Multi-Channel-Networks | | von einem Gastautor

Tipps für Youtuber: Lieber Product Placement als Spots

Der medienwirksame Ausstieg der Youtube-Stars aus dem Mediakraft-Netzwerk hat große Wellen geschlagen: erst kündigte Deutschlands drittgrößter Youtuber LeFloid (über 2,28 Millionen Abonnenten) seinem Netzwerk vertragsgemäß, dann verließ Simon Unge das Netzwerk mit einem großen Knall und gab seine bisherigen Channels auf, auch Ape Crime ließen ihren Vertrag auslaufen. Zu nachlässig die Betreuung, zu schlecht die Leistungen, die man als Youtuber dort bekommen würde, so die Kritik. Leonard Steiger von Vergleich.org hat zusammengefasst, wie das Geschäftsmodell aussieht, welche TKPS möglich sind - und warum Product Placement in diesem Bereich so lukrativ für alle Beteiligten ist.

Grundsätzlich sollen Multi-Channel-Networks vier Funktionen erfüllen: Sie sollen zum einen als Profis geschäftliche Anfragen für die kreativen Alleinunterhalter entgegennehmen und im Interesse des Youtubers bearbeiten, für sie Organisation und Koordination mit Werbepartnern übernehmen. Sie sollen zum anderen die Youtuber untereinander verbinden und kreative Kontakte innerhalb der Community herstellen. Außerdem stellen sie technisches Knowhow und Studios für die Produktion zur Verfügung, wie es beispielsweise Mediakraft im eigenen Studio in Köln tut. Als Viertes sollen die Networks für eine Promotion des Kanals sorgen.

Niemals ohne Anwalt

Allerdings üben Youtuber immer häufiger Kritik an Knebelverträgen. Unbedingt sollten Youtuber sich bei einem Einstieg professionelle anwaltliche Unterstützung besorgen und vor einer Vertragsunterzeichnung alle Details genau durchsprechen. Für die meisten Vorteile von Netzwerken ist nämlich standardmäßig überhaupt kein Rechtsanspruch in den Verträgen festgehalten. Youtuber müssen darauf hoffen, dass gerade Ressourcen verfügbar sind und sind auf den guten Willen der Netzwerke angewiesen. Empfehlenswert ist, einen definierten Anspruch auf Produktionsunterstützung (beispielsweise: 1 mal pro Monat Studionutzung inkl. festem Personalanspruch) und Cross-Promotions vertraglich ganz konkret festzuhalten. Ausstiegsklauseln bei zu wenigen Placement- oder Sponsoring-Angeboten sind ebenfalls sinnvoll.

Interessant außerdem: Öffentliche Kritik an Netzwerken gab es nicht nur unter deutschen Youtubern. In den USA wurde beispielsweise das MCN Machinima dafür bekannt, einen ewig gültigen Vertrag abgeschlossen zu haben, über den alle Rechte am produzierten Content für immer beim MCN verbleiben. Eine Passage, die der unterzeichnende Youtuber nicht verstanden hatte. 

Zuerst verdient Youtube - und dann kommt der Rest

Zunächst wird mit Youtube geteilt - Youtube behält 45 Prozent der Einnahmen, die restlichen 55 Prozent werden ausgeschüttet. Diese 55 Prozent muss man möglicherweise nochmals mit dem Netzwerk teilen, das natürlich verspricht, die eigenen Kosten durch mehr Views (dank Promotion) oder Zusatzeinnahmen (dank Product Placements) wieder zu kompensieren. Als kleiner Youtuber hat man üblicherweise einen 70/30 Split mit dem Netzwerk.

Internationale Stars wie Ray William Johnson können es auch schaffen, 90/10er Splits zu verhandeln. Geld bekommt der Youtuber nur, wenn der Werbespot vor dem Video zum größeren Teil durchläuft. Erfahrungsgemäß ist mit klassischer Werbung allein ein TKP von etwa 2,50 Euro pro 1.000 Views (nicht: Ad-Views) üblich; er kann aber um bis zu 50 Prozent nach oben oder unten je nach Zielgruppe und Targeting abweichen.

Die 45/55-Teilung mit Youtube ist ein zentraler Grund für die Attraktivität von Product Placements: damit lassen sich nicht nur die höchsten TKPs von bis zu 80 Euro erzielen – weil niemand die Placements überspringen kann und sie vom Darsteller persönlich, also besonders überzeugend, vorgestellt werden – sondern diese Einnahmen müssen nur gegebenenfalls mit dem Netzwerk und nicht mit Youtube geteilt werden. Ein üblicher Share mit Netzwerken liegt bei 70/30 zugunsten des Youtubers.

Die lange Leine ist wichtig

Youtuber arbeiten anders: Advertiser sollten dem Youtuber genügend Freiheiten geben, die eigentliche Ausgestaltung selbst zu übernehmen und nicht aus Gründen der "Brand Safety" auf einen Freigabeprozess bestehen - damit macht man sich in dieser Gruppe keine Freunde. Auch wenn eine direkte Zusammenarbeit mit den Youtube-Stars möglich wäre, ist das Einschalten einer dritten Partei trotzdem sinnvoll. In der Praxis ist es oft so, dass Youtuber schwer erreichbar sind und sich vielleicht auch mal nicht an Absprachen halten. Junge Männer sind bei Let's-Play-Channels (beispielsweise bei Studio71, allyance) zu finden, junge Frauen bei Beauty-Channels und einigen Vloggern (Mediakraft, Divimove).

Tipps für Youtuber: Lieber Product Placement als Spots

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