Community-Aufbau | | von Tobias Weidemann

"Ein roter Faden gehört zu jeder Community"

Aller Anfang ist schwer - dieses Sprichwort trifft auch auf die Gründung einer Online-Community zu. Fakt ist: Nur wenige Communities können sich dauerhaft etablieren. Unser Gastautor Christoph Pantel, Junior Social Media Manager bei Straub & Linardatos, Hamburg, geht auf Elemente wie Einzigartigkeit, Mehrwert für den Nutzer und die Eigendynamik von Netzwerken ein und gibt Tipps, wie jeder Administrator die Erfolgschancen seiner Gruppe erhöhen kann. 

Relevanz entscheidet: Communities gibt es viele – vor allem zu Dauerbrenner-Themen wie z. B. Freundschaft, Liebe und Technik. Einige von ihnen sind in der Internetwelt schon seit Jahren etabliert. Deswegen steht vor jeder Community-Neugründung die Frage nach der Einmaligkeit. Gibt es eine solche Community bereits? Falls ja, welchen Mehrwert bietet meine Community gegenüber den schon vorhandenen? Denn es ist unabdingbar, den Nutzern einen konkreten Vorteil zu bieten und diesen auch deutlich aufzuzeigen. Nur mit Relevanz werden Mitglieder gewonnen.

Regeln und Verhaltensrichtlinien definieren: Wo Menschen aufeinander treffen, gibt es unterschiedliche Meinungen. Oftmals sind genau diese Meinungsunterschiede der Treibstoff für ausführliche Diskussionen und ein reges Community-Leben. Als Administrator sollte man für solche Gespräche eine solide Basis zur Verfügung stellen. Damit ist weniger die Plattform an sich, als vielmehr ein Verhaltenskodex gemeint. Dabei geht es nicht darum, Nutzer zu bevormunden, sondern den Gesprächen eine niveauvolle Ordnung zu verleihen. Ein roter Faden gehört zu jeder guten Community. So lautet eine einfache Regel: Persönliche Beleidigungen finden hier keinen Platz, wohl aber ein respektvoller Umgang miteinander. Klingt banal – kann aber nicht oft genug erwähnt werden.

Demokratische Entscheidungsfindung: Regeln sind ein wichtiges Instrument in der Community-Führung. Noch wichtiger ist es, dass diese Regeln auch von der Community akzeptiert und eingehalten werden. Die gängige Variante der Regel-Erstellung ist so einfach wie fatal. Oftmals entscheidet ein kleines Komitee oder nur der Gruppengründer allein, welche Regeln es gibt und wie sie angewendet werden. Das kann zur Folge haben, dass potenzielle Nutzer abgeschreckt oder Regeln nicht eingehalten werden. Die clevere Variante ist eine demokratische Entscheidungsfindung innerhalb der Community, z. B. über Umfragetools. So wird sichergestellt, dass der Großteil der User die Regeln akzeptiert und positiv sieht. Bei stetigem Community-Wachstum ist es wichtig, diese Umfragen in regelmäßigen Intervallen zu wiederholen.

Jederzeit bereit und immer vor Ort: Anfangs ist es leicht, als Administrator eine Community im Blick zu behalten. Mit steigenden Mitgliederzahlen aber sind Moderatoren unabdingbar. Je höher die Mitgliederzahl, desto mehr Aktivität. Parallel dazu wächst der Arbeitsaufwand für die Moderatoren. Die Faustregel: Auf 2.000 Mitglieder sollte jeweils ein Moderator kommen. So ist sichergestellt, dass bei Regelwidrigkeiten ein Moderator zur Stelle ist und unmittelbar eingreifen kann. Hier gilt auch für die Moderatoren: Sachlichkeit und Freundlichkeit sind oberstes Gebot!

Erfolgskontrolle: Erfolgskontrolle ist ein wichtiges Instrument in der Community-Führung, das besonders in den Anfängen sehr ernst genommen werden sollte. Abhängig von der Plattform sind Erfolgsmessungen mehr oder weniger gut durchführbar. Bei einer Community auf eigenem Webspace sind ausführliche Details zum Nutzerverhalten, wie Verweildauer, Herkunft des Nutzers und Weg des Benutzers innerhalb der Seiten leicht einseh- und kontrollierbar. Im Social-Media-Bereich, zum Beispiel bei Facebook-Fanseiten, war eine umfassende Erfolgskontrolle bis vor Kurzem noch nicht ohne weiteres möglich. Mittlerweile stehen dem Administrator auch hier detailgenauere Tools zur Verfügung. Wer eine Community betreibt, in der eine detailgenaue Auswertung nicht möglich ist, sollte eine Erfolgsmessung mit Bordmitteln durchführen. Zunächst sind konkrete – aber realistische! – Ziele zu definieren. Ein Beispiel: „Am Ende eines jeden Monats soll die Mitgliederzahl um 200 steigen.“ So behalten Communitybetreiber auch ohne konkrete Daten und Statistiken einen guten Überblick über das Community-Wachstum.

Nutzung aller relevanten Social-Media-Kanäle: Wenn eine Community nicht auf einem sozialen Netzwerk basiert, empfiehlt es sich, auf diesen Kanälen Präsenz zu zeigen. Das kann z. B. eine Facebook-Fanseite, ein Twitter- oder Instagram-Account sein. Auf den flankierenden Social-Media-Kanälen können aktuelle Community-Themen aufgegriffen und mit entsprechenden Links platziert werden. Eine gute Methode, um Klicks zu generieren und bestenfalls neue Nutzer zu gewinnen.

It’s all about Design: Eine Community muss in vielerlei Hinsicht attraktiv sein. Primär steht natürlich das Thema im Vordergrund. Sekundär ist aber auch die Optik nicht zu vernachlässigen. Ein klares und übersichtliches Design kann Wunder bewirken. Ein schöner Banner im Kopfbereich sollte in jedem Fall vorhanden sein. Eine vollständige CI mit eigenem Logo auf allen Kanälen erhöht den Wiedererkennungswert und gehört bei größeren Communitys zum Pflichtprogramm.

Geld verdienen: Wenn's läuft und die Mitgliederzahlen steigen, kommt vielen der Gedanke, mit der Community Geld zu verdienen. Dabei gibt es einiges zu beachten: In sozialen Netzwerken wirkt Werbung auf viele Nutzer oft deplatziert und wird mit Dislikes abgestraft. Ein solcher Imageschaden wirkt oft Wochen oder Monate nach. Anders sieht es bei Webseiten aus: Hier kann (unauffällige) Werbung durchaus geschaltet und den Nutzern auch vermittelt werden.

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