Brandwatch-Studie | | von Petra Schwegler

Radio zieht im Social Web den Kürzeren

Wenn sich Nutzer auf Twitter oder Facebook über Inhalte der klassischen Medien austauschen, dann geht es meist um Stücke aus dem "Spiegel", aus der "FAZ" oder um Produktionen von RTL. Radiosender erhalten online vergleichsweise wenige Erwähnungen, was vermutlich vorrangig durch ihren regional begrenzten Wirkungsbereich bedingt ist. Das sind zentrale Ergebnisse einer aktuellen Studie von Brandwatch zum Social Buzz über Medienmarken.

Für den Report "Medien im Social Web" wählte der weltweite Anbieter für Social-Media-Monitoring und -Analytics in Zusammenarbeit mit den Medientagen München 15 führende deutsche Medienunternehmen der Kategorie Print, Radio und TV aus und untersuchte deren Aktivität und das Gesprächsaufkommen zu den Marken im Social Web. Der Report belegt damit bekannte Schwächen der Gattung Hörfunk und bestätigt, was Radiomanager Kristian Kropp in einem Impulsreferat auf den Medientagen eingefordert hat: Radio muss, um im Zeitalter der Suchmaschinen auffindbar zu bleiben, im Netz viel stärker mit gut teilbaren Inhalten wie Infografiken, Bildern oder langen Texten vertreten sein.

Zurück zur Studie von Brandwatch. Fernsehen und Print sicherten sich demnach die meisten Gespräche im Social Web. Während des Untersuchungszeitraums vom 1. August bis zum 15. Oktober wurde der "Share of Buzz" (Verteilung der Onlinegespräche) der Medienkanäle und der einzelnen Medienmarken analysiert.

Weitere wichtige Ergebnisse der Brandwatch-Studie:

- Innerhalb des Untersuchungszeitraums gab es insgesamt fast zwei Millionen Erwähnungen zu den 15 Medienunternehmen im Internet. Die fünf untersuchten TV-Marken - ARD, ProSieben, RTL, Sat.1, ZDF - erzeugten dabei laut Brandwatch das größte Gesprächsvolumen (50 Prozent). Auf Platz zwei folgen die ausgewählten Print-Marken ("Bild", "Der Spiegel", "Die Zeit", "FAZ" und die "Süddeutsche Zeitung" - mit einem Anteil von 46 Prozent. vier Prozent des "Share of Buzz" entfielen auf die Radiosender, darunter 1Live, Antenne Bayern, Bayern1, SWR3 und WDR 2.

- Zu den meistbesprochenen Medienmarken im Social Web gehören der "Spiegel", die "FAZ" und RTL. Mit einem Gesprächsanteil von 18 Prozent habe sich "Der Spiegel" an die Spitze des Share of Voice innerhalb der einzelnen Marken gesetzt, hält Brandwatch fest. Im TV-Bereich zählt RTL zu den meistbesprochenen Sendern im Social Web.

- Jede der untersuchten Medienmarken hat mindestens einen Twitter- und Facebook-Channel am Start und ein Großteil dieser Medien setzt diese Kanäle sehr gezielt ein, um Nachrichten zu verbreiten und mit der Community in Kontakt zu treten. Die vielen Erwähnungen und Kommentare durch die Community zeigen, dass dies gut funktioniert.

- Als Hauptkanal für Gespräche zu Medienmarken hat Brandwatch Twitter identifiziert. 54 Prozent des "Share of Buzz" sei dort zu finden. Facebook liegt demnach auf Platz zwei mit 21 Prozent, gefolgt von News-Seiten mit durchschnittlich 16 Prozent. Auch innerhalb der Mediengattungen gibt es in der Verteilung der Kanäle keine größeren Unterschiede: So entfielen bei allen drei Mediengattungen die Hälfte der Gespräche auf Twitter.

- Das Mediennutzungsverhalten der Konsumenten spiegelt sich in der Verteilung der Gespräche nach Tageszeit wieder. So wurde festgestellt, dass Print-Medien in den Morgenstunden am häufigsten diskutiert wurden, danach flachen die Gespräche ab.

- TV-Marken werden zunehmend während des Tages besprochen, der Peak wird jedoch in den Abendstunden erreicht: Zwischen 19 und 21 Uhr gibt es die meisten Gespräche über TV-Marken im Social Web. "Das zeigt auch, welche Bedeutung der Second Screen in Deutschlands Wohnzimmern erlangt hat", folgert Branwatch.

- Ein weiteres Ergebnis lautet: Sonntag ist TV-Tag, zumindest wenn man nach der Anzahl der Gespräche im Social Web geht. Radio wird vorranging werktags besprochen. Am Samstag und Sonntag seien hier die Mention-Volumen am geringsten, heißt es. Radiomarken erzielten aufgrund ihrer regionalen Ausrichtung überhaupt weniger Online-Gespräche als überregionale Medien, heißt es in der Studie.

Fazit: "Über alle Medienkategorien – Print, TV und Radio – wird eifrig im Social Web gesprochen", so Brandwatch. Während die Online-Erwähnungen für Print sehr stark auf tagesaktuelle Nachrichten fokussiert seien, gehe es in der Kategorie TV auch um Sport und spezielle Sendungsformate. "Der Buzz im Bereich Radio bezieht sich hingegen stark auf die verschiedenen Sendungen und Aktionen der Stationen", heißt es weiter. Doch ein Wort haben drei Mediengattungen gemein: " Liebe" werde in allen drei Topic Clouds abgebildet. Fest steht, dass sich Social Media mit den klassischen Medien bereits verzahnt hat. Brandwatch rät: "Medienmarken, die das Potenzial von Social Media für sich nutzen, können sich also einen entscheidenden Wettbewerbsvorsprung im Bereich Leser/Quoten/Zuhörer sowie Community Engagement und Loyalität verschaffen."

Der Report wurde vergangene Woche vorab auf den Medientagen im Rahmen des Social-Media Tage- vorgestellt und steht ab sofort zum Download zur Verfügung.

Radio zieht im Social Web den Kürzeren

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht