Facebook-Marketing | | von Tobias Weidemann

Facebook-Chef Woods: „Wir stehen erst ganz am Anfang“

Das Thema Social Media Marketing boomt, insbesondere wenn es sich um Facebook-Marketing handelt. Daher ist es wenig verwunderlich, dass die von Allfacebook.de und Webmediabrands veranstaltete AllFacebook Marketing Conference am vergangenen Montag in München regen Zuspruch fand. Mehr als 350 Teilnehmer sieht man nicht alle Tage auf einer unabhängigen Fachkonferenz – und auch die Auswahl der Referenten konnte sich sehen lassen.

Die Opening-Keynote hielt F. Scott Woods, Commercial Director DACH bei Facebook und machte gleich deutlich, dass Facebook in vielerlei Hinsicht noch ganz am Anfang einer längeren Entwicklung stehe. Gleichzeitig warb der Manager um die anwesenden Marketing-Fachleute: „Marken spielen innerhalb von Facebook eine entscheidende Rolle – und das Marketing ist die Abteilung, die ein Engagement bei Facebook federführend gestalten kann. Dabei werden viele Unternehmen auch über neue Abteilungsstrukturen und Zuständigkeiten nachdenken müssen“ In seinem Vortrag ging er unter anderem auf die Auswirkungen der für Markenauftritte verpflichtend eingeführten Timeline (Chronik) ein und gab einen Ausblick auf neue Funktionen wie das Storytelling, das „einen Boost für Kampagnen und eine Verdreifachung des ROI“ bringen könne, wenn man den neuen Reichweitengenerator geschickt einsetze.

Danach ging’s an die Praxis-Cases. Social-Media-Manager Daniel Backhaus und Stefan Spiegel, Leiter Travel & Touristik bei Ray Sono, berichteten unter anderem über ihre Erfahrungen bei der Einführung der Facebook-Seite der Bahn. Wichtig sei "echter Dialog statt aufgesetzter 'und-Ihr-so-Kommunikation'". Backhaus machte zudem deutlich, dass dem Social-Media-Regelwerk in Form eines Handbuchs als Verbindung zwischen dem extrem schnellen Medium und den Interessen eines Konzerns eine entscheidende Rolle zukomme.

Neben Social-Media-Experten bei Vodafone (Florian Steps, Abteilungsleiter Direct & Digital) und Burger King (Christian Clawien, Director Social & Emerging Media der federführenden Agentur Interone) kamen auch Vertreter von Medienmarken zu Wort. So präsentierte Markus Peisch, Leiter Online bei RTL2, die Entwicklungen rund um das erfolgreiche Crossmedia-TV-Format „Berlin Tag & Nacht“, das insbesondere bei jungen Zielgruppen hervorragend ankommt. Mehr als 1,6 Millionen Fans bei Facebook sprechen eine deutliche Sprache. Und das wohl Interessanteste: „Online kannibalisiert das TV-Format in keinster Weise. Die überwiegende Mehrheit schaut sich die Sendung selbst im Fernsehen an und greift dann auf den Webstream zurück, wenn man eine Sendung verpasst hat.“ Gleichzeitig biete das Web aber dankbar aufgenommene zusätzliche Inhalte über die Akteure für die Zeit zwischen den TV-Ausstrahlungen. Online und TV befruchten sich hier offenbar gegenseitig.

Um Markenmacht und -ohnmacht ging es dann im Vortrag von Curt Simon Harlinghausen (Geschäftsführer Akom 360), der deutlich machte, dass Social-Media-Aktivitäten nur ganz schwer messbar und quantitativ greifbar sind. „Mich interessieren Fanzahlen nur am Rande – wichtiger sind deren Engagement, Traffic und Aktivitäten.“ Etwas undankbarer als für Firmen zu arbeiten, die jeder kennt, ist da die Aufgabe von Christian Buggisch, dem Leiter der Onlinekommunikation beim Finanzdienstleister Datev. Doch auch er machte Hoffnung für B2B-Unternehmen: „Wenn Sie authentisch und ehrlich kommunizieren, klappt Social Media auch bei B2Bs.“ Gleichzeitig zeigte er an Beispielen auf, dass die Ansprache und die gewählten Medien hier entsprechend angepasst werden müssen.

Mit Gewinnspiele, Verlosungen und andere Aktionen befasste sich der Schweizer Social-Media-Berater Thomas Hutter. Er vermittelte dem Publikum, wie riskant derartige Aktionen sein können, wenn man nicht sämtliche Facebook-Guidelines einhält. „Ich vermute, dass sich 95% aller Gewinnspielveranstalter in einzelnen Punkten nicht an das Facebook-Reglement halten – 90% davon, weil sie nicht oder nicht ausreichend kompetent beraten wurden.“ Die Einsatzmöglichkeiten von Facebook-Credits außerhalb von Spielen erläuterte Daniel Panto, Manager Digital bei Endemol, die die Credits unter anderem für Voting-Aktionen beim TV-Format Big Brother einsetzen. Marco Rinne, Social Media Marketing Manager bei Microsoft Deutschland ermöglichte den Teilnehmern dann noch einen Blick in die Erfolgsmessung und Bewertung von Facebook-Fanpages aus Sicht des Softwareunternehmens. „Microsoft ist auch noch auf der Suche nach einer fairen Messmethode“, lautete das erfrischend ehrliche und gleichzeitig beruhigende Fazit, die gleichzeitig ein Stück Understatement vermuten lässt, da dass, was das Unternehmen vortrug, um einiges substanzieller wirkt als viele andere Ansätze. Last not least wagte Rebecca Quinn, Director EU Strategy and Operations von Wildfire Interactive „ten predictions“ zum Thema Facebook 2012 – und überraschte dabei eher mit der Schilderung einiger Cases als mit steilen Thesen, die man hier hätte erwarten können.

Alles in allem bot die Konferenz einen gelungenen Querschnitt durch den aktuellen Stand zum Thema Facebook-Marketing. Allenfalls hätte man sich an einigen Stellen etwas mehr Nutzwert und noch konkretere Handlungsanweisungen wünschen können. Den Veranstaltern ist dennoch der Spagat zwischen informativen Vorträgen mit guten Referenten und ausreichend Zeit für Networking-Aktivitäten gelungen. 

Tipp: Einige der Präsentationen finden Sie bei Allfacebook.de.

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