Wochenrückblick | | von Tobias Weidemann

Von Googles Werbemillionen und mechanischen Schreibmaschinen

Nun ist sie also vorbei, die Fußball-WM, die, wie wir ja bereits schrieben, nicht arm an sozial-medialen Rekorden war. Neben einigen überraschenden Viral-Siegern (etwa dem öffentlich-rechtlichen Radiosender Bayern 3) waren es eben gerade nicht immer die großen Sponsoren, für die sich die WM gelohnt hat. Einige Video-Highlights finden Sie bei LEAD digital

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Amazon auch diesen Markt besetzen würde: Nach der Ausleihmöglichkeit von E-Books plant Amazon nun laut Medienberichten auch eine E-Book-Flatrate unter dem Namen „Kindle Unlimited“ – zunächst mal in den USA. 9,99 Dollar soll das Abo kosten, das neben 600.000 E-Books auch den Zugriff auf Hörbücher ermöglicht. Ein Erklär- und Werbevideo zu dem Dienst findet sich bereits bei Youtube. Ob und wann Amazon auch auf dem deutschen Markt mit so etwas startet, ist unklar. Sicher ist aber, dass hierzulande das zu den Stadtbibliotheken gehörende System Onleihe.de zumindest einen weiten Vorsprung hat.

Mit Glücksspiel hat sich diese Woche die EU-Kommission beschäftigt. Nach deren Willen sollen Minderjährige künftig keinen Zugang mehr zu Online-Glücksspielen erhalten. Die Mitgliedsstaaten hätten künftig sicherzustellen, dass Jugendliche so wenig wie möglich mit Werbung zu Online-Glücksspielen in Kontakt geraten und bei der Einrichtung von Spielerkonten Alter und Identität der Spieler geprüft werden. Allerdings handelt es sich bei diesem Forderungskatalog der EU-Kommission um Empfehlungen, nicht um ein europäisches Gesetz. Vielmehr wird es den einzelnen Mitgliedsstaaten überlassen bleiben, wie sie die Empfehlungen umsetzen. Spannend auch die Zahlen: Die EU selbst hat ausgerechnet, dass rund sieben Millionen Verbraucher in Europa Online-Glücksspiele nutzen und damit weltweit einen Marktanteil in diesem Segment von 45 Prozent erreichen.  

Microsoft plant zum Weihnachtsgeschäft, zusammen mit HP und Toshiba eine Reihe von Billig-Notebooks für 199 US-Dollar in die Läden zu bringen. Die Geräte sollen, anders als die insbesondere im US-Markt höchst erfolgreichen Chromebooks unter der Ägide von Google, über ein vollwertiges Windows-Betriebssystem verfügen und könnten mit einer SSD-Festplatte kommen. Die gerade mal 1,2 Kilogramm leichten Geräte werden den gebeutelten PC-Herstellern zwar nicht ihre Marktanteile zurückbringen, zeigen aber klare Alternativen zu den eher dem Mobilmarkt zugerechneten Tablets auf.

Ansonsten machte Microsoft eher Negativschlagzeilen: Von Jobabbau ist die Rede und von bis zu 18.000 Entlassungen innerhalb des nächsten Jahres. Details sind noch unklar, aber dass das zugekaufte Nokia mit 12.500 Stellen den Löwenanteil ausmacht, teilte Microsoft-Chef Nadella bereits mit. Derzeit stehen insgesamt 127.000 Mitarbeiter auf der Payroll des Riesen aus Redmond.

Mit derlei Problemen hat Google derzeit nicht zu kämpfen – hier ist die Rubrik mit den Stellenausschreibungen noch besser gefüllt und auch Geld ist reichlich da. Dieser Eindruck entsteht, wenn man sich die Quartalszahlen des Unternehmens anschaut: So stieg im abgelaufenen Quartal der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitrum um sechs Prozent auf 3,42 Milliarden Dollar (2,55 Milliarden Euro) und der Umsatz erhöhte sich um 22 Prozent auf 16 Milliarden Dollar. Dass das Ergebnis nicht noch besser ausfiel, hängt mit den immensen Investitionen zusammen, die Google immer noch in diverse Produkte steckt. Doch Millioneninvestitionen hin, Nutzerforschung her - auch hier klappt nicht alles so, wie man es sich wünschen würde: Google+ ist das passende Stichwort. Gerade einmal 359 Millionen Nutzer verwenden Google+ mindestens einmal im Monat. Verglichen mit Facebook hat Google+ somit rund 70 Prozent aktive Nutzer weniger. Hier verzichtet Google seit dieser Woche auf die Verwendung von Klarnamen. Man entschuldigt sich sogar dafür, dass man in der Vergangenheit einigen Nutzern Unannehmlichkeiten bereitet habe. Das Unternehmen spielt hier auf die Erfahrungen einiger Nutzer aus dem Erotikumfeld an, deren Klarnamen bei der Zusammenlegung von Hangouts und Google+ öffentlich wurde.

Und dann war da noch... die Meldung mit der Schreibmaschine im NSA-Untersuschungsausschuss. Man denke zur Einhaltung der Abhörsicherheit neben Krypto-Handys und Mailverschlüsselung in Zukunft auch über die Verwendung mechanischer Schreibmaschinen nach. Klingt wie eine Meldung einer Satire-Site, geht aber zurück auf eine Interviewaussage des Untersuchungsausschuss-Vorsitzenden Patrick Sensburg im ARD-Morgenmagazin ("Kein Scherz"). Immerhin hat's der Postillon, auch wenn die Meldung nicht von dort kam, in sensationeller Weise aufgegriffen.

Von Googles Werbemillionen und mechanischen Schreibmaschinen

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