David Philippe | | von David Philippe

Facebook Ads: Kommen die meisten neuen Fans von „Like-Farmen“?

Facebook-Werbung ist ein Thema, das mich seit zwei Jahren sehr beschäftigt. Ich habe viel Zeit mit der Ausarbeitung, Buchung und Auswertung von Facebook-Werbung verbracht und immer wieder kamen Fragen von Kollegen oder Kunden auf, die im Grund zu einer zusammenzufassen sind: „Woher kommen die neuen Facebook Fans?“

Na gut, eine Frage wird dann häufig nachgeschoben: „Warum klicken die auf „Gefällt mir“?“

Facebook Werbung vs. Fankauf

Ab und an wird man auch mit der Frage konfrontiert, warum man denn 0,30 Euro für einen neuen Fan (variierend von Seite und Zielgruppe) bezahlen muss, wenn man sich auf diversen Seiten 1000 Fans für 69,90 Euro im Sonderangebot kaufen kann. Frisch geliefert von Like-Farmen aus Indien, Indonesien, Nepal, Sri Lanka und Co.

Auch im Jahr 2014 scheint es immer noch verlockend, schnell und günstig eine möglichst große Fanzahl zu erreichen. Egal, wie dies erreicht wird. Dass der Fankauf dabei aber nicht nur gegen die Richtlinien von Facebook verstößt, sondern auch noch schädlich für die Facebook-Seite sein kann, wird häufig nicht sofort erkannt.

Wenn man sich Fans „kaufen“ möchte, dann doch bitte „legal“ über die Facebook-Werbung. Dort erhält man dann auch ein klares Targeting, das einem erlaubt, eine gewisse Vorauswahl zu potentiellen Fans zu treffen. Ziel der Sache ist natürlich, Fans zu erhalten, die sich mit der Facebook-Seite auseinander setzen. Die kommentieren, liken und bestenfalls teilen, was die Facebook-Seite postet. Und ja, natürlich sollen sie auch Kunden werden, wenn man Produkte verkauft. Das setzt voraus, dass die getargeten potentiellen Fans echte Menschen sind und idealerweise auch die Sprache sprechen, die auf der Facebook-Seite genutzt wird. Noch besser wäre es dann, wenn sie aus dem Land stammen, in dem die Produkte vertrieben werden.

Kurz: All das, was der Fankauf (da die Fans aus Like-Farmen stammen, die NICHT in Deutschland sind) nicht kann, soll die Facebook Werbung können.

Die Frage, woher die Fans bei Facebook-Werbung kommen, ist dennoch nicht exakt beantwortet. Und ich kann sie auch nicht wirklich endgültig beantworten, weil ich nicht bei Facebook sitze. Meiner Erfahrung nach aber kommen die Fans zum größten Teil tatsächlich aus der im Targeting ausgesuchten Zielgruppe.

Doch am 10. Februar erschien nun dieses Video des Wissenschafts-Blogs Veritasium, das darstellt, dass es zumindest im englischsprachigen Raum scheint, dass die neuen Fans, die durch Facebook-Werbung erzielt wurden, aus den gleichen Gegenden stammten, wie die gekauften Fans im 1000er Pack.

Sieht man sich das gesamte Video an, so wird dort nicht nur gezeigt, woher die „Fans“ kommen, sondern auch eine Begründung dafür geliefert, warum sie die Seite liken, die eigentlich Facebook-Werbung schaltet und eben keine Like-Farm beauftragt (ab 7:15 Min.).

Deutschsprachiger Raum noch nicht so betroffen?

Die Anschuldigungen im Video sind nicht ohne. Man zahlt Facebook Geld für echte Fans aus der Zielgruppe und bekommt dafür unnütze Like-Farm-Fans? Ist das auch in Deutschland so?

Ich habe in den letzten zwei Jahren viel Werbung bei Facebook für den deutschsprachigen Raum geschaltet und habe bisher keine signifikante Abweichung der Fans außerhalb der Zielgruppe (also außerhalb des deutschsprachigen Raumes) feststellen können.

Ein Beispiel ist eine eigene Facebook Seite, die ich privat betreibe. Ich habe dort ca. 250 Euro für Facebook-Werbung investiert, erhalten habe ich damit etwa 3.000 Fans. Echte Fans, aus Deutschland, die sich mit der Seite identifizieren und aktiv sind. Mittlerweile habe ich über 15.000 Fans dort und die Länder, aus denen die Fans stammen sehen so aus:

 

Die Fans aus den USA und Kanada, sowie Spanien, Italien und Frankreich sind auf die Facebook-Seite zurückzuführen. Zudem sind dies nicht die typischen Länder für Like-Farmen.

Ähnlich sieht es bei anderen Facebook-Seiten aus, die ich betreue und für die Facebook Werbung geschaltet wurde. Wie es scheint, ist das Problem im deutschsprachigen Raum also bisher noch nicht sehr stark vertreten (Das sieht auch Thomas Hutter in seinem Blog so). Was auch mit der statistischen Verteilung von deutschsprachigen Facebook-Seiten und englischsprachigen Facebook-Seiten zusammenhängen kann.

Warum sind Like-Farm-Fans so schlimm?

Im Video von Veritasium wurde bereits angemerkt, warum es nicht vorteilhaft ist, wenn man viele Like-Farm-Fans besitzt. Aber nicht nur die Like-Farm-Fans sind nicht gut, auch inaktive Fans können einer Facebook-Seite schaden. 

Ein Grund, warum ich einen zu starken Einsatz von Gewinnspielen für den Ausbau der Fanzahlen eher kritisch sehe.

Warum ist das so? Die Beiträge einer Facebook-Seite werden immer nur einem kleinen Anteil der Fans angezeigt, das haben wir bereits vor langer Zeit gelernt. Aber das ist nicht alles, was in den Facebook-Algorithmus einfließt. Denn die Reaktionen der Fans, die den Beitrag gesehen haben, beeinflussen die weitere Anzeige des Beitrages bei anderen Facebook Fans.

Also: Eine Facebook-Seite postet einen Beitrag. Der wird an beispielsweise 100 Fans ausgespielt. Davon reagieren 25 durch einen Like und zehn mit einem Kommentar (nur als Beispiel). Diese Reaktionen fließen in den Facebook-Algorithmus ein und bewirken, dass der Beitrag auch weiteren Fans angezeigt wird, weil er anscheinend „gut“ ist und für die Fans relevant genug, so dass sie reagieren.

Wenn man nun aber inaktive Facebook-Fans besitzt, ob aus Gewinnspielen, bei denen ein Fan-Gate eingesetzt wurde, oder aus Like-Farmen, so sähe es vielleicht so aus: Von 100 Fans reagieren zwei mit einem Like. Alle anderen sind inaktiv. Auch diese Reaktionen fließen in den Facebook-Algorithmus ein und bewirken nun, dass der Beitrag eben keinen weiteren Fans angezeigt wird. Weil er doch ganz offensichtlich nicht „gut“ ist und nicht relevant genug ist. Die Folge: Noch weniger Reichweite für die Beiträge!

Und genau deswegen ist es schlecht, inaktive Fans auf der Facebook-Seite zu haben. Zumal die Lösung meistens lautet, wieder ein Facebook-Media-Budget aufzumachen, das für die Bewerbung der Beiträge eingesetzt wird, damit die Reichweite wieder steigt. Das hilft vielleicht bei inaktiven Fans, aber bei Like-Farm- Fans bringt das nicht viel.

Tl;dr: Im englischsprachigen können Facebook Werbungen auch „Fans“ liefern, die aus Like-Farmen stammen und nicht aktiv sind. Das versaut die Reichweite der Beiträge, weil inaktive Fans negativ im Algorithmus ausfallen.

David Philippe ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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