Johannes Lenz | | von Johannes Lenz

"Social Müdia" ist bloß eine Mär

Dieser Tage hat der von mir geschätzte LEAD digital-Blogger-Kollege und Geschäftsführer von Cocodibu, Christian Faltin, in seinem Blogpost ("Social Müdia: Die Begeisterung für Social Media schläft ein") die These aufgestellt, dass Social Media und damit vor allem Facebook & Co. von der Müdigkeit ergriffen seien.

Ich bin anderer Meinung und möchte kurz zu begründen, warum Christians Perspektive nicht der Realität entspricht.

Wie viele Nutzer hat Facebook weltweit? Wie viele Inhalte werden dort am Tag hochgeladen bzw. geteilt, egal ob es sich um Fotos, Videos, Links etc. handelt? Wieviele nutzen Facebook inzwischen am Tag/im Monat überwiegend nur noch mobil? Kann man alles rasch erfahren, wenn man auf den wichtigsten Fachblogs im deutschsprachigen Raum, www.allfacebook.de, www.futurebiz.de oder www.thomashutter.com vorbeischaut.

 

Christian Faltin hat ja keinen schlechten Text gebloggt, denn ich finde es immer wieder interessant zu erfahren, wie andere Social Media-Plattformen nutzen. Und da scheint die Intensität der Nutzung bei Christian abzunehmen, der sich damit auch beruflich befasst. Und viele werden sich sagen, wenn sie den Text lesen: "Und wenn das schon einer schreibt, der das beruflich macht, dann …"

Eingeschränktes Blickfeld

Und hier liegt der Hase im Pfeffer: können wir von uns auf andere schließen? Nein. Blicke ich mich unter Bekannten um, die beruflich nichts mit Social Media im Sinn haben, so sind sie zwar auch neugierig und besitzen ein oder mehrere mobile Endgeräte, aber das sie jetzt 5 bis 10 Tweets am Tag schreiben und dazu  einen Blogbeitrag sowie täglich mehrfach auf Facebook, Instagram, Google+ usw. posten, nein das ist sicherlich nicht der Fall. Und wenn, dann wird eine regelmäßige monatliche Aktivität bei maximal ein bis drei Netzwerken zu sehen sein, die durchaus auch täglich gepflegt werden.

Übrigens: Empfehlenswerte Lektüre zur Nutzung von Social Media-Kanälen in Deutschland ist die jährlich erscheinende Analyse des Bitkom „Sozial Netzwerke – dritte erweiterte Studie“ .

Das hat aber nichts mit "Social Müdia" zu tun. Eher schon mit einer ausdifferenzierten bzw. gezielten Nutzung von Social Networks bzw. Apps und Communities. Der "Run" auf die Messenger zeigt dies recht anschaulich. Zugleich bedeutet dies aber keine Verringerung der Nutzerzahlen oder der Interaktion auf Facebook. Die Menschen sind dort weiterhin registriert, aber nutzen das und andere Netzwerke einfach anders. Gerade Facebook ist es, das genau diesem Trend Rechnung trägt, indem es für jede relevante Funktion eine App bereitstellen will bzw. wird, wie etwa Paper für News, den Messenger für Chats oder Instagram für Fotos.

Nachdem deutlich wird, dass von einer wie auch immer gearteten Müdigkeit in Sachen Social Media nicht die Rede sein kann, will ich mich kurz noch Twitter widmen, das Christian ja exemplarisch angeführt hat.

Schon 2012 hat Thomas Pfeiffer in seiner Analyse deutscher Twitteraccounts darauf hingewiesen, dass er stumme Accounts nicht mitzähle. Zuletzt hat sich Holger Schmidt (www.netzökonom.de) zu Twitter in Deutschland geäußert.

 

 

Im Prinzip kann man sagen, das sich auf Twitter die alte Internet-Regel bestätigt, wonach wenige Nutzer aktiv die meisten Inhalte erstellen und der große Rest sie eben liest und somit eine mehr oder minder passive Rolle einnimmt.

Im Hinblick auf die Konsequenzen für Social Media-Verantwortliche in Unternehmen und Agenturen wird natürlich klar, dass man mit der zunehmenden Ausdifferenzierung des Social Webs, der stärkeren mobilen Nutzung sowie mit dem jüngsten Trend hin zu Messenger Apps wie Whatsapp, Snapchat, WeChat oder Line drei Herausforderungen vor Augen hat, die sowohl bei der Inhalteproduktion als auch bei der Ausspielung von gezielten Werbeformaten gemeistert und berücksichtigt werden müssen.

Damit bleibt Social Müdia nach wie vor ein Schlagwort, dessen Berechtigung nicht existiert. Dies kann sich ändern, noch aber ist das Nutzer-Engagement bei Facebook & Co. enorm!

Johannes Lenz ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

"Social Müdia" ist bloß eine Mär

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