Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Krieg der Daten: Von Verlieren wie Ebay und Gewinnern wie Netflix

Die Kriege von heute, das ist spätestens seit dem Heartbleed-Vorfall klar, toben im Netz. Prominentes und jüngstes Opfer von Datenklau ist Ebay: Diese Woche hat der Marktplatz seine rund 145 Millionen registrierten User aufgefordert, nach einer Cyberattacke ihr Passwort zu ändern. Die Hacker haben sich neben den Passwörtern auch Zugang zu Email-Adressen, Telefonnummern und Geburtsdaten verschafft. Dass sich die Ohnmacht der Unternehmen, die ihnen anvertrauten Kundendaten zu schützen, negativ auf die Verkäufe auswirkt muss derzeit Gemischtwarenhändler Target erfahren, der seit vergangenen November mit dem gleichen Problem zu kämpfen hat.

Dass Daten heute der Schlüssel zur Macht sind, macht auch der Fall Airbnb deutlich - auf etwas andere Weise: Der Marktplatz für private Übernachtungen musste der New Yorker Staatsanwaltschaft nach langem Kampf die Daten seiner Nutzer aushändigen. Der Grund: Die Behörden wollen sicherstellen, dass Privatwohnungen nicht illegal an Gäste untervermietet werden. Wie ein Hotelgesetz besagt, dürfen Privatwohnungen für weniger als 30 Tage nur dann vermietet werden, wenn der Besitzer ebenfalls zugegen ist. Im Visier der Staatsanwaltschaft sind daher vor allem solche Vermieter, die mehrere Wohnungen zugleich auf Airbnb anbieten.

Doch nicht alles, was in dieser Woche passiert ist, war ernst. Eher lustig ist es zu verfolgen, mit welchen ständig neuen Features und Technologien Facebook und Google ihre Plattformen aufrüsten, um den Nutzer bei Laune zu halten. Nach Vorbild von Shazam hat Facebook ein Feature in seiner App installiert, das Musik identifiziert. Teilen erwünscht! Zuvor hat die Social Platform eine Funktion installiert, die Freunde dazu auffordert, mehr Informationen über sich preiszugeben. Die Bemühungen zielen daraufhin, Ads immer genauer aussteuern zu können: Je mehr Daten, desto genauer das Targeting und desto höher die Werbeeffizienz. Und desto höher die Wahrscheinlichkeit, Google mehr Anteile am digitalen Werbekuchen abzuluchsen: Bislang steht es 32 Prozent (Google) zu 7,4 Prozent (Facebook). Facebooks frisch eingetüteter Werbedeal mit Publicis sieht zudem die gemeinsame Entwicklung von Produkten in den Bereichen Datenauswertung, Videos und Fotos vor. Die Zusammenarbeit, die zunächst auf den nordamerikanischen Markt begrenzt ist, geht es um die kolportierte Summe von einer halbe Milliarde US-Dollar an Werbegeldern.

Google hat indes Apple als wertvollste Marke abgelöst - und interessiert sich momentan stark für den Live-Streaming-Service Twitch. In Deutschland steht das größte Entertainment-Ereignis erstmal Ende des Jahres bevor: Kein geringerer Video on demand-Service als Netflix wird endlich auch hierzulande zu empfangen sein. Auch der US-Streamingservice ist bekannterweise an Daten interessiert: Basierend auf seinem Sehverhalten kann Netflix dem User neue Film-Vorschläge unterbreiten und neue Originalserien auf seinen Geschmack zurecht schneidern. Daraus ernsteht ein Vorsprung, den Datenlose so nicht haben.

Krieg der Daten: Von Verlieren wie Ebay und Gewinnern wie Netflix

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