Kommentar | | von Frank Zimmer

Marlboro, Lucky Strike und die Anti-Digital-Werbung

Dirk von Gehlen, Social-Media-Chef der "Süddeutschen Zeitung", ärgert sich über eine Kampagne von B.A.T. Der Zigarettenkonzern hat für seine Traditionsmarke Lucky Strike Außenwerbung plakatieren lassen, die den Rückzug ins Analoge inszeniert: Bücher statt Facebook, Wir statt Wireless oder vier echte Freunde statt 364 Facebook-Kontakte. "Handwerklich gut gemacht", schreibt Gehlen in seinem privaten Blog "Digitale Notizen". Aber die Botschaft sei bedenklich: Lucky Strike bediene einen "Zeitgeist..., der konservativ und zukunftsskeptisch ist". Die "Digital-Skepsis" scheine in Deutschland "plakattauglich zu sein".

Eine gewagte These.

Denn die Lucky-Strike-Motive folgen einfach nur einem jahrzehntealtem Tabakwerbemuster. Sie bedienen nicht die Angst vor dem digitalen Neuland, sondern sie spielen mit Sehnsucht nach Nonkonfirmus und Unabhängigkeit. In den 60er und 70er Jahren versprach der Marlboro-Cowboy 30 Fernseh-Sekunden lang Freiheit von Ratenzahlung, Kfz-Steuer und Parkplatzsuche. Niemand wäre damals auf die Idee gekommen, das Pferd im Werbefernsehen als Angriff auf die deutsche Automobilindustrie zu interpretieren. Denn die Deutschen waren damals so fortschrittsgläubig wie nie. Sie konnten ihr Land gar nicht schnell genug mit Autobahnen und vierspurigen Umgehungsstraßen zubetonieren. Umweltschutz war nur etwas für Minderheiten.

Darum irrt Dirk von Gehlen mit seiner Plakat-Intepretation. Die Analog-Plakate des Jahres 2014 sind nichts anderes als die Marlboro-Gäule von 1969: eine kurze Auszeit vom Alltag.

Marlboro, Lucky Strike und die Anti-Digital-Werbung

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