Social TV Summit der BLM | | von Petra Schwegler

Kommt der nächste Raab aus dem Netz?

Youtube ist erwachsen geworden. Die Filmemacher dort professionalisieren sich und inspirieren klassische Medien wie TV – so ein Tenor auf dem Social TV Summit, zu dem die Münchner Medienanstalt BLM am Dienstag geladen hat. Vielleicht erobern die Youtuber demnächst so richtig den großen Bildschirm?

Michael Brycz, Vice President Artist Management beim Berliner Multichannel-Netzwerk Divimove gibt beispielsweise dem Youtuber LeFloid eine gute Chance, die Nachfolge von Stefan Raab als Aushängeschild von ProSieben anzutreten. Der lang gediente TV-Entertainer geht zum Jahreswechsel in TV-Rente.

Kommt der nächste Raab aus dem Netz, wie der Ex-Warner-Musikmanager schätzt? Übernimmt ein Youtuber endlich auch eine Schlüsselrolle im TV, nachdem der Web-Nachwuchs schon einzelne Formate im klassischen Fernsehen aufpeppen darf? An Bord von ProSiebenSat.1 ist Florian Mundt alias LeFloid schon einmal: Die drei Youtube-Channel des 27-Jährigen Internetstars - "LeFloid", "FlipFloid" und "DoktorFroid" – sind vor Kurzem in das Multi-Channel-Netzwerk Studio71 des Medienhauses aufgenommen worden.

LeFloid, der am Freitag von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Interview empfangen wird, sammelt bereits TV-Erfahrung; er ist erst einmal bei der Live-Game-Show "Let’s Play Together" an der Seite der Moderatoren Fabian Siegismund und David Hain gelegentlich präsent. Gemeinsam wurde bereits die "TV total Wok WM" auf ProSieben umgesetzt.

 

Fest steht jedenfalls: TV spickt gerne bei Youtube und lässt sich gerade für junge TV-Angebote vom beliebten Bewegtbild im Social Web inspirieren. Das weiß Sarah Kübler beim #stvs15 zu berichten, Geschäftsführerin der Wiesbadener Agentur HitchOn, die auch unbekanntere Youtuber betreut. Inspiration fürs klassische TV sei gefragt, betont Kübler.

Überhaupt sind sich Divimove und die Münchner Konkurrenz von Mediakraft einig, was die Entwicklung auf der Google-Bewegtbildtochter angeht: Der Hype um Youtube beruhigt sich. "Wir werden wieder etwas normaler werden", betont Christian Behrens, Head of Master Artist Management bei Mediakraft Networks. Erst wenige Monate ist er nach den Unruhen rund um den Weggang von Klick-Ikonen und dem Rückzug des Gründers an Bord. Behrens prognostiziert, dass die Verlängerung von Inhalten und Marken über Youtube hinaus eine Entwicklung der nächsten Zeit sein werde. Warum nicht der große TV-Bildschirm?

Ach, ja: Youtuber emanzipieren sich - und ahmen damit irgendwie auch Strukturen der klassischen Medien nach. Mit dem eigenen Verein "301+" wollen Stars wie LeFloid und Daaruum seit Ende 2014 mehr Unabhängigkeit von großen Youtube-Firmen erreichen, bei denen sie und viele andere unter Vertrag stehen. Brycz und Behrens als Vertreter von Divimove und Mediakraft gehen davon aus, dass künftig nur noch Youtuber in großen Netzwerken die großen Reichweiten und Fanzahlen im Netz erreichen werden. Motto: Die Künstler brauchen Coaches, die Youtube-Netzwerke sind die Plattenfirmen von heute.

Ein Lehrstück über die konsequente Ausrichtung am Nutzer können #stvs15-Besucher mit dem kurzen Gastbeitrag von Nicolai Schork und Alexander Giesecke mitnehmen. Die Gründer des Youtube-Angebots TheSimpleClub punkten im Netz seit zwei Jahren mit Nachhilfe. Mit Mathe fing es an, heute drehen sechs Mitarbeiter 13 Filme à maximal zehn Minuten pro Woche rund ums Rechnen, um Chemie, Physik und Biologie. Und die Expansion soll weitergehen, neben Schülern auch Studenten unterstützt, andere Länder mit der Idee erobert werden.

Ihr Programmchef ist der Schüler, der so im Anonymen seine Schwächen bekämpfen kann: "Der User packt das Video und denkt, das sei wie für ihn gemacht!" Das Duo hinter TheSimpleClub hatte die Idee, als beide selbst noch in der elften Klasse waren. Seither verstehen sie es, "ungeilen Content so zu verpacken, dass er angeklickt und nachher noch als geil empfunden wird", wie Nicolai Schork und Alexander Giesecke berichten. Ihr Geheimrezept: TheSimpleClub richtet sich an die Bedürfnisse des Schülers mit Matheproblemen ab Klasse 7. Es spart Zeit, weil die Filme kurz sind - und Geld.

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