Wochenrückblick | | von Tobias Weidemann

Überraschung in Brüssel und Umdenken bei Microsoft

Es ist ein undankbarer Job, in einer Woche, in die der 1. April fällt, einen Wochenrückblick zu schreiben. Offenbar hat die Social-Media-Welle dazu geführt, dass jedes Unternehmen (und sei es in der Vergangenheit auch noch so betont ernsthaft gewesen) meint, seine Kunden und Fans in den April schicken zu müssen. Einige gute Geschichten gab’s dabei aber durchaus – stellvertretend sei hier nur der Aprilscherz von Microsoft Deutschland erwähnt: Darin bekennt Microsofts Pressechef, man habe „zähneknirschend akzeptiert“, dass man auf dem Markt der Wearables noch nicht angekommen sei. Gleichzeitig stellt Microsoft eine digitale Zahnspange namens Microsoft Braces vor, die sich an die Zielgruppe der 8-18-Jährigen Zahnspangenträger richte und über Bluetooth (5 Euro in die Wortwitz-Kasse) und eine Telefonfunktion verfüge.

Unterdessen hat – und damit sind wir wieder bei den ernsthaften Meldungen – Apple sein iAd-Programm für alle geöffnet und nicht mehr nur für Teilnehmer am Ad-Management-Programm Workbench. Damit kann jeder, der über eine Apple-ID verfügt, in iOS-Apps von Drittanbietern Werbung buchen. Vielfältiger geworden ist dabei auch die Abrechnungsmethode (neben Cost per Click jetzt auch an Reichweite orientiert, also CPM) und die Möglichkeiten der Werbeformen, etwa zur Promotion von Apps und Content oder zum Abspielen von Bewegtbildinhalten.

Netzpolitisch gab’s in Brüssel am Donnerstag eine kleine Sensation: Dort hat sich das EU-Parlament für Netzneutralität und damit gegen ein Zwei-Klassen-Internet ausgesprochen. Das ist nicht nur aus Sicht vieler Netzaktivisten ein Schritt in die richtige Richtung, sondern auch für die Unternehmen der Internetwirtschaft wünschenswert. Denn gerade kleine Unternehmen können so weiterhin sicher sein, dass ihre Daten mit der gleichen Priorisierung durch die Netze kommen wie die großer Player, die mit Providern Verträge schließen könnten. Lediglich die Netzanbieter wie Telekom und Co. schauen in die Röhre – die hatten sich nämlich schon auf ein Zusatzgeschäft mit den Diensteanbietern, etwa für Musik- oder Filmstreaming, gefreut. Das Gesetz schafft gerade hier neue Rahmenbedingungen für mögliche Erlöskonzepte, die jetzt gefunden werden müssen. Aber Vorsicht: Auch wenn das EU-Parlament sich für die Netzneutralität entschieden hat, muss der Ministerrat noch zustimmen – es bleibt also spannend.

Und nochmal Microsoft: Im Unternehmen wird derzeit vieles umgekrempelt und alte Geschäftsmodelle in Frage gestellt, wie auch leitende Mitarbeiter dort berichten. Was das heißt, hat das Unternehmen diese Woche anlässlich der Build-Konferenz in San Francisco deutlich gemacht. Ab sofort gibt’s nicht nur 100 Euro Rabatt für Umsteiger von Windows XP auf ein Surface Pro, sondern man plant auch, Windows Phone 8.1 und Windows 8.1 kostenlos an Hersteller abzugeben, die Geräte bis 9 Zoll Bildschirmdiagonale damit ausstatten wollen. Auch wenn Microsoft keine Angaben dazu macht, in welcher Größenordnung die bisherigen (tatsächlichen!) Preise für die Hersteller lagen, dürfte das die Windows-Phone-Geräte ein gutes Stück billiger machen und der Android-Konkurrenz das Leben schwerer machen. Denn auch wenn das Betriebssystem hierzulande allenfalls im Business-Umfeld aufgrund seiner guten Absicherung populär ist und auf einstellige Marktanteile kommt, gibt es durchaus Märkte, in denen Windows Phone bereits iOS überholt hat, etwa in Lateinamerika.

Heimlich still und leise könnte demnächst das deutsche soziale Netzwerk Werkenntwen vom Netz gehen, wenn sich nicht ein Investor findet, der die RTL-Interactive-Anteile zu übernehmen bereit ist. Der Grund ist offensichtlich: Werkenntwen, vor rund fünf Jahren ein durchaus angesagtes Netzwerk vor allem im südwestdeutschen Raum, gehen die aktiven Nutzer aus. Auch der Relaunch vor einigen Monaten hat eher mehr Nutzer vertrieben (was auch die Möglichkeit, für Auto oder Haustier Profile anzulegen nicht kompensieren konnte). Die Folge: Die Reichweiten stimmen nicht mehr und für RTL Interactive gibt es offenbar keine nachhaltig zufriedenstellenden Zukunftsperspektiven für das Netzwerk. Laut Spiegel-Informationen wolle man bis Mitte des Jahres einen Investor finden oder den Stecker ziehen.

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