TU Darmstadt | | von Annette Mattgey

Fußball-News zum Götze-Transfer erzielt höchste Viralität

Im ersten Halbjahr gibt es einen ganz klaren Spitzenreiter bei Shares und Likes: Die Meldung, dass Mario Götze (Bild) zum FC Bayern wechselt, wurde am meisten von Usern empfohlen. Das hat eine Studie der TU Darmstadt ergeben. Die Professoren Oliver Hinz (Wirtschaftswissenschaft) und Thorsten Strufe (Informatik) erfassen in ihrer Studie „Development oft the Social Network Usage in Germany since 2012“ die 15 beliebtesten deutschen Nachrichten-Webseiten und untersuchen, wie oft Artikel daraus in den führenden Social-Media-Diensten Facebook, Twitter und Google Plus von den Nutzern geteilt wurden. Mehr als 280.000 Artikel erschienen im ersten Halbjahr 2013 auf den 15 untersuchten Medienseiten. 19,8 Millionen Mal teilten Nutzer Texte.

Mehr als 70 Prozent aller Beiträge wurden über Facebook oder Twitter weitergegeben. „Wenn wir die Top 10 der untersuchten Medien betrachten, sehen wir für alle einen Zuwachs bei der absoluten Zahl der Empfehlungen“, so Strufe. Dieser Trend ist auch insgesamt zu erkennen: Verzeichneten die TU-Wissenschaftler für das gesamte Jahr 2012 etwa 26,7 Millionen Empfehlungen, lag der Wert allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits bei 19,8 Millionen – eine Entwicklung, die auch mit dem generellen Wachstum der sozialen Netze einhergeht.

Spiegel Online (rund 5,4 Millionen Empfehlungen von Artikeln), Bild.de (3,8 Millionen) und Welt.de (rund 1,7 Millionen) führen die Hitliste an. Erfolgreichster Aufsteiger ist das Angebot Zeit.de, das sich mit rund 1,6 Millionen geteilten Artikeln von Platz acht auf Platz vier verbesserte.

Die obersten Plätze für Spiegel, Bild und Welt:

 

Spiegel für Politik, Bild für Sport, Heise für Technik

Die TU-Forscher betrachten in ihrer Langzeitstudie nicht nur die reinen Zahlen, sondern werten die abgegebenen Empfehlungen auch nach Ressorts aus. Hier zeigen sich deutliche Vorlieben bei den Nutzern verschiedener Netzwerke. Spiegel Online ist die beliebteste Quelle für Artikel, die aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft weitergegeben werden. Im Bereich Technik punktet heise.de, bei Sport-Nachrichten liegt klar Bild.de vorn. Das könnte sich möglicherweise ändern, so Hinz: „Bild.de hat eine neue Einnahmequelle erschlossen und verlangt Abonnement-Gebühren für einige Artikel. Es wird interessant sein zu sehen, ob und inwieweit Bild.de im zweiten Halbjahr 2013 dadurch an Reichweite in den sozialen Netzwerken verliert.“

Am beliebtesten war dabei nach wie vor Facebook: 16,4 Millionen „Likes“ wurden für Beiträge abgegeben (Gesamt-2012: 21,3 Millionen). Damit lag Facebook nach wie vor weit vor den Diensten Twitter mit 2,8 Millionen geteilten Artikeln (Gesamt-2012: 5 Millionen) und Google Plus mit 493.000 Empfehlungen (Gesamt-2012: 407.000). Die Nutzer von Bild.de empfehlen Artikel überwiegend über Facebook, während sich etwa bei Spiegel Online und handelsblatt.com eine breitere Streuung über die drei untersuchten sozialen Netzwerke abzeichnet. Heise.de verfügt über relativ viele Leser, die Interessantes via Twitter und G+ empfehlen.

So unterschiedlich beliebt die drei Netzwerke zur Weiterverbreitung von Nachrichten auch sind – bei den geteilten Inhalten lassen sich Übereinstimmungen finden. Die Sprachreform an der Uni Leipzig, ein Bericht über Microsoft-Schnüffelei beim Skypen und natürlich der Transfer von Mario Götze zum FC Bayern München sorgten gleich in mehreren Netzen für Furore.

 

G+ verdoppelt Reichweite

Interessiert sind die Forscher auch an Veränderungen seit 2012. Hier zeigte sich, dass der Dienst Twitter gegenüber dem Jahr 2012 nicht mehr so rege für das Teilen von Nachrichten genutzt wird, während Google Plus mit 2,5 Prozent zwar immer noch den kleinsten Anteil an den geteilten Artikeln hat, aber seine Reichweite verdoppeln konnte. So bekamen Nachrichtenartikel im Durchschnitt 58,7 Facebook-„Likes“ (2012: 35,5), wurden 10,1 Mal getwittert (2012: 8,8) und bekamen 1,8 Google-Plus-Empfehlungen (2012: 0,7). „Facebook hat im ersten Halbjahr 2013 offenbar an Aktiven gewonnen, während Twitter jetzt langsamer wächst“, konstatiert Strufe.

Die Datensammlung begann Anfang 2012, und den Forschern an der TU geht es vor allem darum, verlässliche Zahlen für die Nutzung der sozialen Netzwerke zu gewinnen. Die reinen Nutzer-Statistiken seien wenig aussagekräftig, da viele User beispielsweise mehrere Accounts anlegten. Die wirkliche Nutzungs-Aktivität, die sich zum Beispiel am Teilen von Nachrichtenartikeln festmachen lasse, sei dagegen verlässlicher, so Hinz. Als Quellen der verbreiteten Nachrichten wurden die folgenden Websites herangezogen: Bild.de, bunte.de, chip.de, faz.net, focus.de, handelsblatt.com, heise.de, n-tv.de, spiegel.de, sport1.de, stern.de, sueddeutsche.de, tagesschau.de, welt.de und zeit.de.

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