Uni Hohenheim | | von Annette Mattgey

Nur 20 Prozent der Blogger verdienen mehr als 500 Euro im Monat

Zwischen Liebhaberei und Gelderwerb ist die Spannbreite der Blogger riesig, doch eine aktuelle Studie der Uni Hohenheim zeigt auch Gemeinsamkeiten. Kultur-, Medien- und IT-Themen kommen am häufigsten vor. Nur jeder zehnte betreibt ein Corporate Blog. Die Untersuchung, die von der Universität Hohenheim (Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften,  Prof. Michael Schenk) durchgeführt wurde, initiierte der Deutsche Fachjournalisten-Verband (DFJV). Insgesamt waren rund 2500 Blogger eingeladen, sich online an der Befragung zu beteiligen. Die Antworten von über 500 Teilnehmern konnten ausgewertet werden.

Besonders unter die Lupe nimmt die Studie die Themenblogger, die auch die Mehrheit der Befragten bilden. Etwa zehn Prozent führen online eine Art virtuelles Tagebuch und ähnlich viele bloggen als Teil einer Unternehmensstrategie (siehe Abbildung oben). Die Themenblogger haben sich - ebenso wie Fachjournalisten - spezialisiert. Sie sind gut ausgebildet, schreiben vorzugsweise über Kultur oder Technik und Internet und haben den Anspruch, komplexe Themen verständlich aufzubereiten, zeigt die aktuelle Studie.

"Themenblogger sind überwiegend männlich und im Durchschnitt 38 Jahre alt", charakterisiert Prof. Schenk den typischen Themenblogger. "Ihre formale Bildung ist ausgesprochen hoch. Über 50 Prozent haben einen Hochschulabschluss. Journalistisch hat die Mehrheit zuvor noch nie gearbeitet. Acht Prozent verfügen über eine journalistische Ausbildung."

Durchschnittlich betreiben die befragten Themenblogger drei Blogs, in die sie im Mittel neun Stunden Zeit pro Woche investieren. Dabei widmen Themenblogger die meiste Zeit dem Erstellen von Inhalten (46 Prozent), aber auch Recherchetätigkeiten machen einen großen Anteil aus (28 Prozent). Vermarktung und technische Betreuung sind hingegen eher Nebentätigkeiten (12 und 11 Prozent).

Bis zu zwei Millionen Leser kann ein einzelnes Blog erreichen, aber das ist die Ausnahme. Durchschnittlich hat ein Blog 1000 Leser. Um deren Zahl in die Höhe zu treiben, setzten die Blog-Autoren auf Social Media. Die meistgenutzten Verbreitungskanäle sind soziale Netzwerkplattformen - drei von vier Bloggern nutzen unter anderem Twitter - sowie Blogverzeichnisse.

Für 12 Prozent ist es Liebhaberei: Sie zahlen drauf

Drei Viertel der Blogger erzielen Einnahmen durch ihre Bloggertätigkeit. Die Hälfte der Blogger, die Einnahmen generiert, erzielt dabei entweder geringe Gewinne von bis zu 100 Euro (38,2 Prozent) oder verzeichnet zwar Einnahmen, erwirtschaftet aber insgesamt keine Überschüsse oder hat sogar Einbußen (12,1 Prozent). Mehr als 500 Euro Gewinn pro Monat können rund 20 Prozent der Blogs verzeichnen. Bei thematischen Blogs haben Werbeeinnahmen und Affiliate Marketing als Einnahmequellen die größte Bedeutung.

Selber machen statt meckern

Was treibt die Themenblogger an? Sie wollen komplexe Sachverhalte erklären und vermitteln und ihr Publikum präzise und neutral informieren. Gleichzeitig sehen sie sich als Trendscouts und Ratgeber. Politische Motive spielen kaum eine Rolle. Sie sehen sich - im Unterschied zu Journalisten - auch nicht als Kontrollinstanz. 

Das bedeutet aber nicht, dass sie an ihre Arbeit nicht gewisse Anforderungen stellen. Dazu zählen Kriterien wie die journalistische Qualität, die auf Merkmalen wie Objektivität, Relevanz, Richtigkeit und Aktualität beruht. "Themenblogger verstehen ihre Angebote als eine neue, andere Art von Journalismus", fasst Prof. Schenk die Befragung zusammen. "Überwiegend halten sie den klassischen Journalismus und Blogs für zwei journalistische Tätigkeitsfelder, die sich wechselseitig inspirieren und einander nutzen - wobei die Ergebnisse auch ein gewisses Spannungsverhältnis deutlich machen, welches sich vor allem darin ausdrückt, dass sich Blogger vom Journalismus durchaus kritisiert fühlen."

Die sehr ausführliche Untersuchung (knapp 50 Seiten) kann mit einem einfachen Klick hier gelesen werden.

Nur 20 Prozent der Blogger verdienen mehr als 500 Euro im Monat

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