Christian Clawien | | von Christian Clawien

Life ist live – Wird Periscope ein nachhaltiger Erfolg?

Kennen Sie Fahad, Matthew Santoro oder Bathuan Katirci? Nein? Bis vor kurzem sagten mir diese Menschen auch nichts. Das war bevor ich die App Periscope ausprobiert habe. Die drei Herren sind nämlich die weltweit beliebtesten Periscoper. Zwischen 30 und 40 Millionen Herzen haben Sie für  die Streams aus ihrem Leben bereits gesammelt. Herzen sind die Währung von Periscope. Während eines Livestreams tippt man aufs Display und kann Herzen an den Streamenden versenden. 

Wenn Sie Livestreams hören, denken Sie vielleicht erstmal an das putzige Erdmännchen namens Meerkat, das zur SXSW für Euphorie sorgte. Die hielt solange an, bis klar wer die Macht besitzt, um eine Livestreaming-App groß zu machen: Twitter. Die kauften sich Periscope. Mitten während des größten Tech-Festivals kappten sie Meerkat den Schlüssel zum Wachstum: Den Zugriff auf den Twitter-Social Graph, der eine vereinfachte Anmeldung und noch einiges mehr möglich machte. Von einer Woche auf die andere war Meerkat out und Periscope in. Eine Million Downloads soll die App auf iOS in 10 Tagen erreicht haben, nun gibt es auch eine Android-Version. Auch Oprah Winfrey streamt schon live. Die halbe deutsche Kommunikationsbranche experimentiert, wie man am besten Zuschauer gewinnt. Ganz natürlich? Spontan? Hunde? Katzen? Mit Formaten? Authentischen Geschichten?

Meine erste Folge des „Frage Freitags“ mit unserer Pressesprecherin Wendy brachte es auf 15 Zuschauer. Der Otto-Normaluser stößt heute bei global gefeatureten Streams auf „Relaxing and enjoying a nice view in #Phuket after a hard training“ (55 Zuschauer) oder „Driving trough Hamburg“ (6 Zuschauer). Unter 500 Zuschauer in einer globalen App? Für Massenreichweite gibt es Youtube-Stars. Für Influencer jetzt Periscope?

Vielleicht sollten wir alle mal einen Blick auf Twitch.tv werfen. Noch nie gehört? Keine Sorge, kannte ich bisher auch nur vom Hörensagen, ein Kollege steckte mir das. Hier werden "Let´s play"-Videos (also das live spielen von Games) live gestreamt. Oder bekannte "Let´s play"-Youtuber wie Gronkh stellen neue Spiele vor. Zuschauerzahlen? Locker 30.000 bis 50.000 gleichzeitig pro Stream. Die Viewzahlen gehen in die Millionen.  

 

Nach eigenen Angaben erreicht Twitch die Hälfte aller männlichen Millenials in den USA. Die verbringen 20 Stunden pro Woche auf der Seite. Twitch geht dabei einen ganz anderen Weg als Periscope. Das Thema ist fokussiert, die Streams sind direkt auf der Website abrufbar, Kommentare laufen im Millisekunden-Takt ein, die Videos sind dauerhaft abrufbar. Werbung von Marken wie Logitech oder NVIDIA sind direkt im Livestream eingebunden. Zuschauer können gegen Geld werbefrei ihre Lieblingschannels abonnieren oder Zusatzfunktionen wie den Chat nutzen. Für knapp eine Milliarde Dollar ging das Portal im August vor einem Jahr an Amazon. Wie sieht eigentlich das Geschäftsmodell von Periscope aus?

Auch bei Twitch wird übrigens "geherzt". "Let´s play" ist auf YouTube schon der Megarenner aber Live kommt Gaming hier nochmal auf den Next Level. Die Entwicklungsgeschichte des Portals empfehle ich gerne als Lektüre. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass Twitch aus einem Ansatz wie Periscope hervorgegangen ist: Justin.TV. Justin.tv war eine Website, die es ihren Usern erlaubte, Videos per Live-Streaming ins Internet zu übertragen. Diesen breiten Ansatz hat man sieben Jahre nach der Gründung 2007 verworfen, der Dienst wurde 2014 eingestellt. Vielleicht war es noch zu früh, die mobilen Bandbreiten noch zu gering oder es fehlte einfach das berühmte Quentchen Glück.

Vielleicht braucht es wieder eine Hudson-Notlandung oder streamende VIPs wie Ryan Gosling oder Kim Kardashian, damit Periscope in der Masse bekannter wird. Oder es bleibt eine interessante Nische, die das Spektrum der Tools für Sendungsbedürftige bereichert. Beides bringt frischen Wind in die digitale Kommunikation und bietet Marken neue Spielwiesen für Inhalte und Formate. Oder der lachende Dritte ist mal wieder Google. Denn Youtube hat just das verbesserte Livestreaming von Videos angekündigt. Bleiben Sie dran.

Christian Clawien ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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