Paolo Anania | | von Paolo Anania

Twitter unlimited: Was mehr als 140 Zeichen aus Markensicht bedeuten könnten

Jack Dorsey, der Miterfinder und -gründer von Twitter gab schon 2008 "aufgrund mangelnder Managementfähigkeiten" den Posten als CEO auf. Jetzt ist er zurück. Verschiedene Branchendienste berichten, er denke schon seit längerem über Veränderungen nach, um den Kurznachrichtendienst für Nutzer und Werbetreibende attraktiver zu machen.

Eine dieser Veränderungen soll die Aufhebung des 140 Zeichen Limits für Tweets sein.

Jeder, der twittert und grübeln muss, wie er den Text auf die geforderte Zeichenzahl reduziert, mag im ersten Moment denken: "Cool, das nervt ja eh…". Aber wie so oft lohnt es sich, das Ganze mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Eine davon ist die Markensicht, also die Frage, wofür Twitter steht, was es ausmacht, was es anders macht. Im Marketingsprech gesagt: Was der USP ist.

Da würde wohl in jedem Elevator Pitch schon im ersten Satz das 140-Zeichen-Limit auftauchen. Nicht umsonst ist das Twitter-Synonym "Kurznachrichtendienst". Das hat Twitter geprägt. Und was prägt, ist wichtig. Erst recht in Zeiten, in denen es viele andere Social Networks gibt, die Twitter was die Nutzerzahl betrifft, überholt haben. Etwa Instagram, das mit 400 Mio. Usern Twitter mit rund 300 Mio. hinter sich lässt.

Zwar sind Twitters Nutzer per se ganz andere als jene von Instagram, aber das sollte auch so bleiben, um weiterhin nachhaltig wachsen zu können. Soll heißen: Nur weil "teilen" auf Twitter "retweeten" heißt und "liken" hier "favorisieren" ist, grenzt Twitter sich noch lange nicht genug ab, um seine Daseinsberechtigung aufrecht zu erhalten oder gar auszubauen. Twitter marginalisiert sich gewissermaßen selbst, wenn es zum Markenkern gehörige Eigenschaften substrahiert, auch wenn diese Eigenschaft auf den ersten Blick eben eine – wenn auch freiwillige – Limitierung ist.

Die Limitierung auf 140 Zeichen bestimmt den Content. Und der ist auch auf Twitter King.

Auch wenn Twitter den Hashtag nicht erfunden hat, war es doch eines der ersten Social Networks, das sie konsequent einsetzte. Bezeichnenderweise ist einer der Gründe, warum Hashtags auf Twitter so intensiv genutzt werden und gut funktionieren, gerade die Kürze der Beiträge. Durch diese Kürze entsteht auch die sprichwörtliche Würze der Statement-artigen Inhalte: Deshalb lassen sich besonders auf Twitter hochkochende Themen so wunderbar in Form von kontextuellen inhaltlichen Streams zusammenfassen, wie dies etwa Storify anbietet.

Fazit: Es ist bekannt, das Twitter sein Geschäftsmodell im Sinne einer ertragsstarken Monetarisierung nach wie vor sucht. Da liegt es in der Natur der Sache, Funktionen und Inhalte zu hinterfragen. Aber das sollte nicht auf Kosten von Eigenschaften passieren, die mitgeholfen haben, Twitter groß zu machen. Das hat noch nie funktioniert – wie man einst am tragischen Niedergang von MySpace eindrucksvoll erleben konnte.

Über den Autor

Paolo Anania, Chef der Digitalagentur und Strategieberatung Granpasso, ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.  

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