André Gebel in luftiger Höhe.
André Gebel in luftiger Höhe. © Foto:André Gebel

Influencer | | von André Gebel

Mit Mammut in eisigen Höhen - oder ein Plädoyer für die Authentizität von Influencer-Marketing

Sie haben uns geächtet, gebrandmarkt und öffentlich durchs Dorf getrieben. Wir wären nicht authentisch, so wandelbar wie eine Litfaßsäule in der Fußgängerzone. Halten mal dieses, mal jenes Produkt in die Kamera und würden Geld und Ruhm, ganz ohne die lästige Kennzeichnungspflicht einkassieren. Ja uns, ja wir. Denn seit knapp zwei Jahren, zähle ich mich selbst zur bedrohten Spezies der Reiseblogger (Turnagain.de) - und etikettiere meine Posts und Beiträge fleißig mit stupiden Hashtags und Hinweisen, auf eine mögliche Unterstützung.

So weit, so schlecht. Denn wie charakterlose Reklame fühlen sich die knapp 6.000 Höhenmeter unter meinen geschundenen Füßen nun wirklich nicht an. Ich habe die innere Komfortzone verlassen und bin für eine afrikanische Reise-Agentur und unseren Kunden Mammut auf den Kilimandscharo gestiegen. Damit bin ich natürlich nicht allein, denn wir haben 20 Alpinisten und Bergfotografen ausgewählt, die gerade zeitgleich ihre Geschichte vom Herausfordern, Scheitern und Bezwingen erzählen.

Der Ausgangspunkt war die neue Eiger-Extreme-Kollektion des Schweizer Outdoor-Spezialisten Mammut, welche speziell für Bergsportler entwickelt wurde, die eisige Höhen als ihr Spielfeld definieren. Uns war von Anfang an klar, dass plattes Product Placement hier nicht funktionieren kann, denn der Bergsport lebt von Legenden, Abenteurern und ihren waghalsigen Geschichten. Den perfekten "Storytellern" also, die nicht zwangsläufig über die Reichweiten einer Dagi Bee oder Caro Daur verfügen.

Der Auswahl und Glaubwürdigkeit unserer Markenbotschafter kam also eine entscheidende Bedeutung zu und wir wollten Männer wie Frauen, "Große" wie "Kleine", Profis wie Rookies. Vereinen sollte sie allein diese drei Kriterien: Erstens, die Identifikation mit der Marke Mammut samt Begeisterung für die neue Kollektion. Zweitens, die Passion für den Bergsport und damit der "need" für die hochwertigen Produktfeatures und drittens, der Hunger nach einer neuen Herausforderung.

Nachdem wir mit Instagram schnell unser visuelles Story-Hub gefunden hatten, sollte die Geschichte in drei "Snacks" serviert werden. Zunächst legt man den Köder aus und präsentiert die möglichst herausfordernde Aufgabe, dann folgt man seinem inneren und äußeren Weg und nimmt Fan und User emotional mit auf die Reise. Ja und dann … Geht es ums Scheitern oder Schaffen. Stets inspiriert und unterstützt durch die technisch ausgereiften Produkte der Eiger- Extreme-Kollektion, die mal im Bild oder auch nur als Hashtag, dem Inspirator Tribut zollen.

Der Startschuss zur Kampagne fiel dann Ende August in einem Züricher Shoppingcenter, wo der vertikale Laufsteg den zwei Mammut-Athleten David Lama und Dani Arnold als heroische Kletterkunst-Bühne diente. Damit war die erste Challenge geschafft und der Grundstein für unsere Influencer-Kampagne gelegt, die im Monat September so spannende Geschichten wie die von Fotograf Tom Klocker bereithält, der mitten auf einem Gletscher schlafend, sich plötzlich mit einem Schneesturm konfrontiert sieht.

Oder der Episode des amerikanischen Bergsteigers mit dem bezeichnenden Instagram-Namen "Moonmountainman", der so kurz vor dem Gipfel des Mount Rainier mit einstürzenden Schneebrücken zu kämpfen hat. Das ist spannende, authentische Unterhaltung, die User gleichermaßen zu eigenen Challenges anregt, die mittlerweile zuhauf unter dem Kampagnen-Hashtag (#mammutchallenge) gepostet werden. Grund genug für Mammut, auch den Nachwuchsbergsteigern eine eigene Eiger-Extreme-Ausrüstung als Gewinn in Aussicht zu stellen. Die Kampagne ist noch nicht zu Ende, doch in Punkto Interaktion und Storytelling ist sie schon jetzt ein voller Erfolg. Und beweist zudem, dass Influencer-Marketing mehr kann als plattes Product- Placement von dauergrinsenden Bikinischönheiten.

Die richtige Influencer-Auswahl, eine spannende Story und die Einbeziehung der Fans machen eine gute Kampagne aus. Wir nennen das Enganging Storytelling und glauben damit einen Weg jenseits aller selbstzerstörenden Influencer-Diskussionen gefunden zu haben.

Den "Kili" hätte ich sicherlich auch ohne meine Partner ins Visier genommen, denn für kein Geld der Welt würde ich mir diese Anstrengung erkaufen lassen. Und für kein Geld der Welt würde ich auf dieses Erlebnis verzichten mögen. Doch das ist eine andere Geschichte.

André Gebel, Geschäftsführer der Münchner Digitalagentur Coma, ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

Mit Mammut in eisigen Höhen - oder ein Plädoyer für die Authentizität von Influencer-Marketing

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