Reichweite | | von Anja Janotta

Facebook vs. Youtube: Der Kampf ums Video

Seit März dieses Jahres hat sich der Markt gewandelt: Mit diesem Zeitpunkt hatte Facebook in seinen Feeds auch Embedded Videos zur Verfügung gestellt und damit Platzhirsch Youtube herausgefordert. Derzeit kommt Facebook auf acht Millionen Video-Zugriffe am Tag. Eine erste vorsichtige Bilanz der neuen Konkurrenzsituation zog bereits die Agentur Ogilvy mit einer Slide-Share-Präsentation auf Linkedin. Demnach sollten sich Marketer der unterschiedlichen Wirkungsweisen der Verbreitungswege bewusst sein: Facebook könne einen schnellen Hype erzeugen und die Klicks exponentiell in die Höhe treiben, wer stattdessen seine Bewegtbild-Botschaften lieber per Youtube verbreitet, kann zwar mit weniger Viralität, aber mit langfristigeren Branding-Effekten rechnen. Auch die Aufmerksamkeitsspanne der Youtube-Nutzer sei deutlich länger.

Trotzdem fällt die Bilanz fällt nicht eben freundlich aus, denn die Zusammenstellung verdeutlicht auch eine andere Tatsache: Es scheint, als hätten viele Facebooker sich schamlos bei Youtube bedient. Wenn die Berechnungen von Ogilvy stimmen, dann sind drei Viertel der erfolgreichsten Videos auf Facebook von Youtube entnommen und dort gepostet - oft ohne Rücksicht auf andere Urheberrechte oder Namensnennung. Das Thema Video-Klau ist offenbar für die Youtuber zu einem erheblichen Ärgernis geworden. Dagegen machen die Youtuber jetzt mobil, wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt. Der Youtube-Kanal "Kurzgesagt" beispielsweise hat das sogenannte "Freebooting" in einem eigenen Viral "How Facebook is stealing Billions of Views" kommentiert. Darin heißt es: Facebook betrüge die Youtuber, weil es Videos auf Facebook bevorzuge und nicht an Youtube zurück verlinke, nur um die User möglichst lang im eigenen Netz zu halten und sie dort mit Werbung zu versorgen. Den Youtubern entgingen aber durch die Praxis Werbeeinnahmen auf Youtube. Selbst wenn sich Kreative über Content-Klau beschwerten, sei der Beschwerdeprozess zu umständlich und es dauerte zu lang, bis die Videos gelöscht würden.

Erschwerend kommt hier noch hinzu, dass die Facebook-Software noch nicht so effektiv solches Freebooting erfassen könne, hat die Zeitung recherchiert. Die großen Youtube-Vermarkter wie Mediakraft sehen das Problem noch gelassen, denn sie schätzen die zusätzliche Viralität und die gewonnene Reichweite ihrer Youtuber auf Facebook für wichtiger ein als deren entgangenen Werbeeinnahmen. So jedenfalls zitiert die "Süddeutsche" Mediakraft. Die einzelnen Künstler hingegen, die die Zeitung für eine Äußerung gewonnen hat, waren skeptischer. Philipp Dettmer, Designer und Beteiber des Youtube-Kanals "Kurzgesagt", wettert in der Zeitung: ""Facebook ist ein fürchterlicher Ort für Creator". Er bezweifelt, dass sich die kreative Szene künftig dort gerne tummelt.

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