Interview | | von Irmela Schwab

Mark Mitchell: Beim Kurzfilmtrend bleibt Content Trumpf

Facebook, Pinterest, Instagram, Vine: Die Social-Media-Landschaft wächst beständig. Während anfangs vor allem Textnachrichten im Fokus standen, werden die Portale immer (bewegt)bildlastiger. Mark Mitchell, Social Media Director von My Social Agency in London, erklärt im Interview mit LEAD digital, wohin die Reise geht und welche Rolle Vine und Instagram dabei spielen.

Heute fällt der Startschuss der zweitägigen Dmexco - dort wird auch über aktuelle und künftige Trends gesprochen. Was ist denn der nächste Knaller im Bereich Social Media?

Social Media ist ein Phänomen, das sich ständig weiterentwickelt. Das macht es sehr schwer vorherzusagen, was das "next big thing" sein wird. Wir können aber Trends ausmachen, die Hinweise geben. In einem jüngeren Artikel auf Mashable beispielsweise erklärt die 13-jährige Ruby Karp, dass keine ihrer Freunde mehr auf Facebook ist. Das steht in Verbindung mit den drei größten Social Trends:

1. Eine neue Generation von Internet-Usern formiert sich. Seit seinen Anfängen war Facebook das allercoolste Medium für Studenten und bis vor kurzem auch für allen anderen - bis auf diejenigen, die altersbedingt noch nicht mitmachten durften. Und während alle über Facebook gesprochen haben, haben Kinder unter 13 Jahren Social Networks entdeckt, die es nur auf dem Mobiltelefon gibt - wie Instagram, Snapchat oder Kik.  

2. Während ein Bild immer noch mehr als tausend Worte sagt, sind Kurzfilme auf Vine und Instagram derzeit das angesagteste Medium. Das heißt nicht, dass längere Filme auf Youtube oder anderswo nicht mehr angesehen werden. Aber aus diesen Kurzfilmen entsteht eine eigene Medienform.

3. Die Verbreitung der Smartphones nimmt zu: Damit sind nun auch immer mehr jüngere Zielgruppen über Mobilgeräte mit dem Internet verbunden.

Welche Rolle spielt Instagram für Facebook? Wird es damit auch wieder für jüngere abtrünnige Zielgruppen interessant?

Indem Facebook Instagram akquiriert hat, will das Unternehmen vor allem seine mobile Zielgruppe an sich binden. Mit Instagram Video kann Facebook nicht nur mit Twitters Vine mithalten, sondern stellt auch eine Plattform für Video-Ads zur Verfügung. Es ist kein Zufall, dass die Länge eines Instagram-Videos der Länge eines durchschnittlichen TV-Spots entspricht. Das erlaubt Werbungtreibenden, ihre Spots auf Instagram hochzuladen, ohne sie verändern zu müssen. Über Instagram hat Facebook also gleichzeitig beide Trends belegt: Mobile und Web Video Ads. 

Wie passt Facebooks Strategie dazu, zusätzlich zum bestehenden Ad-Inventar Video-Werbung anzubieten?

Für Facebook sind Sponsored Storys und bildbasierte Werbung eigentlich sinnvoller. Ich könnte mir aber vorstellen, dass eine begrenzte Anzahl an Inventar, das relativ teuer ist, funktioniert - vor allem auch für die Marken, die bereits auf Youtube mit einer guten viralen Strategie präsent sind, die sie auf Facebook ausdehnen wollen. 

Welche Rolle spielt Vine in Twitters Strategie? Und wie unterscheiden sich die beiden Kurzfilm-Plattformen untereinander?

Vine unterscheidet sich von Instagram genauso wie Twitter von Faceobook: 140 Zeichen Text und sechs Sekunden Video gegen die jeweils längere Versionen. Twitter-Konversationen finden in Echtzeit statt, Vines sind ebenfalls große unmittelbare Engagement-Treiber. Damit sind sie außerdem in der Lage, inmitten des Social-Media-Getöses hervorzustechen. Sechssekündige Vines sind nicht unbedingt Ads, aber sie können - vorausgesetzt, sie sind gut gemacht - sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. 

Auf was müssen Unternehmen bei der Produktion von Vines und Instagram Videos achten?

Instagram gibt Werbungtreibenden mit 15 Sekunden genug Zeit, ihre TV-Spots in Instagram-Videos zu wandeln. Allerdings ist kein TV-Spot nötig, um ein erfolgreiches Instagram-Video zu machen: Dazu benötigt man nichts weiter als eine qualitativ hochwertige Smartphone-Kamera. Ein Stativ hilft dabei, das Wackeln bei der Aufnahme zu reduzieren. Dann ist dem Experimentieren keine Grenze gesetzt: von Stop-Motion-Animation bis hin zu simplen Kameratricks mit Filtern. Dabei darf man aber vor allem eines nicht vergesssen: Ein erfolgreiches Video ist nicht eines, das die besten Qualität, sondern den besten Content hat. 

Mark Mitchell: Beim Kurzfilmtrend bleibt Content Trumpf

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