Christina Hütten | | von Christina Hütten

Facebook vs. Twitter: Wie sich Fans von Followern unterscheiden

Eine Holländerin hat ein Experiment gewagt: Sie spielte ihren Facebook-Freunden einen Urlaub in Asien vor – aus Forschungsgründen. Zilla, eine junge Frau aus Amsterdam war mehr und mehr davon überzeugt, dass das Bild, welches wir von uns selbst auf sozialen Netzwerken darstellen, ähnlich geschönt wird wie die Bilder von Models. Jeder versucht, sich von seiner besten Seite zu zeigen und ein möglichst aufregendes Leben wiederzugeben.

Eine Theorie, der sie in einem Selbstexperiment nachgehen wollte. Mehrere Wochen lang postete sie Bilder und Videos, skypte mit ihren Eltern. Alles mit einem asiatischen Touch. Und bis zuletzt flog sie nicht auf. Die Reaktionen nach der Aufklärung waren sehr gemischt. Von Verständnis über Kränkungen bis hin zu Wut war alles dabei.

Sicherlich ein recht aufwendiges Unterfangen, aber man kann viele wertvolle Schlüsse daraus ziehen.

Selbstdarstellung auf Facebook ist ein wichtiges Thema. Nutzer versuchen, so spannend wie möglich auf ihre Mitmenschen zu wirken. Und sie sind offensichtlich auch dazu bereit, dafür einiges zu tun. Was wirklich interessant ist: Keiner hat die Glaubwürdigkeit von Zillas Posts angezweifelt. Gerade über Facebook ist man in der Regel mit engen Freunden und Familie verbunden und teilt auch sehr persönliche Erlebnisse. Somit ist auch die emotionale Bindung dort erheblich höher als zum Beispiel (in der Regel) bei Twitter.

Für mich stellt sich die Frage, wie ein ähnliches Experiment bei Twitter verlaufen wäre. Auch wenn sie dort entsprechende Bilder und Videos gepostet hätte, vermute ich sehr stark, dass die Reaktionen dort anders ausgesehen hätten. Den meisten Followern wäre es vermutlich vollkommen egal gewesen, wo sich Zilla gerade aufhält.

Und genau in diesem Punkt liegt der Unterschied zwischen Facebook und Twitter, gerade auch im Bereich Marketing. Via Facebook kann emotionaler Content (Ice Bucket Challenge) leicht verteilt werden und entsprechend Fahrt aufnehmen. Bei Twitter ist das einfach aufgrund der Struktur erheblich schwerer. Die Bindung zu den anderen Usern ist nicht so stark.

Freunde contra Follower

Um mit seinen Facebook-Fans zu interagieren, muss man nicht zwangsläufig einen Urlaub in Asien vortäuschen, aber es ist wichtig, genau auf diese Selbstdarstellung der Nutzer zu zielen und sie entsprechend in eigenen Kampagnen zu nutzen. Emotionaler Content mit der Möglichkeit für Nutzer sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen oder ein besonderes Erlebnis zu teilen ist gefragt. Damit macht man (auch ohne großen Mediaeinsatz) den Algorithmus glücklich.

Twitter hingegen sollte selbstverständlich nicht vernachlässigt, aber als Kommunikationskanal gesehen werden. Hier lautet das Zauberwort allerdings eindeutig Dialog. Ein einfacher News Channel, der eine Meldung nach der anderen raushaut aber auf keine einzige Frage eingeht ist ungefähr so wirkungsvoll wie ein Newsletter ohne Links.

Zusammenfassend ist es keine Überraschung, dass das Experiment von Zilla so verlaufen ist. Facebook ist und bleibt das "privatere" Netzwerk mit hohem emotionalen Wert. Twitter hingegen ist deutlich "kühler" und somit für sachliche Konversation geeignet.

Christina Hütten ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zur Autorin und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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