Facebook - die Oma unter den Social Networks
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Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Facebook - die Oma unter den Social Networks

Wer es früher zum Schießen fand, wenn Oma beim eigenen Teenager-Slang den Kopf schüttelte, muss sich jetzt selbst ranhalten. Als sie während der W&V Marketing Convention Michael Nast sprechen hörten, hatten sich das viele Marketer und Werber gedacht. Eifrig notierten sie mit, als der Bestseller-Autor von “Generation Beziehungsunfähig” von Sachen wie "Mingels" sprach, und "Once". Woh-hä?! 

Haben Sie etwas zum Schreiben? Dann notieren Sie: Als Mingels bezeichnet man zwei Singles, “Mixed Singles”, die die Freuden einer Beziehung teilen wollen - gemeinsam verreisen, kochen, schlafen, oh ja - aber den drögen Alltag, den wollen sie lieber umgehen. Hört sich ja auch nach einer guten Lösung an. Oder das neue Dating-Portal: Once (Schauen Sie ruhig mal rein: https://getonce.com) Dort wird dem liebeshungrigen User einmal am Tag ein passender Gegenpart vorgeschlagen. Während die Marketer und Werber im Raum eifrig mitschrieben, witzelte Nast über “die totale Entschleunigung”,  die dem rat- und rastlosen digital Konsumenten da angeboten wird.

Von Entschleunigung ist heute natürlich nicht zu denken. Aber nicht mal ansatzweise. FOMO heißt das Symptom: “Fear Of Missing Out”, die Angst, etwas zu verpassen. Davon wird auch Jox Petiza, Global Content Strategist & Storyteller bei MediaCom, ab und an geplagt. Das letzte Mal war es im vergangenen Oktober soweit, ganz akut sogar: Das neueste Musikvideo “Hotline Bling” von Popstar Drake war raus, und Petiza begann fieberhaft danach zu suchen, auf YouTube, bis sie es endlich bei Apple Music fand. Am nächsten Tag kam es dann ganz groß bei Facebook.

Aha. Facebook ist also Mainstream. Ist "Light Social". Der richtig exklusive Content, von dem nur Insider wissen: das ist "Dark Social". Anders gesagt, ist es all das, was an uns uneingeweihten Normalos einfach vorbei geht. Während mit 92 Prozent das Gros der Millennials (92 Prozent) laut einer Studie von “Total Youth Mobile Report” ihr Wissen mit engen Freunden auf Snapchat & Co. teilen, sind Facebook und Twitter - als "Light Social" - für öffentliche Kuration gedacht. Richtig: Die Social Networks, wir haben es ja schon oft gehört, werden alt. Nicht, dass sie sterben, aber sie sind nun mal die Oma unter den Socials.

Genauso wie TV die Oma unter den Bewegtbild-Kanälen ist. Wer sich einen Platz in der Sonne während der Olympischen Spiele in Brasilien leisten kann, hat Geld und Erfolg. Vergleichsweise arm, aber sexy dagegen ist derjenige, der auf die neuen Möglichkeiten der Bewegtbildbewerbung zugreift. Offeriert zum Beispiel von Rubicon Project. Der Online-Werbemarktplatz kreiert gemeinsam mit Publishern wie USA Today Network und Condé Nast Olympia-Werbepakete für Marken. John Peragine, Head of Video beim Rubicon Project, verspricht seinen Kunden damit den Nerv des Moments zu treffen

Apropos Moment: So schnell ist der vorbei. Snap! Eben war er noch auf der Bühne gestanden, als “Media-Stratege des Jahres” während des Deutschen Mediapreis 2016 und als Mitglied des “Club der Visionäre” bei der W&V Marketing Convention. Dort sprach Christof Baron davon, wie sehr in Künstliche Intelligenz faszinierte. Doch dass sie bisher nur in homöpathischen Dosen in Mediahäusern zum Einsatz komme. Vielleicht wird man auf diesem Gebiet demnächst mehr von Baron, der diese Woche bei Mindshare einen CEO-Posten abgab, hören? Im W&V-Artikel wird er zwar als “Urgestein” bezeichnet, gewissermaßen als der Opa der Media-Zunft in Analogie zu Facebook als Oma der Social Media-Zunft. Doch liegt es letztlich immer an einem selbst, ob man den Anschluss an den Zeitgeist verliert. Mit Absicht und völlig ohne Bewusstsein.

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