Facebook Graph Search | | von Annette Mattgey

Facebook-Änderungen: "Gewaltiger Schub" für Marken

Marken mit hohen Interaktionsraten und relevantem Content auch über ihr eigenes Geschäft hinaus profitieren von den am Dienstag von Facebook vorgestellten Änderungen, so der einhellige Kommentar von Social Media-Experten in Deutschland. Die so genannte Graph Search ermöglicht - endlich - eine Suche unter den öffentlich zugänglichen Informationen und denen meiner Freunde. Auf diese Weise lässt sich etwa recherchieren, wer von meinen Kollegen das gleiche Hobby hat oder welcher meiner Freunde ein Restaurant empfehlen kann. Mehr Infos, darunter auch ein Video mit Mark Zuckerberg und weiteren an der Entwicklung beteiligten Personen (siehe unten), hat Facebook auf einer eigenen Seite versammelt.

"Die Facebook-Suche wird endlich brauchbar," fasst Philipp Roth, Gründer von Allfacebook.de, die neuen Möglichkeiten zusammen. In seinem Beitrag auf Allfacebook skizziert er, wie Facebook künftig die Suchergebnisse ausweist - und gibt damit bereits einen wichtigen Hinweis für Unternehmen: "Die Reihenfolge der Suchergebnisse übernimmt im ersten Schritt Facebook nach der Relevanz eines Ergebnisses. Vereinfacht gesagt werden beispielsweise Fotos mit vielen Likes und Kommentaren weiter vorne angezeigt." In die gleiche Kerbe haut Thomas Hutter in seinem Blog. Er weist nicht nur auf juristisch wichtige Überlegungen hin, sondern macht nochmal die Basics für Seitenbetreiber deutlich:"Der Name, die Kateogorie(n), die Vanity URL, sowie die Informationen im Infobereich helfen Menschen die Seiten zu finden. Unternehmen mit lokalen Seiten (Orte) sollten nun zwingend und dringend die Adresse bei ihrem Unternehmen hinterlegen, damit bei entsprechenden Suchanfragen die Seiten auch gefunden werden können."

Curt Simon Harlinghausen, Geschäftsführer der Agentur Akom360, ist froh, dass Facebook nicht das x-te Smartphone vorgestellt hat, sondern "das Feature, was Facebook am dringendsten benötigte und am längsten braucht, um sich richtig zu entwickeln." Sein Kollege Johannes Lenz prognostiziert denn auch in seinem Blog-Beitrag einen "gewaltigen Schub" für Marken-Websites. "Die Facebook Graph Search bietet neben einer besseren User Expierence interessante Monetarisierungsoptionen für Facebook," meint Harlinghausen. "Außerdem können Unternehmen nun in neuen Zusammenhängen gefunden werden und werden verstärkt für eine Interaktion der Nutzer auf ihrer Fanpage oder ihrer App belohnt“, beurteilt Harlinghausen das neue Feature.

Marken brauchen Content, der ihre Kompetenz unterstreicht

Thomas Knüwer, Inhaber der Beratungsagentur kpunktnull, tut sich momentan noch etwas schwer, eine konkrete Aussage über die neue Suchfunktion zu treffen. "Wie so häufig im Social Web gilt auch hier: Erst beim Ausprobieren wird sich der tatsächliche Wert der Funktion zeigen." Zwei Entwicklungen sind aus seiner Sicht jedoch bedeutsam: Multiplikatoren werden wichtiger. Das sind in Zukunft nicht unbedingt diejenigen, "die eigene Anlaufhäfen in Form von Websites und Blogs besitzen." Zukünftig kann das jeder Mensch wie Du und ich sein. Eine neue Aufgabe für Unternehmen, meint Knüwer: "Um diese Influencer müssen sich Marketeers im Bereich der Social Media Relations bemühen. Dieser Aufstieg des Jedermann zum Multiplikatoren kann aber nur gelingen, wenn die Kontext-Erkennung Facebooks tatsächlich so gut funktioniert, wie Zuckerberg dies behauptet. Sprich: Wenn ich poste "Amaury, das war ein geiles Tor!" muss Facebook erkennen, dass ich Amaury Bischoff meinte, den Spielmacher von Preußen Münster - und mich somit als Anhänger des Clubs einordnen, selbst wenn ich dessen Page nicht geliked hätte. Dies über alle Sprachen hinweg zu schaffen wäre ein gigantischer Fortschritt im Bereich der Semantik." Als zweite wichtige Folge sieht Knüwer den "nochmaligen Bedeutungsanstieg von Content-Strategien und Content-Marketing. Denn auch Marken können eine solche Influencer-Position erreichen, kuratieren sie Inhalte aus ihrem Kompetenzfeld, die über eigene Produkte hinausgehen. Das bedeutet dann entweder die aktive Verlinkung auf fremde Web-Präsenzen oder der Aufbau eigener, inhaltegetriebener Seiten wie dies Coca-Cola (USA) und Schwarzkopf mit ihren Homepages oder der Elektrotechnik-Zulieferer Indium mit seinen Blogs betreibt."

Lassen sich bald Search Ads bei Facebook buchen?

Natürlich spekuliert die Branche darüber, dass Facebook bald ähnlich wie Google mit Search Ads Geld verdienen will. Schon jetzt ist die Anzeige gesponserter Beiträge unterhalb der Suchleiste möglich. Ben Moehlenhoff, Experte für Social-Media-Advertising  bei Eprofessional, sagt dazu: "Eine Monetarisierung der Suche könnte sehr profitabel für Facebook werden, denn suchende Nutzer haben meist ein sehr konkretes Kauf- oder Informationsbedürfnis und sind wertvoll für Unternehmen. Eine gute Platzierung in den Facebook-Suchergebnissen könnte im ersten Schritt für Restaurants, Bars und lokale Geschäfte interessant sein. Später erwarte ich, dass Facebook sich gezielt den Online-Shops zuwendet und diesen neue, attraktive Werbemöglichkeiten in der Suche anbietet." In der Pressekonferenz äußerte sich Zuckerberg recht zurückhaltend zu dem Thema. Josh Constine macht sich trotzdem seine Gedanken in Techcrunch und findet die Graph Search vor allem für Restaurants entscheidend, aber auch für Personaler beim Recruiting oder für Dating-Services.

Graph Search stärkt Facebooks mobile Ambitionen

Dass der Facebook Graph Search auch für Mobile vorteilhaft ist, betont Marc Höft, Director of Client Services bei Marin Software: „Graph Search eignet sich hervorragend für Nutzer von Smartphones oder Tablets. Die Nutzer können zum Beispiel  für die Suche nach einem Restaurant auf Facebook bleiben statt zu Google oder anderswohin zu gehen. Damit stärkt die Innovation nicht zuletzt auch die Position von Facebook im zunehmend wichtigen mobilen Anzeigengeschäft.“

Das wiederum könnte Analysten gefallen. So äußert sich Ben Schachter in Forbes. "Das könnte Nutzer und Unternehmen in die Lage versetzen, mehr aus den Facebook-Daten zu machen". Denn sie sind nun besser strukturiert und wieder auffindbar.

Mark Zuckerberg und seine Kollegen stellen die Graph Search vor:

Facebook-Änderungen: "Gewaltiger Schub" für Marken

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