Wochenrückblick | | von Tobias Weidemann

Ein neues Buzzword, Video-Ads bei Facebook und ein Kuss, der um die Welt geht

In dieser Woche schaute die Welt unter anderem auf Hannover, wo die diesjährige Cebit stattfand. Mit dem Kunstwort „Datability“, der Kombination aus Daten und Sustainability (Nachhaltigkeit), beschäftigte man sich da; ein neues Buzzword, das zumindest bis vor einigen Monaten noch kaum jemand nutzte, das sich aber selbst in 140 Zeichen definieren lässt. Die Referenten der Panels fanden teils deutliche Worte über den Vertrauensverlust, den der NSA-Skandal nach sich gezogen hat. „Snowden hat uns einen Weckruf gegeben. Jetzt dürfen wir nicht die Schlummertaste drücken“, erklärte etwa EU-Kommissarin Neelie Kroes. Und Apple-Legende Steve „Woz“ Wozniak wurde sogar noch deutlicher: Auf die Frage, ob man Apple in Bezug auf Software-Hintertüren vertrauen könne, antwortete er: „Ich habe keine Ahnung, ich kann es nicht sagen.“

Die Unternehmen tun sich schwer. Immer mehr Nutzer misstrauen pauschal und ohne Ansehen der Person sämtlichen Daten verarbeitenden Firmen – eine Gefahr für Geschäftsmodelle und ein Online-Marketing, das naturgemäß auf Daten angewiesen ist. Profiteure der Situation sind allenfalls Unternehmen, die mit Sicherheit und Produkten im Privatsphärenbereich arbeiten, etwa Secusmart, dem Hersteller abhörsicherer Mobilgeräte (unter anderem für das „Merkel-Phone“ bekannt). Der will zusammen mit Vodafone in den Massenmarkt für Führungskräfte von Unternehmen (ab zwölf Euro pro Monat mit dem dazugehörigen „Secure-call“-Dienst).

Doch Hannover war nicht der einzige Ort, an dem man sich über die Zukunft der IT- und Internetbranche Gedanken machte. In Austin/Texas fand die SXSW statt, bei der es sicherlich deutlich enger zuging als in den Messehallen der niedersächsischen Landeshauptstadt. Viele der Diskussionen drehten sich darum, wie man digitale Technologien nutzen sollte und wem das Internet gehört – den Verbrauchern, der Werbung oder gar den Regierungen. In Erinnerung bleiben dürfte vor allem ein Zitat von Julian Assange: „Menschen sind Produkte, die an Werbungtreibende verkauft werden.”

Facebook wildert unterdessen im Revier von Youtube. Bereits im Dezember hatte das Unternehmen Premium Video Ads angekündigt, die in der Timeline der Nutzer erscheinen sollen. Jetzt stehen die Details fest: Ab April soll die Werbeform nun bei allen Nutzern erscheinen, nachdem man bislang nur mit einer kleineren Stichprobe an Mitgliedern experimentiert hatte. Bei der Autostart-Frage hat man offenbar einen Kompromiss gefunden: Das Videobild startet automatisch beim Mouseover, der Ton erst auf einen Klick hin. Wie die Werbeform bei den Konsumenten ankommen wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Gerade die social-affinen Werber haben auf so etwas gewartet und die Nachfrage dürfte vorhanden sein. Übrigens lässt sich ja bekanntermaßen alles irgendwie messen, so auch das Kreativpotenzial von Spots. Dazu arbeitet Facebook mit Dienstleister Ace Metrix zusammen, die dem Werbekunden eine Prognose liefern können, wie gut das Video ankommen wird.

Und dann war da noch… das kleine Modelabel Wren, das mit einem Kuss-Video einen Youtube-Hit landete. Es handelte sich dabei um ein Experiment, bei dem sich 20 fremde Menschen beim ersten Treffen vor der Kamera küssen sollten. Der Clip schaffte es bis in die CNN-Nachrichten und wurde allein am Mittwochmorgen von einer halben Million Menschen innerhalb einer Stunde angesehen. Und wie das so bei Virals ist, fanden sich schnell Nachahmer und Persiflagen… unter anderem ein Film für Tierfreunde.

Ein neues Buzzword, Video-Ads bei Facebook und ein Kuss, der um die Welt geht

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht