Kony 2012 | | von Franziska Mozart

Strohfeuer im Social Web

Das Interesse an der Kampagne "Kony 2012" übertraf Mitte März alle Erwartungen. Die Resonanz im Social Web war enorm, doch bis zum offiziellen Kony Day am 20. April versandete ein Großteil dieser virtuellen Energie. Wie eine Social-Media-Bilanz des Softwareanbieters Meltwater zeigt, gab es um den Aktionstag herum zwar einen kleinen Peak an Erwähnungen im Social Web, aber das Interesse war bei weitem nicht mehr so groß wie bei den Anfängen der Kampagne im März. Der Höhepunkt war am 7. März, damals zählte das Analyse-Tool Meltwater Buzz580.000 Erwähnungen, die meisten davon in Microblogging-Diensten. Am Kony Day dagegen gab es 90.000 Nennungen des Keywords "Kony". "Letztlich blieb das weltweite Engagement in den Sozialen Medien am Kony Day weit hinter dem absolut beeindruckend Start der Kampagne zurück", so Kevin Lorenz, Executive Director bei der Meltwater Group. "Trotzdem hat es die Kampagne unterm Strich weltweit in alle möglichen Foren, Netzwerke und Medien geschafft. Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie es Social Content gelingt, Diskussionen global zu entfachen."

Insgesamt kamen seit Start der Kampagne über 2,8 Millionen Tweets zusammen. Die Organisation Invisible Children, von der die Kampagne gegen den Kriegsverbrecher stammt, konnte also definitiv ihr Thema weltweit setzen, doch des Abflachen des Interesses zeigt auch, dass der erste Hype nicht mit tatsächlichem politischen Engagement zu verwechseln ist. Politik funktioniert langfristig, ist zäh und bedeutet deutlich mehr Arbeit, als sich einen halbstündigen Youtube-Film anzusehen.

 

Über 88 Millionen Klicks erzielte das Video der Aktion inzwischen, aber die Bereitschaft, auch in der offline-Welt aktiv zu werden, ist deutlich geringer. Zum Kony Day am 20. April rief Invisible Children auf, Plakate zu drucken und aufzuhängen und so die Aktion auch außerhalb des Social Web sichtbar zu machen. Doch zumindest nach stichpunktartigen Überprüfungen in München und Hamburg sind nur vereinzelte Plakate zu finden. Auch in Uganda selbst war von den roten Plakaten nichts zu sehen. Ein Grund, weshalb der Kony Day nicht mehr so einschlug, wie das Video vermuten ließ, liegt sicherlich in der zeitlichen Distanz. Gut einen Monat nach dem Hype an das Thema wieder anschließen zu wollen, war wohl etwas zu optimistisch. Außerdem wurde die Kampagne sehr bald kontrovers diskutiert. In einem Interview mit W&V sprach Javan van Gronigen, dessen Agentur 5ifty & 5ifty die Kampagne entwickelte, sogar darüber, ob es nicht schlecht für seine Agentur sei, in diesem Zusammenhang genannt zu werden. 

Ziel der Kampagne ist es, Joseph Kony in diesem Jahr festzunehmen. Der ugandische Milizenchef wird vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht. Er hat in Uganda 20 Jahre lang Terror in der Bevölkerung verbreitet und zehntausende Kinder entführen lassen, die zu Soldaten gemacht wurden. In Uganda stößt die Aktion von Invisible Children auf Widerstand. Die Regierung hat einen eigenen Film gedreht, der zeigen soll, dass das ostafrikanische Land kein kriegszerfressenes Gebiet mehr ist. "Visible Uganda" heißt der Film, der das Image des Landes aufbessern und letztlich auch dem Tourismus helfen soll. Ministerpräsident Amama Mbabazi nutzt so das große Interesse, das dank der Kony-Kampagne an seinem Land besteht, um auf dem Selben Weg zu zeigen, wie sich Uganda heute sieht.

Strohfeuer im Social Web

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