Satire | | von Annette Mattgey

Rätsel gelüftet: Spielefirma wollte mit "Initiative Sauberes Hamburg" provozieren

Nach tagelangem Rätseln haben sich die Urheber geoutet: Die Spielefirma Farbflut Entertainment hat die Initiative Sauberes Hamburg ins Leben gerufen. "Wir setzen uns seit Jahren mit provokanten und unorthodoxen Mitteln dafür ein, die Probleme der Menschen am Rande unserer Gesellschaft in den Fokus zu rücken," bekannte die Firma in einer heute verschickten Pressemitteilung. Seit Anfang Februar hat die Facebook-Seite der Initiative Sauberes Hamburg für Furore gesorgt. Bis heute konnte sie gerade einmal gut 100 Follower gewinnen, dafür häuften sich die negativen Kommentare. Auch wenn die Möglichkeit eines Fake-Accounts von Anfang an in der Luft lag, sprachen sich die meisten Nutzer gegen derartige Satire-Aktionen aus, auch hier bei LEAD digital. Der Senat der Stadt Hamburg, dem vor allem die Verwendung des offiziellen Logos übels aufstieß, distanzierte sich ausdrücklich. Die meisten Posts waren Ausschnitte aus Medienberichten, die nur auf den ersten Blick als obdachlosenfeindlich wirkten, sich jedoch bei genauerem Hinsehen  als Auseinandersetzungen mit der prekären Lage von Wohnsitzlosen entpuppten. Bereits 2008 erhitzte Farbflut Entertainment die Gemüter - mit einem "Pennergame".

"Wir sind bewusst an die Schmerzgrenze gegangen. Die Realität ist oftmals kaum weniger gruselig," erklärten die Farbflut-Geschäftsführer Marius Follert und Niels Wildung. Dass in Hamburg mit besonderer Härte vorgegangen wird - etwa von Seiten der Deutschen Bahn und dem Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs, thematisierte auch ein NDR-Beitrag vom Dienstag: Unter anderem werden Sitzgelegenheiten an Wartehäuschen absichtlich so konzipiert, dass das Sitzen dort äußerst unbequem ist. Gegen die Missstände haben Follert und Wildung nun eine Petition formuliert und hoffen, dass der Senat darauf ebenso schnell reagiert wie auf ihre Facebook-Seite. "Wir fordern eine fraktionsübergreifende Auseinandersetzung mit der Problematik der Wohnungsnot und Obdachlosigkeit in Hamburg und haben eine Petition zu diesem Anliegen gestartet."

Umstritten bleibt das Engagement der beiden dennoch. Kritisch äußerte sich etwa die Obdachlosenzeitschrift Hinz & Kunzt: „Diese Satire war und ist geschmacklos. Uns ist nicht jedes Mittel recht, um auf Obdachlosigkeit in Hamburg aufmerksam zu machen. Ich gehe davon aus, dass Farbflut Entertainment versucht, mit dieser Folgeaktion zum „Pennergame“ neue Spieler zu gewinnen, um mehr Profit zu machen. Dabei scheinen die Macher sich wieder nicht vor diffamierenden und hetzerischen Äußerungen zu scheuen, wie wir sie schon aus dem „Pennergame" kennen. Denen geht es um Profit und nicht um eine echte Auseinandersetzung. Das Thema Obdachlosigkeit ist in den Köpfen von vielen Politikern und Hamburgern. Alle, die ernsthaft an Lösungswegen interessiert sind, setzen sich auch ernsthaft damit auseinander,“ sagt Hinz & Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer.

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