Riva-Verlag | | von Annette Mattgey

Facebook-Klau bringt Witzebuch-Herausgeber in die Bredouille

Auf 160 Seiten zeigt das Buch "Da kotzt das Texterherz" unfreiwillig komische Schilder und Kommentare aus der gleichnamigen Facebook-Gruppe. Allerdings hat zuvor keiner die Content-Lieferanten gefragt, ob sie mit dem Buch einverstanden sind. Sie lieferten vor allem Fotos, zum Beispiel das des Werbeplakats mit dem Spruch "Weine nicht, wenn der Winter kommt, Dämm Dämm."

Allerdings haben die Herausgeber des Buches die Urheber nicht gefragt, ob sie deren Fotos und Sprüche abdrucken und als Buch verkaufen dürfen. Das wird in der geschlossenen Facebook-Gruppe heftig kritisiert, berichtete "Spiegel Online". "Wir haben einen großen Fehler gemacht", schrieb einer der Herausgeber, Peter Berberich, den Gruppenmitgliedern kleinlaut.

Die Herausgeber und der Verlag müssen nun um ihr Buch bangen. Denn bei einer Urheberrechtsverletzung können die Betroffenen eine Unterlassung fordern. Schon ein Urheber, der sein Bild zu Unrecht verwendet sieht, könnte den Verkauf des Buches stoppen, sagte der Fachanwalt Lars Rieck der dpa. "Das war schon sehr blauäugig", sagte der Hamburger Anwalt. Das Buch sei eindeutig eine kommerzielle Verwendung. Dafür hätten sich die Herausgeber eine schriftliche Erlaubnis einholen müssen.

An der Entstehung der Facebook-Gruppe 2010 war Werber Bert Peulecke maßgeblich beteiligt. Ein Jahr darauf hatte sie bereits 6.700 Fans, heute beläuft sich die Zahl der Sprachverliebten auf mehr als 24.000. Auch Peulecke hatte sich schon Gedanken gemacht, wie er den Inhalt zweitverwerten könnte: Er dachte allerdings eher an die Nachwuchs-Förderung als an ein Buch-Projekt, erzählte Peulecke im W&V-Interview 2011. Als hätte er geahnt, was kommt, sagte damals Maik Königs, Gründer und Geschäftsführer der Digital-Agentur Elbkind: "Das Kapitalisieren einer privat-öffentlichen Gruppe ist im Allgemeinen nur schwer möglich. Die meist rein aus dem privaten Umfeld rekrutierten User reagieren auf kommerzielle Inhalte mit dem Hintergrund der unfreiwilligen Monetarisierung mit großer Ablehnung. Nur ein allgemeiner Nutzen für die gesamte Gruppe hätte die Chance, Gehör in der Gruppe zu finden."

am/dpa

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