AGF-Streaming-Quoten | | von Christiane Treckmann

Fernsehen jünger als gedacht?

Fernsehen laboriert an der – schon demographisch vorgegebenen – Überalterung. Aber ist der Durchschnitts-Zuschauer am Ende doch jünger als gedacht, dann nämlich, wenn man endlich die wachsende und eher junge Gemeinde all derer hinzu rechnen kann, die TV-Formate via Internet abrufen? Die Antwort darauf musste die AGF (Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung) doch noch schuldig bleiben. Von den ersten jetzt präsentierten Zahlen zum Abruf von TV-Inhalten via PC lassen sich noch keine umfassenden Muster oder Prognosen ableiten. Aber man kann damit beispielsweise bereits das Nutzungsverhalten der „Zuser“ (Zuschauer + User) in Ansätzen fassen.

„TV erobert das Netz“, erklärte Karin Hollerbach-Zenz, Vorstandsvorsitzende der AGF, in München. Das mögen viele in der Branche genau anders herum sehen. Anyway. Die AGF präsentierte in der Landeshauptstadt erste Ergebnisse ihres im vergangenen Herbst vorgestellten Tools zur Erfassung von Bewegtbildnutzung. Die anwesenden AGF-Vertreter wehrten gleich zu Anfang alle Begehrlichkeiten auf umfassende und entsprechend aussagekräftige Zahlen ab. Stattdessen betonten sie, dass es sich dabei um eine erste Momentaufnahme handle und man noch ganz am Anfang dessen stehe, was am Ende eine valide Währung der Video-Streaming-Nutzung werden soll, um dann einen Marktstandard zur vergleichbaren Messung von TV-Reichweiten und Video-Streaming inklusive der Werbeschaltungen zu haben. Ein „Evolutionsprozess“, den Robert Schäffner, Leiter der AG Streaming innerhalb der AGF und verantwortlich für die Markt-Media-Forschung bei der IP Deutschland, so umschrieb: „Wir sind in etwa, als die ersten Lebewesen vom Wasser an Land krabbelten.“

Bekanntlich ging es aber dann bis zur Entwicklung des Homo sapiens ganz schnell. Und auch die AGF will möglichst noch dieses Jahr grundlegende Mankos an dem neuen Verfahren beseitigen: So kann bislang nur die Nutzung von PC und Laptops erfasst werden, die via MAC OSX und Windows laufen. An der Erfassung mobiler Geräte, wie die vor allem bei Bewegtbildnutzung beliebten Tablets, oder der Nutzung von Smart-TV werde gerade noch gearbeitet.

Die vorgelegten Zahlen seien noch nicht dazu geeignet, Muster ablesen zu können beziehungsweise Prognosen abzugeben, wie viel man zu TV-Formaten an Reichweite addieren kann, führten ZDF-Medienforscher Bernhard Engel als Sprecher der Technischen Kommission der AGF und auch Erk Imon, Vertreter der ARD in der Technischen Kommission, aus. Aber die Ergebnisse in den präsentierten Hitlisten (Basis: Januar 2014) zeigten, dass die zusätzliche Online-Nutzung keine vernachlässigbare Größe ist – wohlgemerkt noch ohne mobile Nutzung. Um nur einige Beispiele zu nennen: Bei einer Folge von „Deutschland sucht den Superstar“ (abgerufen über RTL Now) kommen im Mittel an die 170.000 Abrufe zustande, „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ erreichte bis zu .Abrufe, eine „heute-show“ Folge (ZDF-Mediathek) erzielt knapp 137.000 Abrufe, das Jugendformat „Berlin Tag und Nacht“ (RTLII now) um die 100.000. Es scheinen denn auch vor allem die fun-orientierten Programm-Highlights zu sein, die auch als Videostream punkten.

Wenn überhaupt Muster abgeleitet werden können, dann zum Nutzungsverhalten an sich. Auch beim TV-Konsum via Internet liegt die Hauptnutzung am Abend, zieht sich aber länger hinaus  als die gängige TV-Prime-Time bis fast gegen Mitternacht. Außerdem gibt es gegen 8 Uhr morgens einen Nutzungspeak. Und wenig überraschend: Kürzere Videos werden eher tagsüber abgerufen, längere Streams dann am Abend.

Für die Bewegtbild-Messung nutzt die AGF ein Online-Panel von Nielsen. Hier sind rund 25.000 Panelisten in circa 15.000 Haushalten eingebunden. Wenn in diesem Jahr die Daten aus diesem Panel mit denen des TV-Forschungspanel zusammengeführt worden sein werden, sollen 2015 erstmals fusionierte Nutzungsdaten publiziert werden. Dann sollen auch konvergente Angaben etwa zu den soziodemografischen Profilen oder der Überschneidung mit linearer TV-Nutzung (etwa, wenn eine zunächst am TV-Gerät begonnene Sendung am PC weitergeguckt wird). Auch werden die momentan nur monatlich veröffentlichten Daten dann täglich ausgeliefert. Derzeit werden Sender aus den Senderfamilien RTL und ProSieben/Sat.1 gemessen sowie RTLII, ZDF/3sat und die „Lindenstraße“ der ARD. Ab dem zweiten Quartal 2014 werden alle vier AGF-Mitglieder komplett erhoben. Karin Hollerbach-Zenz betonte, dass man offen sei, auch Bewegtbild-Angebote von Nicht-TV-Sendern bzw. Nicht-AGF-Mitgliedern zu messen.

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