Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Facebooks Daten-Finessen und "Mist"-Inhalte von Marken

Ein außergewöhnlich frecher Seitenhieb auf die Agenturen kam in dieser Woche von Condé Nast. Viele Inhalte, die im Auftrag werbungtreibender Unternehmen produziert werden, sind vor allem eines: "crap" - zu deutsch: Mist, Scheißdreck. Das sagt Edward Menicheschi, CMO bei der Condé Nast Media Group in New York. 

Der Verlag hat mit 23 Stories eine neue Unit aufgebaut, die sich um die richtig guten Inhalte für Marken kümmern soll. "Wir können das besser", tönt Menicheschi. Burda hat mit einer ähnlichen Offensive gleich nachgezogen: Über eine Kooperation des hauseigenen Vermarkters Burda Community Network (BCN) mit der Burda-Beteiligung Mode Media wollen die Münchner Blog- und Social Content aus einer globalen Community anbieten, "die Inhalte auf tausenden Blogs, Websites und in sozialen Netzwerken erstellt", heißt es. Mode Media bietet beispielsweise verschiedene Content Marketing-Modelle an. So inszenieren bekannte Blogger Produkte in Fotostorys, die dann wiederum über viele Kanäle hinweg verwendet werden – bis hin zum Schalten von Werbung um diese Storys herum.

Vielleicht gelingt es den Verlagen auf diese Weise ihre Kassen aufzufüllen. Zeit wird's! Denn das Gemeuter wird immer lauter, die Gemüter immer erhitzter - knapp 16.000 Facebook-Shares allein des W&V-Beitrags über eine unzufriedene Praktikantin zeigen es. Darin geht es um die 23-jährige Sinah Edhofer aus Österreich, die sich ihren ganzen Frust über die Medienbranche, die schlechten Aussichten und die prekäre Bezahlung als Praktikantin von der Seele geschrieben hat. Ihre Abrechnung mit der Überschrift  "Danke für (fast) nichts” kann man auf ihrem Blog TheBlackShirtBlog lesen. Nachgeelgt hat sie dann hier im W&V-Interview . So bekommt die Medienbranche die Condé Nast'sche Flanke gleich wieder zurück.

Frei nach dem Motto: Geschimpft wird viel, passieren tut wenig. Da nützen schlaue Gespräche um das sich tot sparende Verlagsgewerbe, der Anteil von Frauen in Führungspositionen sowie die immer enger werdende Datenschlinge, die Facebook seinen Usern übers persönliche Profil stülpt, offenbar nichts. Lächerlich ohnmächtig mutet es vielmehr an, wenn Renate Künast, immerhin Vorsitzende des Verbraucherschutz-Ausschusses im Bundestag, scharfe Worte für die neuen Datenschutzregelungen des blauen Riesen findet. Facebook spiele nicht mit offenen Karten, ärgert sie sich. "Sie sagen, sie halten europäisches Recht ein, haben sich aber bewusst nach Irland gesetzt, um den national allerniedrigsten Standard abzugreifen." Sie hoffe darauf, dass für eine europäische Datenschutzgrundverordnung nun mehr Tempo gemacht werde.

Der Unternehmenssitz Irland bot bislang auch Steuervorteile, auch wenn 2020 nun Schluss damit ist. Das Steuerschlupfloch Irland ist ein Grund, warum Facebook im vierten Quartal die Erwartungen der Analysten gesprengt hat. So stieg der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent auf 701 Millionen Dollar (620 Millionen Euro). Der Umsatz legte um 49 Prozent zu auf 3,85 Milliarden Dollar. Und das, obwohl sich das User-Wachstum merklich verlangsamt hat, die Plattform zählt aktuell 1,39 Milliarden User, im mobilen Bereich 1,19 Milliarden. Dafür sind die Werbeeinnahmen legten im Vergleich zum Vorjahr um 53 Prozent auf 3,59 Milliarden Dollar gewachsen. Dazu trugen etwa zu 69 Prozent die umkämpften Anzeigen auf mobilen Geräten wie Smartphones bei. 

Auch Apple meldete diese Woche sogar das allerbeste Ergebnis seiner Geschichte. Im zurückliegenden Quartal erzielte Apple einen Umsatz von 74,6 Milliarden US-Dollar sowie einen Netto-Quartalsgewinn von 18 Milliarden US-Dollar. iPhone und Mac-Books sei Dank. Auch der App-Store ließ die Kassen klingeln. Gelder, die sie vielleicht demnächst für Content-Marketing bei Condé Nast & Co. investieren.

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