Bayerischer Rundfunk | | von Annette Mattgey

"Twitter war der beliebteste Kanal zur Rundshow"

Im Vorfeld war das Bohei groß: Nach dem kläglichen Versuch "Gottschalk live" nimmt sich der Bayerische Rundfunk des Themas Social TV an und startet die "Rundshow". Ganz vorne mit dabei sind Richard Gutjahr, BR-Moderator und Blogger, und Radio-Mann Daniel Fiene (ebenfalls Blogger). Florian Kerkau, Geschäftsführer von Goldmedia Custom Research, hat sich vor den Fernseher gesetzt und beschreibt exklusiv für LEAD digital seine Eindrücke:

Viel wurde im Vorfeld abgewiegelt. „Ein Versuch“ hieß es da von den Machern, „die Quote spielt erst einmal keine Rolle“, sagte der BR, denn zu tief sitzt offensichtlich die Angst in den Sog des „Gottschalk Live“-Debakels zu geraten. Und so war sie dann auch, die erste Sendung. Frisch, schon allein der ambitionierten Moderatoren wegen und dem thematischen Aufschlag.

Kein aktuelles Top-Thema wie NRW-Wahl oder Griechenland, sondern mit Spanien (Jahrestag der großen Proteste) ein eher hintergründiges Thema. Die Sendung war aber auch Labor, da sie einfach mal Dinge versucht und zusammenbringt, die zwar theoretisch funktionieren müssten, für deren Gelingen es aber noch immer keinen wirklichen Präzedenzfall gibt.

Interessantes aus dem Labor kann man lernen, wenn man die verschiedenen genutzten Sendungs- und Interaktionskanäle genauer  ansieht. Laut BR Videotext haben 60.000 Zuschauer die Sendung gesehen, was nicht besonders viel ist. Auf Facebook sind die Likes  von gut 1.000 auf über 1.300 gestiegen und gut 300 Nutzer reden darüber (die meisten übrigens am Morgen danach). Ähnlich sieht es bei Google+ aus, das überwiegend zur Einspielung von Videos genutzt wurde (Skype übrigens auch). Das Goldmedia SocialTV-Monitoring zeigt darüber hinaus, dass wenig Kommunikation die genutzten Kanäle verlassen hat, dass es also kaum Austausch zwischen den Kanälen gab. Die eigens für die Sendung produzierte App haben nach Selbstauskunft ca. 1.000 Smartphonenutzer zum „Voten“ bedient. Bis hier eigentlich nicht besonders aufregend.

Doch was war da auf Twitter los- „Trending Topic“ nach nur sechs Minuten Sendung. Offenbar war genau dieser Kanal passend für diese Sendung zu dieser Zeit mit diesen Zuschauern- das bleibt als gesicherte Erkenntnis aus dem über alle Social Media gestreuten Feldversuch TV meets Social Media.

Letztlich bleibt der Eindruck, dass im Fernsehen doch mehr geboten werden muss, als für das Internet oft ausreicht. Social Media funktioniert erfahrungsgemäß immer dann gut, wenn es sich mit sich selbst beschäftigt. Dieser hoch löbliche Versuch des BR davon los zu kommen und sich eines relevanten Themas außerhalb der Medien zu widmen, ist ihnen hoch anzurechnen. Es bleibt jedoch weiterhin die Frage im Raum, welchen tatsächlichen Mehrwert die Einbindung von Interaktionsflächen bietet. So schreibt beispielsweise @zeitweise augenzwinkernd auf Twitter: „Google+? Ach, das ist so ein Service, der Videostreaming für den Bayerischen Rundfunk bereitstellt.“

Es bleibt spannend, welche Lehren das Team der Rund Show aus den ersten Versuchen zieht. Wird es gelingen, die verschiedenen Social Media Kanäle so einzusetzen, dass ein Mehrwert für den Zuschauer jenseits des altbekannten „Call-In“-Konzeptes entsteht und dieser auch erkennbar wird? Wird man sich vielleicht lieber auf wenige, aber funktionierende Kanäle konzentrieren? Wird das eigentliche Thema der Sendung in den Vordergrund rücken können und das Medium selbst in den Hintergrund? „The Medium ist the Message“ reicht auf lange Sicht nicht aus, um etwas wirklich Innovatives zu schaffen.

Ich bin gespannt und drücke fest die Daumen für dieses ambitionierte Projekt. Dabei schließe ich mich @wk_rickmann an, die über Twitter kommentiert: „Nicht perfekt, aber mutig zu sein find ich viel besser als perfekt aber nicht mutig zu sein. Deshalb: Gut so! #rundshow.“

Text: Florian Kerkau

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