Dominik Frings | | von Dominik Frings

Facebook: Wer vom neuen Algorithmus profitieren wird

Das Schöne an Wellen ist, dass sie mit zuverlässiger Regelmäßigkeit an der gleichen Stelle wieder auftreffen, wo man sie zuvor schon gesichtet hatte. So ist es mit Licht genau wie an der Nordsee und so kommt auch die Welle der Empörung justament da an, wo schon alle anderen anbrandeten - nachdem die Euphorie über den digitalen Werbegral entfleucht ist: im Markt und in den Medien.

Folglich melden sich wieder alle Wellenreiter zu Wort, die sich doch ach so sehr betrogen fühlen von Facebook, weil die vermeintlich kostenlosen Reichweiten nun offenkundig doch nicht mehr so üppig verfügbar sind und weil es sich wider Erwarten doch nicht um eine wohltätige Stiftung handelt, sondern um ein Unternehmen mit kommerziellen Interessen. Diese Entwicklung wurde übrigens schon seit geraumer Zeit von Leuten prognostiziert, die sich deutlich intensiver mit sozialen Netzwerken beschäftigen, als ich dies zu tun vermag. So ganz unabsehbar kommt es tatsächlich nicht, dass ein System, das sich Netzwerken, Relevanz und ja auch Profit auf die Fahnen geschrieben hat, genau so vorgeht wie nun geschehen.

Wenn sich nunmehr große Unternehmen hierzu missbilligend äußern, mag dieser Reflex auf den ersten Blick nur allzu berechtigt sein. Auf den zweiten Blick müssten sich aber genau diese Unternehmen freuen. Warum? In der Facebook-Version 1.0 war das Netzwerk demokratisch, bot somit theoretisch allen Teilnehmern gleiche Chancen. Ist künftig jedoch wiederum das Investment entscheidend, dann haben die „Großen“ hier einen entscheidenden Vorteil. Kleinere bzw. unbekanntere Firmen, Anbieter oder auch Künstler stehen vor einem viel größeren Dilemma als diejenigen, die den Luxus medialer Budgettöpfe ihr eigen nennen dürfen. Den „Kleinen“ fehlt aber die Lobby, um sich Gehör zu verschaffen, und sie tauchen höchstens mal in den Kommentarspalten eingängiger Artikel auf. Es läuft also im Grunde alles in die richtige Richtung. Bleibt nur die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, in die Werbeplattform Facebook zu investieren.

Und genau da stehen wir gerade: Nun räuspern sich Stimmen, die sagen „auf gar keinen Fall“ und „die ganze Chose sei ohnehin dramatisch überbewertet“. Dann treten wiederum andere auf die mediale Bühne und postulieren, „bei uns funktioniert es aber eben doch“. Wem darf man nun in diesem PR-Theater glauben? Im Grunde beiden (gleich wenig), denn ich werde immer Beispiele dafür und dagegen finden und es wird für bestimmte Branchen, Produkte oder Kampagnen beste Ergebnisse (gemäß definierter Zielsetzung) einspielen, während an anderer Stelle die Ernüchterung erdrückend sein wird. Damit schließt sich letzten Endes der Kreis, denn jedwedes Werbemedium weist exakt diese Eigenschaften auf. Ob ich nun also auf ein Potenzial von mehr als 30 Mio. Nutzern verbunden mit diversen (und teilweise hochwertigen) Targeting-Optionen auf unterschiedlichsten Endgeräten per se verzichten möchte, kann sich jeder selbst überlegen. Ich hätte eine klare Meinung dazu und verweise auf den Subtext. Ich warte derweil an der Brandungsmauer auf die nächste Welle.

Dominik Frings ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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