Wochenrückblick | | von Tobias Weidemann

Ein Health-Kit, ein 3D-Smartphone und gestohlene Ideen

Apple hat eingeladen zu seiner großen Entwicklerkonferenz WWDC. Zu sehen gab’s allerdings auf der Pressekonferenz nicht, wie viele vermutet hatten, ein neues iPhone und auch auf die sagenumwobene Uhr mit Gesundheitsfunktionen werden Apple-Enthusiasten weiter warten müssen. Dennoch brachte die WWDC gerade für die Entwickler-Community – und an die richtet sich die Konferenz ja nun mal in erster Linie – einige spannende Enthüllungen: Die achte Version von iOS, die Apple-Chef Tim Cook präsentierte, bietet App-Entwicklern tiefere Eingriffsmöglichkeiten in die Funktionen des Telefons als jede der Vorversionen. Spannend ist auch eine Health Kit genannte Schnittstelle, die das Sammeln und Überwachen von Gesundheitsdaten aus Fitness-Trackern und Blutdruckmessgeräten ermöglicht – eine Anwendung, die für Apple ein lukratives Geschäftsfeld eröffnen könnte. Unterm Strich wirkt das, was Apple präsentiert, dennoch nicht mehr so spektakulär wie noch vor einigen Jahren; der Innovationsvorsprung, denn das Unternehmen unter Steve Jobs hatte, schmilzt offensichtlich weiter dahin.

Amazon lädt dagegen erst noch ein – und zwar auf eine ungewöhnliche Art und Weise. Mit einem Video, das nicht arm an Superlativen ist, macht das Unternehmen Stimmung für… ja für was eigentlich? Es geht möglicherweise um ein Smartphone mit 3D-Bildschirm, für das man allerdings keine 3D-Brille benötigt. Das stellt das Amazon also vielleicht am 18. Juni in Seattle vor. Wer dabei sein will, kann sich auf dieser Seite bewerben. Über das Gerät wird bereits seit über einem Jahr spekuliert – immer wieder sickerten Details aus dem Unternehmen in die Medien – Jeff Bezos versteht es eben, Spannung zu erzeugen und aufrecht zu erhalten.

Auch mit Gerüchten zu tun hat unsere nächste Meldung: Die Samwer-Brüder wollen nämlich offenbar mit ihrem Unternehmen Rocket Internet an die Börse, wie aus Unternehmenskreisen berichtet wird. Insgesamt rund 75 Unternehmen und Beteiligungen gehören derzeit zum Portfolio des Startup-Inkubators und die Strategie, erfolgreiche Ideen aus den USA und Fernost zu kopieren und für den europäischen Markt zu adaptieren, hat in der Vergangenheit oft genug gut funktioniert, was ihnen zwar einen zweifelhaften Ruf in der Branche, dafür aber ein gut gefülltes Bankkonto eingebracht hat. Von einer möglichen Bewertung von drei bis fünf Milliarden Euro ist die Rede – das wäre dann der größte deutsche Börsengang in diesem Jahr. Und es wäre deutlich mehr Geld, als die drei Brüder mit Alando verdient haben – den Ebay-Klon kaufte seinerzeit in den späten 90ern Ebay selbst für 40 Millionen Euro auf.

Die Diskussion um die Macher der Plattform Heftig.co geht weiter. Jetzt geht’s, wie wir ja bereits in der vergangenen Woche angerissen hatten, vor allem um die Frage nach dem Urheberrecht. Sie kuratieren nur und für ihr Angebot würden keine journalistischen Spielregeln gelten, sagen die Macher der Seite, die Bilder aus anderen Quellen im Internet zusammentragen – das mag sein, deswegen gibt es aber trotzdem ein deutsches Urheberrecht, an das man sich halten muss, sagen Experten, etwa unsere LEAD-digital-Bloggerin Nina Diercks. Doch die Geschichte zeigt auch wieder einmal, dass man über die Ausgestaltung des deutschen Urheberrechts nachdenken muss: Denn ähnlich wie hier das Risiko einer Abmahnung droht, könnte auch der brave kleine Blogger oder Anwender in sozialen Netzen schnell eine Abmahnung kassieren – der in aller Regel aber mit deutlich weniger krimineller Energie und Systematik an die Sache herangeht als Heftig.co und diverse andere Seiten dieses Kalibers.

Sauer wegen möglicherweise geklauten Ideen und verletztem Urheberrecht ist auch Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt. Der hat seinem Ex-Kollegen und heutigem Focus-Online-Chefredakteur Daniel Steil in einem Interview mal so richtig eins eingeschenkt. Was der mache, sei „digitale Hehlerei“. Konkret geht’s vor allem um Inhalte, die Bild Plus hinter die Paywall stellt und Focus Online, so der Vorwurf, dann ausschlachte und durch die berüchtigte Focus.de-Google-Optimierung laufen lasse. Dabei hätte Bild Plus doch so gerne Meldungen wie „Wie kam er da hin? Internet-Anschluss an Hitlers Schreibtisch“ weiterhin exklusiv für sich.

Ein Health-Kit, ein 3D-Smartphone und gestohlene Ideen

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht