Kommentar | | von Ralph-Bernhard Pfister

Facebook und das Tracking: Nebelkerzen statt Transparenz

Zwischendurch sah es einmal kurz so aus, als wäre Facebook in Sachen Kommunikation schlauer geworden. Die Vorgänge der letzten Wochen zeigen, dass das getäuscht hat. Denn in der Auseinandersetzung mit den Autoren einer Studie für die belgische Datenschutzbehörde hat Facebook wieder wenig für Transparenz getan.

Es ist peinlich und für das Image gerade in Europa gefährlich, wenn ein Internetunternehmen ­gerade bei dem Verhalten erwischt wird, das ihm schon lange unterstellt wurde – und dann Nebelkerzen zündet. Denn schon seit Jahren kommt immer wieder die Unterstellung auf, dass Facebook Internetnutzer mehr tracke als zulässig. Immer wurde das vehement bestritten. Die Studie wies nun Fälle nach, in denen das soziale Netzwerk auch bei Internetnutzern, die Facebook gar nicht nutzen, Cookies ablegte. Nach heftiger Kritik an dem Report folgte dann das kleinlaute Einräumen, dass dies durch einen Bug in Einzelfällen tatsächlich passiert sei. Das geschah ­allerdings als Teil einer langen Stellungnahme, in der Facebook auf andere kritische Punkte überhaupt nicht eingeht – etwa die Frage, warum EU-Nutzern, die den Opt-out-Mechanismus verwenden, eine andere Art von Cookie hinterlegt wird als Überseenutzern. Dafür werden Anschuldigungen zurückgewiesen, die der Report so gar nicht erhebt.

Derartige Nebelkerzen stärken nicht das Vertrauen von Markt, Politik und auch Endnutzern. Dabei wäre das erforderlich. Denn die zunehmende Skepsis kann für die ganze Branche gefährlich werden. Auf diese Weise wird Facebook wohl nie den "For..Net-Award für Engagement im Datenschutz" gewinnen, den die Forschungsstelle für IT-Recht & Netzpolitik an der Universität Passau vergibt. "Der Preisträger zeigt, dass sich innovative Online-Geschäftsmodelle sehr gut mit Datenschutz vertragen können", lobt die Jury den diesjährigen Gewinner Nugg.ad.

Eine Sensibilität, die dem US-Konzern Facebook offensichtlich abgeht: Gerade bei einem so empfindlichen Thema, das sowieso immer wieder als Vorwurf in der Luft lag, ist es mehr als peinlich für ein Technikunternehmen, wenn entsprechende Fälle auftreten. Selbst wenn es nur einzelne Fehler sind.

rp/am

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