Wikipedia | | von Susanne Herrmann

PR-Agenturen geloben Objektivität

Manipulationsvorwürfe standen im Raum: Die Wikimedia-Stiftung hatte den PR-Firmen sogar mit einer Klage gedroht und Ende 2013 zahlreiche Nutzer gesperrt, denn Wikipedia sei zwar nicht perfekt, wolle aber niemals ein Produkt verkaufen, gab die Stiftung bekannt (W&V Online berichtete).

Elf Agenturen - die aber nicht von den Vorwürfen betroffen waren - haben nun eine gemeinsame Erklärung verfasst. Dabei sind Ogilvy & Mather, Fleishman Hillard, Burson-Marsteller, Ketchum, Porter Novelli, Edelman, Allison + Partners, Voce Communications, Peppercom, Beutler Ink und die Glover Park Group. In ihrer öffentlichen Stellungnahme, veröffentlicht bei Wikipedia am 12. Juni, verpflichten sie sich, in Einträgen bei Wikipedia nichts zu beschönigen. "Unsere Unternehmen erkennen die wichtige und einmalige Funktion von Wikipedia als öffentliche Informationsquelle an." Man wisse, dass das Verhalten einiger Branchenteilnehmer jedoch zu einem angespannten Verhältnis zwischen der PR-Industrie und Wikipedia geführt habe, heißt es weiter. Die Unterzeichner sind der Ansicht, dass es zum Besten der PR-Branche und der Wikipedia-Nutzer sei, "dass Wikipedia seinen Auftrag erfüllt, eine sorgfältige und objektive Online-Enzyklopädie aufzubauen." Das gehe nur, wenn die Kommunikationsprofis sich an die Wiki-Regeln halten.

Die unterzeichneten PR-Agenturen verpflichten sich daher den grundlegenden Wikipedia-Regeln  sowie dazu, jeden Hinweis auf einen möglichen Verstoß im eigenen Haus zu untersuchen und zu ahnden. Die eigenen Kunden und Kollegen halte man ebenfalls dazu an, die Vorgaben von Wikipedia zu respektieren.

Kritiker sind schon auf dem Plan: "Was auf den ersten Blick wie ein gewaltiger Fortschritt in der Diskussion um bezahlte Beiträge wirkt, ist in Wirklichkeit eher ein zahnloser Tiger ohne konkreten Mehrwert – und zeigt, dass die PR-Branche Wikipedia immer noch nicht versteht", ist auf dem PR-Agentur-Blog zu lesen. Denn, so argumentiert Markus Franz, Geschäftsführer von Sucomo): "Die Erklärung gibt letztendlich nur das wieder, was ohnehin seit Jahren gilt. An die fünf Leitsätze, denen sich die Unterzeichner ab sofort unterwerfen wollen, muss sich auch heute schon jeder PR-Fachmann in Wikipedia halten." Zur Trasparenz kein Wort, kritisiert Franz. Und einige der unterzeichnenden PR-Agenturen hätten stets bestritten, in Wikipedia aktiv zu sein - diese vollzögen also nun eine Kehrtwende, "die in der Community für Wirbel sorgen dürfte", spekuliert der PR-Mann.

Die Nutzungsbedingungen von Wikipedia beziehen sich nicht ausdrücklich auf werbliche Inhalte, verbieten jedoch das "Einstellen falscher oder unzutreffender Inhalte in der Absicht, andere damit zu täuschen". Dennoch kam es zu Fällen vor verdeckter PR auf dem Wissensportal im vergangenen Herbst. Seither haben sich Experten bereits Gedanken gemacht, wie sich die kostenlose Online-Enzyklopädie sauberhalten lässt. Auch einen Leitfaden für PR-Agenturen gibt es schon.

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