Von Adidas bis Y-Titty: Was sich von diesen Influencern lernen lässt
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Inreach 2016 | | von André Gebel

Von Adidas bis Y-Titty: Was sich von diesen Influencern lernen lässt

Neuester Trend im Buzzword-Bingo ist zweifelsohne die schier unerschöpfliche Spielwiese des Influencer Marketing. Jeden Tag kriechen gefühlt 20 bis 30 neue Möchtegern-Blogger aus der grauen Masse der gemeinen Normalbürger empor und schreiben, knipsen und posten was das Zeug hält. Von daher ist es an der Zeit für die ersten großen Veranstaltungen und Konferenzen zu diesem Trendthema. Einen besseren Ort als die Irgendwas-mit-Medien-Metropole Berlin, hätten sich die Macher der Inreach kaum aussuchen können.

Und da ich selbst von der chronischen Doppelbelastung aus Agenturchef und Reiseblogger befallen bin, mache ich mich um halb 6 Uhr morgens auf den Weg ins Kreativmekka an der Spree. Falls noch ein letzter Motivationsfunke gefehlt hat, dann ist er mit der Nominierung für den Markenstrategie-Award längst entfacht. Sollte ich am Ende leer ausgehen, dann könnte ich die Wahl schließlich immer noch anfechten.

Und so sitze ich, gedanklich zwischen Dankesrede und Sammelklage, in der voll besetzten Lufthansa Maschine Richtung ewiger Flughafen Tegel. Zurückgeworfen durch eine Notlandung in München, hetze ich etwas verspätet ins Kino International an der Karl-Marx-Allee. Die ersten Hipster mit Bart und Hut strömen mir entgegen. Gefolgt von frisch frisierten Boys im modischen Sidecut und aufgestylten Girls mit prächtig gerollten Locken. Ich bin auch mental angekommen und folge den Ankündigungen unseres Gastgebers, Agenturchef Andreas Bersch. Dieser agiert frei nach dem Motto: "Lasst das mal den Papa machen" und moderiert mal eben die ganze Veranstaltung und sämtliche Talks in Eigenregie. Wir steigen recht weit oben mit Lukas Klumpe von Freekickerz ein, dem mit 5 Millionen Abonnenten größten deutschen Youtube-Kanal. Die Fußball-Plattform hat mehr Views als alle Champions-League-Teilnehmer zusammen und damit meinen vollen Respekt, zumal die meist deutschsprachigen Videos zu 65 Prozent im Ausland konsumiert werden. Wie schafft man so etwas mit einem Special Interest-Thema wie Freistöße? Na ja, indem man die Community von Anfang an einbindet und Content kreieren lässt. Dann kommen auch die großen Vereine wie der FC Bayern und klopfen an. Oder Brands wie Hermes, für die Freekickerz eine gesponserte Box mit sogenannten "Challenges" an Freizeitkicker in der ganzen Republik versendet hat.

Sportlich geht es weiter mit Florian Reichelsdorfer von Adidas, der Kooperationen mit Kanye West oder Pharell Williams organisiert. In den Headquarters von Berlin, London oder LA sind am heutigen Tag sicherlich unzählige Bewerbungen aus dem Publikum eingegangen, denn was Florian so erzählt, macht wirklich Spaß. Adidas begleitet die Influencer von der Nische bis zum Mainstream und da kann man auch schon mal so ein Party-Anhängsel wie Katy Perry mit durchschleifen.

Danach kommt Jonas. Für mich hätte auch Thomas kommen können, doch der Unterschied sind 1,2 Millionen Abonnenten auf Youtube und eine erfrischende Kooperation mit Coca-Cola, wo der 20-Jährige als Moderator kleine Abenteuer erlebt. Zudem widerlegt er die These, dass Videos stets kurz und knackig sein müssen. Er schafft auch locker 1 Million Views mit einem 26-Minüter.

Jetzt erklimmt Heiko Hebig von Instagram die Bühne, ohne jedoch etwas wirklich Neues vom Stapel zu lassen. Instagram ist eine tolle Plattform. Ach, ja. Und das sind die deutschen Top 10. Hört, hört. Deutlich interessanter präsentiert da schon Belen Sienknecht und die Zalando Influencer-Plattform "Collabary". In Punkto Wertschöpfungskette wird hier gleich zwei Schritte weiter gedacht und die eigene Zusammenarbeit mit ca. 1.200 Fashionbloggern noch zusätzlich mit Markenkunden wie Nike oder Lee monetarisiert.

Zeit für einen Break, Zeit für 'ne Suppe, was kein einfaches Format für die wohlgetrimmten Hipsterbärte ist. Mein Highlight: Fritz Spritz Rhabarber. Und für diese wohlgemeinte Werbung bekomme ich nicht mal Kohle! Nach der Pause begeistert Thilo Wessel von Mercedes Benz, der Instagram mal eben zum wichtigsten Kanal für den Autobauer kürt. 5 Posts pro Tag und 2-3 Stories pro Woche werden unters Volk gemischt. Am Liebsten arbeitet er mit Social-Media-Fotografen zusammen, die nicht nur Content kreieren, sondern in der Regel gleich ihre eigene Reichweite mitbringen. Als Gegenleistung bietet Mercedes den fahrbaren Untersatz, jede Menge Sprit, die Begleichung der Spesen und ein Millionenpublikum. Es fließt also keine Extra-Kohle, dafür besteht für den Influencer aber auch keine Publizierungspflicht. Der Deal scheint trotzdem aufzugehen, schließlich machen Knipsergrößen wie Paul Ripke mit und kommen so an Großaufträge namhafter Mercedes-Fans (mehr dazu hier bei W&V).

Danach folgt eine endlos fade Diskussion zur aktuellen Preisentwicklung, wobei wir festhalten, dass Influencer Marketing in Deutschland noch ziemlich günstig zu gestalten ist. Weiter geht es mit einem erstaunlich flotten Vortrag über Recht und Werbekennzeichnung sowie einer weiteren Diskussion über Geschäftsmodelle und Monetarisierung. Am Ende kommt dann mit True-Fruits-Gründer Nicolas Lecloux ein echter Wachmacher. Der geborene Entertainer nimmt uns mit auf eine Reise durch seinen kreativ geführten Saftladen. Alles selfmade, keine Agenturen, was nicht nur dem Gastgeber, sondern auch mir ein wenig Sodbrennen im Abgang bereitet. Beim Thema Influencer setzt er voll auf Instagram, da er nicht an epische Youtube-Videos zum Safttrinken glaubt und lädt Multiplikatoren und ihre Mütter zu Motto-Events wie #showmeyourmom ein. Dass Tanja Mehler von Olympus mit ihren Fotobloggern gern nach Griechenland fährt und Yungfeng Chui von Gruner + Jahr Influencer Marketing für das neue "native" hält, überrascht dann keinen mehr.

Dann ist endlich Zeit für Party und die verbliebene Schar der Get2gether-Enthusiasten kramt eifrig ihre Getränkemarken aus dem Jutebeutel. Und so stehe ich plötzlich neben Y-Titty Superstar Oguz Yilmaz (re.), der nach der Trennung eine eigene Influencer-Marketing-Agentur gegründet hat. Er fordert von Markenkunden bei der Zusammenarbeit mit Multiplikatoren, mehr Probierbereitschaft und Kreativität. Dabei gilt: Rahmenbedingungen abstecken ist okay, dann aber so wenig Input und Briefing wie möglich, denn Influencer brauchen Freiraum, um glaubwürdig zu sein.

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Den größten Werbeerfolg mit Y-Titty, brachte eine Aktion für den Kunden O2, die dreimal so viele Views generierte wie versprochen. Zum Schluss noch ein Ratschlag für Möchtegernblogger wie mich: "Im Prinzip gibt es nur Instagram und die Königsdisziplin Youtube, um schnell nach oben zu kommen. Doch auch bei Y-Titty haben wir die Beiträge erst an Freunde und Familie geschickt und anschließend viel in Foren gearbeitet. Wichtig ist die Interaktion mit den Fans, denn das unterscheidet ein soziales Medium vom linearen TV."

Mein Fazit: Nicht bloggen, sondern posten. Und das mit dem Preis für Markenstrategie hatte sich dann auch irgendwie erledigt #dabeiseinistalles #derbesseresollgewinnen #nichtschonwiedermercedes #wahlbetrug #grummel #seufz.

André Gebel, Geschäftsführer der Münchner Digitalagentur Coma, ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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