Markus Sekulla | | von Markus Sekulla

Online über den Tod hinaus: Was wird aus unserem digitalen Erbe?

Schon wieder Delaware. Im "The First State", der etwas südlich von New York City und Philadelphia liegt, werden künftig digitale Werte genau wie natürliche Güter vererbbar sein. Ein Vorstoß, der bald in den ganzen USA Schule machen könnte.

Was passiert mit meiner Facebook Seite nach dem Ableben? Wer kann meinen Account bei meiner online-only Bank verwalten? Und was passiert überhaupt mit meinen 15.000 iTunes Songs? Nur einige der Fragen, die man sich vielleicht künftig häufiger stellen wird.

Was das House Bill 345 (Fiduciary Access to Digital Assets and Digital Accounts Act) bringen wird:
„According to the new law, digital assets such as email, cloud storage, social media accounts, health records, content licenses, databases and more are deemed a part of a person’s estate upon death, and the entities who control access to those assets are required to provide the legal executor with control over the deceased’s digital assets. The legislation also applies in cases where a person becomes incapacitated and his or her assets come under the control of a fiduciary.“
Quelle: http://www.dehousedems.com/press/rep-scotts-first-nation-digital-assets-bill-becomes-law

Schön irgendwie. Doch will man das überhaupt? Dem ein oder anderen wird es sicher nicht gefallen was sein/ihr Partner/in in Emails und Facebook-Chats geschrieben hat. Vielleicht realisiere ich dann auch, dass mein Schatz ihr Lebtag lang Schlager gehört und innig geliebt hat. Mein Bild von ihr wäre völlig verschoben. Und doch, das wäre wohl noch zu den leichter verdaulichen Missverständnissen zuzuordnen. Natürlich hat das HB 345 auch Vorteile, so wären zum Beispiel Lizenzen, Zugänge oder Dokumente für die Hinterbliebenen leichter greifbar.

Unklar ist jedoch die Praktikabilität eines solchen Gesetzes. So erlauben die meisten Internetunternehmen in ihren Terms and Conditions das Weitergeben von Passwörtern und Zugängen nicht. Die Washington Post schreibt, man müsste seinem Notar eine Liste mit Accounts und Passwörtern hinterlegen, die dann je nach der Formulierung des Letzten Willens an die Hinterbliebenen weitergegeben werden würde. Klingt furchtbar unpraktisch und wird sicher nicht das Ende der Entwicklungen darstellen.

Erbrecht, das auf den technischen Fortschritt reagiert. Das ist die fast einstimmige Meinung zum Gesetz in den US-Medien. Demnächst können Delawareans per Testament selbst entschieden, ob und wem man Güter, Accounts oder Zugänge weitergibt… und das ist auch gut so.

Markus Sekulla ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Vor kurzem hat er seine Zelte in Deutschland abgebrochen und lebt jetzt in New York. Von dort berichtet er für W&V und LEAD digital. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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