Dominik Frings | | von Dominik Frings

Instagram – Das nutzt doch in Deutschland keine Sau!

So oder ähnlich äußerte ich mich vor einigen Monaten in einem unbedachten Moment in unserem wöchentlichen Agenturmeeting und erlebte Sekunden später einen Real-Life Shitstorm. Die Belegschaft (vornehmlich die weibliche) widersprach energisch und lieferte dann auch schnell Aufklärungsunterricht, warum sie die Plattform nutzen ("ist so ein Bilderbuch für Erwachsene") warum sie es bevorzugt mobil nutzen ("gibt es da auch eine Desktop-Version von???") und was der Unterschied zu Pinterest (Pinterest = Inspiration zu Rezepten sowie Accessoire- und Deko-Tipps eher auf stationären Rechnern) ist.

Ich konnte den Reiz aus Usersicht dann zwar immer noch nicht verstehen, aber Köder müssen ja auch nicht dem Angler schmecken. Relevanz scheint jedenfalls vorhanden zu sein.

Nun war die Stichprobe selbstredend statistisch verzerrt, da die befragten Kollegen überproportional weiblich, gebildet und anmutig sind, aber irgendwo müssen ja Entwicklungen beginnen und als Zielgruppe sind die Damen für viele Werbekunden allemal sehr interessant. Laut einigen Zahlen, die herumgeistern, sollen sich eigentlich auch etwas mehr Männer als Frauen auf Instagram tummeln (im deutlichen Gegensatz zu Pinterest). Diese Zahlen konnte ich bei ausgeweiteten Befragungen im Bekanntenkreis nicht verifizieren, das werbliche Engagement diverser Auto- und Sportbrands stützen diese jedoch nachhaltig.

Bei allem - zum Teil auch berechtigten Hype - muss jedoch nüchtern analysiert werden, dass die werbliche Nutzung momentan eher den großen Brands vorbehalten ist. Die an die Anfänge von iAd erinnernden Bedingungen hinsichtlich Preisen und Mindestbuchungsvolumina inhaltlicher Gestaltungsvorgaben sorgen in vielen Unternehmen wohl eher für eine abwartende Haltung als für einen entfesselnden Buchungswillen. Die dahinterliegenden Erwägungen, den User langsam an Werbung zu gewöhnen und stilistisch Ansprüche gleichzeitig hoch zu halten, kann ich zwar nachvollziehen. Alleine es macht den Einstieg schwierig und besitzt nicht den Charme des Trial und Errors, den beispielsweise Facebook zu bieten hat.

Vielleicht muss es das gar nicht, dann ist es aber umso wichtiger, das Erwartungsmanagement entsprechend zu justieren und sich gegebenenfalls zunächst auf den eigenen Instagramkanal zu beschränken. Die Erfahrung zeigt, dass sich bei neuen Plattformen im Laufe der Zeit immer zwei Szenarien ergaben: 1. Eine Demokratisierung der Werbemöglichkeiten oder 2. ein totaler Flop. Variante 1 scheint mir plausibler und es dürfte spannend werden, was man dann mit den sich bietenden Kreativ- und Targetingmöglichkeiten und einer wachsenden Reichweite alles anstellen kann.

Dominik Frings ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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