Wochenrückblick | | von Tobias Weidemann

Über 800 Millionen DAUs bei Facebook und unerwarteter Besuch auf der Republica

Es gibt in jedem Quartal eine Woche, in der kann man den Wochenrückblick mit einer Reihe guter Nachrichten beginnen – zumindest wenn man über die Digitalbranche berichtet. Die Quartalszahlen von Facebook sind da und die lesen sich sehr entspannt: 2,5 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) Umsatz – das ist immerhin ein Anstieg von 72 Prozent auf Jahresfrist – und 642 Millionen Dollar (466 Millionen Euro) Gewinn lassen nicht nur die Unternehmensvertreter frohlocken. Dass Zuckerbergs Weggefährte und Finanzchef David Ebersman das Unternehmen verlässt, ist da eher zweitrangig und hat wohl nichts mit den Zahlen zu tun.

Weiter aufwärts geht’s auch mit den Nutzerzahlen. Die Zahl der Anwender, die mindestens einmal im Monat über ein Mobilgerät auf Facebook zugreifen, übersprang die Milliardenmarke. Dass Facebook also nicht mehr angesagt sei, lässt sich also schon mal zahlenmäßig widerlegen. Und die Zahl der Daily Active Users (im Englischen als DAUs) bezeichnet liegt mit 802 Millionen rund 21 Prozent höher als vor einem Jahr – was manchen Journalisten zu der naheliegenden, aber durchaus schönen Aussage „Facebook hat über 802 Millionen DAUs“ verleitet.

Ansonsten rücken die sozialen Netze funktional immer näher zusammen. Während Facebook in Zukunft seine Timeline mit journalistischen Inhalten aus dem Hause Murdoch anreichert und damit ein wenig mehr in Twitters Machtgebiet eindringt, hat Twitter nun (noch mehr als bisher) Bildinhalte für sich entdeckt und stellt seit dieser Woche für alle Nutzer ein neues Design zur Verfügung, das schon stark an das Erscheinungsbild von Facebook erinnert: Großes Profilfoto und breiteres Kopfzeilenbild, umfangreichere Sortier- und Filtermöglichkeiten und eine Pin-Funktion, mit der sich bestimmte, wichtige Tweets jetzt nach oben ziehen lassen sowie die Möglichkeit, Tweets vorzuplanen.

Was getan hat sich nun auch beim Thema Netzneutralität. Nachdem noch vor einigen Wochen die Europäer sich gegen eine Überholspur im Netz ausgesprochen haben, preschen nun die Amerikaner vor. Demnach plant die US-Regulierungsbehörde FCC ein Zwei-Klassen-Netz, das es den Anbietern ortsfester Internetzugänge gestatten soll, einzelne Dienste zu bevorzugen. Es wäre dann nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Entwicklung auch im Mobile Web Einzug hält. Immerhin: Die Bevorzugung oder Unterdrückung einzelner Websites soll nicht gestattet sein.

Eine kleinere Blamage hat der Spiegel hinnehmen müssen – oder zumindest den Verdacht, dass Redaktion und Sales nicht ausreichend miteinander kommunizieren. In einer Geschichte im gedruckten Spiegel, in der unter der schönen Überschrift „Seelen-Verkäufer“ das Phänomen „Native Advertising“ thematisiert wurde, stellten die Autoren klar, dass es „Werbung, die aussieht wie ein Text der Redaktion“ beim Spiegel nicht geben werde. Dumm nur, dass Medienblogger Stefan Niggemeier nachweisen konnte, dass eine (inzwischen offline gestellte) Kolumnenserie aus dem redaktionellen Angebot von Spiegel Online im Panorama-Ressort „ein Service von West-Lotto“ ist und eben genau unter die hier angeprangerte Praxis fällt. Dass sich die Werbekolumne zum Euro-Jackpot eben gerade nicht ausreichend vom redaktionellen Content abhebt, hat Spiegel Online jetzt eingesehen und sich entschuldigt.

Ihre Schatten voraus wirft die Berlin Web Week. Dort wird, wie jetzt herauskam, neben Sascha Lobo, Markus Beckedahl und den anderen „üblichen Verdächtigen“ der Internetwelt auch Schauspieler, Sänger (ähm… ja, irgendwie schon) und Gesamtkunstwerk David Hasselhoff zusammen mit F-Secure-Chef Mikko Hypponen eine Keynote auf der Re-Publica halten. Um Privatsphäre und ein "Manifest der digitalen Freiheit" soll es dabei gehen – man darf gespannt sein und die gesteigerte Aufmerksamkeit (auch der Nicht-Netz-Öffentlichkeit) ist schon mal sicher. Immerhin dürfte der „Knight Rider“ ja als altgedienter Fahrer des Wunderautos Kitt und der dazu passenden Digitaluhr mit künstlicher Intelligenz, Wearables und dem Internet der Dinge (auch wenn das damals noch nicht so hieß) bestens vertraut sein.

Über 800 Millionen DAUs bei Facebook und unerwarteter Besuch auf der Republica

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