David Philippe | | von David Philippe

Emanzipiert Euch von Facebook!

Facebook hat ein Problem – oder, wie es eigentlich heißen müsste: Marken und Unternehmen haben ein Problem mit Facebook - ausgelöst durch den Rückgang der organischen Reichweite.

Laut des Online Tools Edgerankchecker.com sank die Reichweite für Facebook-Seiten pro Fan von September 2013 (12,6 Prozent) um 50 Prozent auf aktuell 6,51 Prozent im März 2014. Wie sich das erklären lässt, haben die Online-Medien bereits ausführlich dargestellt, etwa hier bei Techcrunch.
 
Dies sind die beobachteten und gemessenen Zahlen, die zunächst jedoch noch vollkommen ohne Zusammenhang und Ursache stehen. Es gibt erste Unternehmen, die sich wegen dieser Zahlen von Facebook verabschieden (Eat24) und wieder andere fühlen sich zu einer „Überdenkung der Rolle von Facebook als digitales Zuhause ihrer Marken“ gezwungen (Nestlé). Bei Agenturen und Kreativen geht der Riss quer durch die Branche: Manfred Klaus, Geschäftsführer von Plan.net, sieht jetzt die Unternehmen in der Pflicht, gute Ideen und damit "Talkability-Potenzial" zu entwickeln (W&V-Interview). Gerald Hensel, Strategy Director bei Scholz & Friends Berlin, bezweifelt jedoch genau das: Dass guter Content weiter bei Facebook für Reichweite sorgt, hält er für eine "Mär" (W&V-Gastbeitrag). Begrüßt wird die Veränderung etwa von Social Secrets-Autor Daniel Fürg: "Seid endlich kreativ und hört auf mit diesem langweiligen Mist, den Ihr alle auf Facebook veröffentlicht, um Eure Interaktionsraten zu retten."

Warum nicht Instagram und Youtube testen?

Ganz klar: Die Reaktion sollte kein Abwenden von Facebook sein, ebenso wenig sollte es Resignation sein. Vielmehr ist der drastische Einbruch der organischen Reichweite ein sehr guter Anlass, die eigene Strategie auf Facebook zu überdenken und sich nach Alternativen umzuschauen.

Für manche Unternehmen bietet sich Instagram als Plattform an. Zum einen, weil es hier (noch) keinen Algorithmus gibt, der den News Feed der Nutzer filtert, zum anderen aber, weil hier eine deutlich höhere Interaktion erzielt werden kann – über den Content und Kommentare und nicht über ein Media Budget.

Wieder andere Unternehmen, vor allem die, bei denen genug Abwechslung für entsprechenden Content vorhanden ist, könnten auf Youtube eine alternative Plattform für sich entdecken.

Doch sowohl Instagram als auch Youtube sind im Grunde nur vorübergehende Lösungen, die langfristig nicht zielführend sind. Marken und Unternehmen sollten aus der Entwicklung von Facebook lernen und erkennen, dass die Bindung an eine Plattform immer ein Risiko birgt. Bei Facebook ist es die sinkende Reichweite und damit verbunden indirekt die Einführung des kostenpflichtigen Zugangs für Marken und Unternehmen. Bei Instagram und Co. könnten es andere Gründe sein.

Es bietet sich eine Chance, sich von Facebook und Co. zu emanzipieren: Unabhängig von Plattformen sind Unternehmen nur auf eigenen Internetpräsenzen. Der eigenen Webseite und – um im Social Media-Bereich zu bleiben – dem eigenen Blog.

Ein eigenes Blog muss dabei nicht dem entsprechen, was zur Zeit als Corporate Blog bekannt ist. Unternehmen und Marken können ein Blog auch anders nutzen. Ein Beispiel gibt es aktuell mit Curved für Eplus.

Curved steht als eigenes Blog zu den Themen mobile Technology da, es wird von Journalisten und Bloggern mit Inhalten gefüllt und Eplus tritt lediglich als „Sponsor“ des Blogs auf.

Curved behandelt die Themen, die für die Kunden von Eplus relevant sind: Smartphones, Tablets und andere Tech-Themen. Dabei werden Corporate Themen von Eplus außen vor gelassen. Vielmehr wird bei Curved auf redaktionelle Unabhängigkeit verwiesen, da sich das Blog auch für andere Sponsoren offen präsentiert. Somit stellt Curved eine neue Art von „Unternehmensblog“ dar, das einen anderen Ansatz, als die meisten klassischen Unternehmensblogs verfolgt: Anstatt über die Themen rund um das Unternehmen zu schreiben, schreibt man über die Themen rund um den Kunden.

Curved dient hier nur als Beispiel und wie gut sich dieses Modell und Curved im besonderen durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Dem Cluetrain Manifest (von 1999!) folgend, sollten Unternehmen und Marken beginnen, sich mit der Welt und den Dingen zu befassen, die ihre Kunden und Zielgruppen betreffen. Ein Blog, das nicht nur die eigenen Produkte des Unternehmens behandelt, sondern sich mit der Lebenswelt und den Dingen befasst, die die eigenen Kunden berühren, schafft eine Möglichkeit, ein Teil der Lebenswelt der Zielgruppe zu werden.

Eine solche, eigene Plattform kann langfristig genutzt werden, ohne Sorge vor plötzlichen Veränderungen des Designs oder der Strukturen. Wenn ein Unternehmen oder eine Marke sich eine solche Plattform geschaffen hat, kann es die bestehenden Social Media Plattformen nutzen, um die Nutzer von dort auf die eigene Plattform zu lenken.

Ziel sollte es sein, so relevante Inhalte auf dem Blog / der Webseite anzubieten, dass die Kunden ohne den Umweg von Facebook, Twitter, Google Plus und Co. auf das Blog kommen. Dann ist es auch nicht mehr zwingend nötig, ein großes Media-Budget aufzuwenden, um die Inhalte zu distribuieren.

Dies lässt sich jedoch nur erreichen, wenn für die Erstellung der Inhalte Zeit und Geld investiert wird. Zeit für Recherche und Erstellung und Geld für Reisen, Events und Bild- beziehungsweise Videoinhalte. Vor allem aber Zeit und Geld für die Auswahl und Etablierung der richtigen Content-Ersteller.

Blogs leben nicht nur von ihren Inhalten, sondern sie werden sehr stark durch die Autoren definiert, weil ein Blog meistens mit einer persönlichen Meinung verbunden ist. Auch wenn die Persönlichkeiten der Autoren nicht so stark in den Vordergrund gestellt werden, so haben die Inhalte der Autoren einen eigenen Klang und Flow, der sich bei den Lesern durchsetzt oder eben nicht.

Hier ist es daher wichtig, die Autoren eines Blogs mit Bedacht auszuwählen und ihnen genug Zeit zu geben, sich voll zu entfalten. Gleichzeitig muss aber gewährleistet werden, dass die Strategie und Contentplanung eingehalten wird. So sollte ein Blog von markenverständigen Strategen gemeinsam mit der Redaktionsleitung geführt werden.

David Philippe, Head of Social Media bei der Digitalagentur Oygo ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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