Bärbel Stolz mit ihrem ersten Buch.
Bärbel Stolz mit ihrem ersten Buch. © Foto:Youtube/Prenzlschwäbin

Cross-Marketing | | von Annette Mattgey

Ob Youtube, Buch oder Kino: Die "Prenzlschwäbin" bleibt dem Kiez treu

Mit der Frage "Isch es Bio?" brachte die "Prenzlschwäbin" Bärbel Stolz Millionen per Youtube-Spot zum Lachen. Nun hat sie aus ihren Erfahrungen als Neu-Berlinerin ein Buch gemacht.

Über Leute wie sie - zugezogene Schwaben im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg - gibt es viele Vorurteile, die die "Prenzlschwäbin" genüsslich zelebriert. Seit 2014 hat die Schauspielerin ihren eigenen Kanal bei Youtube und stellt kleine Clips ins Netz. Das brachte ihr im Januar die Auszeichnung als "Video-Blog" des Jahres im Rahmen der "Goldenen Blogger 2015". Mit "Isch des Bio?" (Goldmann Verlag) erscheint nun ihr erstes Buch.

Worum es darin geht? Um gut situierte, Bio-Kuchen backende Schwaben-Mütter im Prenzlauer Berg natürlich. Stolz lässt darin kein Klischee aus. Von Müttern auf Ritalin, die ihre vermeintlich hochbegabten Kinder mehrsprachig erziehen (wollen) bis hin zur richtigen Mülltrennung auf dem Spielplatz. Aus der Luft gegriffen ist das mitnichten. "Es kommt tatsächlich alles irgendwoher", sagt Stolz. "Wie autobiografisch es tatsächlich ist, möchte ich gar nicht so preisgeben."

Die 38-Jährige weiß, wovon sie spricht: Stolz wurde in Esslingen am Neckar geboren, wuchs auf der Schwäbischen Alb auf und zog vor 20 Jahren in die Hauptstadt. Dort landete sie zunächst in der Dunckerstraße im damals noch wilden Prenzlauer Berg, wie auch im Buch zu lesen ist. Inzwischen ist sie selbst Mutter zweier Kinder, denen sie als Snack am liebsten Brezeln zu essen gibt, wie sie verrät. Ihr beliebtester Clip als "Prenzlschwäbin" namens "Shit Prenzlschwaben say" wurde auf Facebook und Youtube in einer Woche mehr als eine Million Mal angeklickt.

Auch in ihrem Buch sammelt sie kurzweilig verschiedene Geschichten aus dem Leben der "Prenzlschwäbin" - von Kindergeburtstagen ("nur förderliche, vernünftige, schöne Dinge" verschenken) bis hin zum Brotkauf beim angesagten französischen Bäcker (das Buchweizenbrot wird pro Person nur in begrenzter Menge ausgegeben).

Auch der Schwabenhass wird thematisiert - etwa wenn eine Freundin sich nicht traut, der Kassiererin zu verraten, warum sie so viel Käse kauft (für Spätzle) oder wenn die "Prenzlschwäbin" Hassparolen von ihrer Hauswand entfernen muss. Das bietet so viel Stoff, dass die "Prenzlschwäbin" demnächst sogar ins Kino kommt. Die Dreharbeiten sollen 2017 stattfinden, wie sie der Deutschen Presse-Agentur sagte. Lago Film mit Sitz in Berlin produziert den Streifen.

Bei so vielen Geschichten aus dem Nähkästchen dürfte eines den Leser überraschen: Bärbel Stolz wohnt gar nicht im Schwaben-Kiez, sondern seit Jahren schon in Berlin-Mitte. Das wird aber bald anders. "Ich ziehe Ende des Jahres zurück in den Prenzlauer Berg", kündigt sie an. "Da hat sich wirklich eine Menge verändert, seit ich zuletzt vor 20 Jahren da gewohnt habe."

Am Ende ihres Buches entwirft Stolz auch eine Version, wie der Schwaben-Kiez Prenzlauer Berg 2035 aussehen könnte - mit Badesee am Kollwitzplatz und sprechenden Mülleimern. Wäre das wirklich ihr Ideal? Eher nicht. "Eine schöne Vorstellung für mich wäre, wenn es weniger Autos auf den Straßen gäbe und mehr Fahrradwege."

Hier der Trailer zum Buch:

Und hier der wohl bekannteste Clip:

am/Antonia Lange, dpa

Ob Youtube, Buch oder Kino: Die "Prenzlschwäbin" bleibt dem Kiez treu

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