Bilder-Sharing | | von Annette Mattgey

Lenz: "Instagram ist ein Angebot, das Marken nicht ablehnen können"

Instagram mausert sich zur "Plattform für visuelle Markenkommunikation". So fasst Johannes Lenz, Corporate Blogger bei der Münchner Social Media-Agentur AKOM 360 die vor einigen Tagen eingeführten Änderungen bei Instagram zusammen. Einen ausführlichen Artikel dazu hat er im hauseigenen Blog geschrieben, für LEAD digital hat er eine Short Version verfasst. 

Zu Beginn dieser Woche hat die populäre Mobile Photo-Sharing App Instagram einen weiteren Entwicklungsschritt auf dem Weg zur Plattform für visuelle Markenkommunikation eingeschlagen. Nunmehr haben die Nutzer die Möglichkeit, ihre Fotos auch auf einer Webseite als „Bildergalerie“ bzw. „Foto-Chronik“ öffentlich auszustellen. Das erinnert stark an Facebook, aber wen wundert es, gehört „Insta“ seit April dem weltweit größten Social Network.

Die Frage aber, die sich Marketingexperten und Kommunikatoren in Unternehmen und Agenturen stellen sollten, ist, wie es mit dem inzwischen auf 100 Millionen aktive Nutzer angewachsenem Netzwerk weitergeht und welche Möglichkeiten es künftig bietet, die Markenkommunikation zu stärken.

Instagram: Status Quo

Seit seiner Gründung vor zwei Jahren wächst Instagram in rasanter Geschwindigkeit. Inzwischen hat es 100 Millionen Mitglieder. Täglich sind elf Millionen aktiv und stellen „schnelle kleine Augenblicke“ mit ihrem Smartphone online, wobei sie oft den Ort angeben und es auf Facebook und Twitter mittteilen. Da Instagram zu den „Connected Apps“ von Foursquare zählt, werden Bilder ggf. noch auf andere Apps wie Foodspotting eingespielt, wenn die Konten verknüpft sind und Schlagworte genutzt werden. Spätestens mit der Übernahme von Facebook und der damit einhergehenden Vertiefung der technischen Integration sowie der zuvor erfolgten Bereitstellung der Android App – bis dahin gab es Instagram nur als iOS App – haben die Zuwächse bei Aktivität und Nutzerzahlen nochmal zugelegt.

Instagram selbst hat auf seinem Blog verkündet, dass es mit den neuen Web-Profilen den Nutzerwunsch „Ihr wolltet, wir haben auf Euch gehört“ erfülle.

Marken und Traffic drängen Instagram von der App ins Web

Um es konkret zu machen: Hier dürften wohl eher Marken bzw. Unternehmen gemeint sein. Warum? Nun, weil die Profile eine hervorragende Plattform bieten, um als Marke attraktive visuelle Kommunikation zu betreiben. Und dies schließt Produktpräsentation, Kundenmanagement, Kundenfeedback, Trendsetting usw. ein.

Zudem kommt: Instagram gab es bisher nur als App. Auf der Webseite konnte und kann der Nutzer in seinem Profil bisher nur seine Verknüpfungen mit anderen Anwendungen prüfen und das Passwort ändern. Mehr im Grunde nicht. Er konnte also keine Bilder hochladen und mit Filtern versehen veröffentlichen. Das kann er derzeit über die neue „Bildergalerie im Web“ auch nicht. Aber das wird kommen. Warum? Vorstellbar ist, das gerade die Menschen, die sich Bilder lieber am Rechner anschauen - ja, die soll es noch geben eben wie jene, die sie in Papierform bevorzugen -, Bilder hochladen können und bearbeiten können. Eben die gleiche Möglichkeit besitzen wie bei Facebook & Co. Und dazu zählen eben auch Unternehmen. Denn: Inzwischen ist nicht mehr jedes „Insta-Pic“ gerade mit dem Smartphone entstanden, sondern nur noch via Instagram veredelt worden. Für das Handling insgesamt, ob der Nutzer nun eine Einzelperson oder eine Marke ist, wäre eine aufgebohrte „Foto-Galerie-Timeline-Chronik“-Webseite für Nutzer, wie sie in Anfängen nun nach und nach zur Verfügung stehen, logisch und nachvollziehbar. Zumal darüber ebenfalls potenzielle Nutzer angesprochen werden. Und neue Nutzer bedeuten mehr traffic.

Instagram muss wachsen und Profit erwirtschaften   

Nach wie vor wächst Instagram. Damit es auch so bleibt, tun die Integration bei Facebook und andere Vernetzungswege ihr Übriges. Allerdings ist Instagram nicht alleine auf dem Markt der visuellen Kommunikation, wie Pinterest  eindrucksvoll zeigt oder aber auch die jüngste Alternative EyeEm. Klar, Pinterest hat von Anfang an eine ganz andere Ausrichtung präferiert und setzt auf die Pferde Social Commerce und Referral Traffic. Eher könnte man EyeEm als wahre Alternative sehen, die im übrigen die „Bildergalerie-Webseite“ schon längst eingeführt haben. Aber die beiden zeigen schon, dass Bilder immer mehr Relevanz in der Kommunikation erlangen. Wir sehen zudem jeden Tag auf Facebook, dass inzwischen diverse Bilder und eine Menge Infografiken durch das Social Web rauschen.

Und in diesem „Bilder-Wald“ muss Instagram sich innovativ behaupten, positionieren, wachsen und Profit erwirtschaften. Was wäre da naheliegender, für Marken die Tür weiter als bisher zu öffnen? Im Grunde geht Instagram den umgekehrten Schritt von Pinterest, die mit ihren Pinnwänden zunächst webbasiert waren und immer mehr den mobilen Part pushen.

Schließlich wird an Instagram damit auch deutlich, wie es sich dem Konflikt Nutzerinteresse vs. Werbung nähert. Denn sobald Instagram den Marken Tür und Tor öffnet, wonach es jetzt aussieht, werden einige Nutzer ins Grübeln kommen, ob es weiterhin ihr „Place to be“ ist. Denn: Instagram lebt stark vom individuellen und coolen Erlebnis und Moment des Nutzers. Ein Wert, der durch die zunehmende Nutzung seitens Marken und Unternehmen, denen es in erster Linie um ihre Selbstdarstellung geht, für einige Nutzer in Frage gestellt würde.

Andererseits: Marken auf Instagram bedeuten bares Geld für Instagram. Und das Netzwerk wäre wohl zu wohltätig, wenn es ihnen den Boden bereiten würde, jedoch dafür keinen Obolus erwarten würde.

Instagram: Ansatzpunkte der sukzessiven Öffnung

Überfällig bei Instagram ist die einfache Verwaltung mehrere Accounts. Es kann nicht sein, dass man sich hier aus- und da neu einloggen muss. Vorbild hierbei wird sein: Facebook. Unschwer vorzustellen ist, das Instagram die jetzt eingeführten „Bilder-Galerien“ bzw. „Bilder-Timelines“ aufbohrt. Wie das geschehen wird, wir die Zukunft zeigen.

Aber eines ist klar: Wenn ich die Interaktion im Netzwerk fördern will, dann führt kein Weg daran vorbei, Marken ein Angebot zu machen, dass sie nicht ablehnen können, denn sie sind es, die auch viele Nutzer anziehen. Warum sonst war Nike etwa einer der Promoter der neuen Web-Profile?

Vorstellbar ist, dass der Bilder-Upload künftig via Desktop gemacht werden kann, auch wenn dies noch dementiert wird. Überhaupt könnte das Teilen der Web-Profile sowie die Interaktionsmöglichkeiten für Nichtnutzer mit Instagrammern durch Social Login vereinfacht werden. Nicht zuletzt wäre auf den Profilen auch eine Suchfunktion von Vorteil sowie die Individualisierung der Anordnung der Bilder, insbesondere in der Headline. Denn gerade der Header, den etwa Facebook als wichtiges Element erachtet, gilt es, individuell gestaltbarer zu machen.

Instagram wird sich verändern. Wie zuvor schon Facebook, Twitter, Google+ und viele andere auch entwickelt es sich Stück für Stück weiter und versucht, den Grad der Innovation hochzuhalten sowie dabei die Nutzer nicht aus den Augen zu verlieren. Was bleibt dem Netzwerk auch anderes übrig?

Kevin Systrom, CEO von Instagram, hält schließlich die neuen Profile für einen großen Schritt in Richtung Nutzer und hob hervor: “Now you don’t have to download the app.“
 

Lenz: "Instagram ist ein Angebot, das Marken nicht ablehnen können"

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