arbeiten für traditionelle Unternehmen, die den Anschluss an die digitale Welt nicht verpassen wollen. Newcomer wie Uber, aber auch Autodesk und Fitbit machen das vor, Digitalität ist ihre natürliche DNA. Sie gehören der neuen Art von Unternehmen an, die sich mit allem und jedem vernetzen. Das Internet steckt überall drin. Unternehmen, die sich dieses Denken erst aneignen müssen, können sich einiges abschauen.

Zum Beispiel wie man seine Produktlinie erweitert - ohne großen finanziellen Aufwand. Uber hat etwa mit Carpooling ein Angebot auf dem Markt, das bereits in US-Städten wie New York und San Francisco, aber auch China genutzt wird. Anstatt nur eine Person zu fahren, bucht der Fahrer einfach weitere hinzu. So mag sich die Fahrt für ihn dann eher lohnen. Auch Uber for Business ist ein Geschäftszweig, der erst seit einem Jahr neu hinzugekommen ist. Auf der Dreamforce stellt Uber nun Business Profiles vor. Damit kann ein Arbeitgeber genauesten Reiseroute und -ausgaben der Mitarbeiter planen und einsehen und am Ende des Monats komplett bezahlen. 

Nach dem Marktlaunch Erstling dem Fitnessarmband vor fünf Jahren zeigt auch Fitbit, wie leichtfüßig man sein Produktpalette erweitern kann. Woody Scal, Chief Revenue Officer beim Technologie-Unternehmen, beschreibt, dass man zunächst den Sektor definieren muss, in dem man tätig sein will. Für Uber ist das Mobility, für Fitbit ist es Fitness. Damit lässt sich endlos spielen. Andere Player wie etwa Sportartikel-Hersteller hätten diesen Bereich nicht gesehen, erklärt Scal. Dem Startup geht es nicht länger mehr nur darum, zu zeigen, wieviele Schritte ein User gegangen ist, wieviele Liegestützen er gemacht hat und in welcher Zeit, und wie oft sein Herz dabei geschlagen hat. “Wir wollen unsere User noch fitter machen.” Dafür gibt es zum Beispiel Fitstar, eine Art Fitness-Coaching-App: Anhand von Videos wird den Usern erklärt, wie sie ihre individuellen Ziele erreichen können

Die genauen Bedürfnisse der Konsumenten zu erkennen und mit Produkte darauf zu antworten, darin sieht Scal die Lösung. Eine Strategie, die Apple mit der Smartwatch nicht gelungen ist. “Den User ist nicht wirklich klar, warum sie die Uhr brauchen und für was genau sie gut ist.”

Um seinen eigenen Mehrwert auszuschöpfen denkt man bei Fitbit nicht nur vertikal - sondern auch horizontal: Über Partnerschaften wie etwa mit Tory Burch: Die Fashionkette soll über eleganten Schmuck die Messfunktion der Bänder auch für andere, modefokussiertere Konsumenten aufbereiten. Das hilft nicht zuletzt  dabei die Präsenz zu erhöhen. Derzeit gibt es Fitbit in 45.000 Geschäften weltweit.

Wie man seine Reichweite erhöht, und dabei Werbekosten spart, demonstriert Autodesk. Das Startup, das sich die Zukunft neuer Produkte zu kreieren - “The Future of making Things” - auf die Fahnen geschrieben hat, baut derzeit das neue Museum of Modern Art in San Francisco. Statt Beton stehen Materialien wie Plastik zur Verfügung. Viele Teile davon werden bereits vorgefertigt angeliefert, aus dem 3D-Printer.

Diese Art zu bauen werde an Fahrt aufnehmen, führte Andrew Anagnost aus. “Das ändert den gesamten Wertschöpfungsprozess." Der Autodesk-Vice President verweist auf Autos, die sich jeder Konsument auf seinen Körperbau und andere Bedürfnisse zuschneiden - und ausdrucken kann. Auf die neuen Lösungen samt passenden Technologien können auch andere Unternehmen zurückgreifen. Doch nur große Firmen bezahlen dafür, für Startups und Studenten ist es gratis.

Wahlkämpfer und Freebies: Was Unternehmen von Startups lernen können

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