Zurückschreien - das ist eine Methode gegen Hate-Speech.
Zurückschreien - das ist eine Methode gegen Hate-Speech. © Foto:Demos

Web-Analyse | | von Annette Mattgey

Frauenhass bei Twitter: Die Hälfte der Hater ist weiblich

200.000 frauenfeindliche Twitter-Botschaften innerhalb von drei Wochen: Das ist die traurige Bilanz, die der britische Thinktank Demos zieht. Twitter-Chef Dick Costolo muss seinen Qualitätsfilter offensichtlich nochmal neu justieren. Im Frühjahr 2015 hatte er zwar angekündigt hat, frauenfeindlichen Tweets auf seiner Plattform den Kampf anzusagen. Allerdings fällt der Erfolg dieser Maßnahmen bislang eher spärlich aus - zumal er dabei auf das Engagement der Nutzer setzt, die aktiv beleidigende Äußerungen melden müssen. Eine proaktive Lösung gibt es noch nicht. Erst kürzlich verschärfte Twitter seine Policy-Richtlinien und kündigte an, in die Erforschung automatisierter Lösungen zu investieren. 

Die aktuelle Studie des britischen Think-Tanks Demos ist Teil der "Reclaim the Internet"-Kampagne, die britische Politikerinnen und Politiker initiiert haben. Ansprechen soll sie einen breiten Kreis von den Social-Media-Anbietern über Arbeitgeber und Gewerkschaften bis hin zu jedem einzelnen, um den Internet-Trollen den Kampf anzusagen. Warum der Kampf gegen Frauenhass im Internet so wichtig ist, sagt die Labour-Abgeordnete  Jess Phillips (hier ihr Twitter-Account): "Jedes Mal, wenn sich eine Frau diesem Internet-Mob gegenüber sieht und etwas sagen will, hält sie inne und überlegt, ob sie heute die Zeit und Kraft hat, sich damit heute herumzuschlagen, und sie legt das Smartphone weg. Sie wurde zum Schweigen gebracht - und dabei hätte sie vielleicht etwas Geistreiches zu sagen gehabt."

Um die frauenfeindlichen Tweets zu quantifizieren, zählte Demos die Postings, in denen "Slut" (Schlampe) und "Whore" (Hure) vorkamen. Insgesamt waren es 1,5 Mio. Nutzer allein in Großbritannien, die binnen drei Wochen zwischen April und Mai 2016 Tweets mit dergleichen Wörtern absetzten. Die Hälfte davon warb für pornografische Inhalte. Die restlichen 650.000 Tweets wurden von 450.000 Personen verfasst.

Dabei wurden all jene Kurznachrichten in der Zählung nicht berücksichtigt, in denen die Wörter zur Selbstidentifizierung oder als Beschreibung eines Sachverhaltes verwendet wurden - bleiben rund ein Drittel mit aggressivem Inhalt. Innerhalb dieses kurzen Beobachtungszeitraumes wurden im Vereinten Königreich explizit 10.000 aggressive und frauenfeindliche Tweets aufgefunden. International waren es gar 200.000 Tweets, die dieselben Ausdrücke verwendeten. Die Untersuchung zeigt auch auf, dass rund 50 Prozent dieser beleidigenden Tweets von Frauen versendet wurden. "Diese hetzerischer Sprache beschränkt sich nicht auf eine eng umrissene Online-Gruppe, sondern durchzieht die ganze Gesellschaft, daher ist das Thema komplexer als es anfangs erscheint.", sagt Jack Dale im Demos-Blog.

In diesem Blog-Post beschreiben die Forscher außerdem genauer, wie sie vorgegangen sind - etwa auch, dass sie eine sprachverarbeitendes Software namens Method52 angewendet haben. Sie analysiert den Kontext und zeigt an, ob ein Tweet als harmlos durchgeht oder als Angriff gemeint ist – etwa wenn er in Kombination mit anderen Wortkonstellationen wie "halt den Mund"  auftaucht. Das funktioniert laut Demos mit einer mehr als 80-prozentigen Treffsicherheit.

Das Problem ist nicht Twitter-spezifisch, wie Demos erklärt. "Es ist wichtig zu sagen, dass Hasspostings gegenüber Frauen auf allen Social-Media-Plattformen verbreitet sind. Wir müssen sicherstellen, dass die anderen großen Tech-Konzerne sich auch dieser Diskussion stellen und Lösungen entwickeln", schreibt Demos-Experte Alex Krasodomski-Jones. "Es geht dabei weniger darum, das Internet mehr zu überwachen, als uns daran zu erinnern, dass wir normalerweise online nicht so gute Bürger sind als offline", verdeutlicht Krasodomski-Jones.

Frauenhass bei Twitter: Die Hälfte der Hater ist weiblich

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