Castingshows | | von Annette Mattgey

DSDS siegt auch im Social Web auf ganzer Linie

Bei den TV-Quoten wie im Social Web läuft „Deutschland sucht den Superstar“ der Konkurrenz den Rang ab. Quintly-Geschäftsführer Alexander Peiniger hat sich die Auftritte der fünf Castingshows in diesem Jahr genauer angesehen - und analysiert, welche Strategien aufgehen.

Castingshows sind seit über zehn Jahren nicht mehr aus der deutschen Fernsehlandschaft wegzudenken. Zu den Dauerbrennern wie „Popstars“ (seit 2000) und „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS, seit 2002) sind in den letzten Jahren noch der UK-Import „X Factor“ (seit 2010), das RTL-Supertalent (seit 2007) und 2011 „The Voice of Germany“ (TVoG) hinzugekommen. Doch der Wettbewerb um die Quoten ist hart und der Pionier DSDS erlebt nicht erst seit diesem Jahr genau wie seine jüngeren Nachahmer stark sinkende Zuschauerzahlen. Nach zehn Jahren sei Deutschland durchgecastet, erklärte Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen der SZ in einem Interview. Er sieht vor allem ein wachsendes Unbehagen der Zuschauer gegenüber dem Bluff um inszenierte Lebensläufe. Unabdingbar für den weiteren Erfolg einer Show sind also intensive Trendforschung und mehr Authentizität. Ein Fall für Facebook, findet das Team hinter dem Social Media Analyse-Tool Quintly

  Noch ist DSDS der King der Castingshows, sowohl bei den TV-Quoten als auch auf Facebook. Die deutsche Mutter des Recall-Prinzips hat nicht nur die meisten Fans (knapp 880.000), sondern konnte im Jahr 2012 auch die meisten hinzugewinnen: 471.130 neue Fans in einem Jahr dürften die Macher zuversichtlich stimmen für den Start der neuen Staffel im Januar 2013. Und die Facebook-Fans sind alles andere als Karteileichen, sondern aktiv und leidenschaftlich dabei: Auch bei der Anzahl der Kommentare führt die Castingshow das entsprechende Facebook-Ranking an. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Voice of Germany sitzt DSDS im Nacken

Nicht nur quotenmäßig ist die noch junge Show TVoG derzeit einziger ernstzunehmender und vielversprechendster Konkurrent. Auch sie konnte über 400.000 neue Fans gewinnen und liegt mit 645.258 Fans auf Platz zwei der beliebtesten Shows. Bei den Likes und Shares ist die Sat.1-Show um Nena, Xavier Naidoo und Co. sogar die No. 1. Das hängt zum einen sicher damit zusammen, dass die Show aktuell ausgestrahlt wird – andererseits geht auch ein hohes Maß an Aktivität von der Seite selbst aus, was zum Beispiel dem RTL-Wettbewerber „Das Supertalent“ weitaus weniger gut gelingt. TVoG versteht es, seine Fans immer wieder zu aktivieren und trifft offenbar den Ton der Zielgruppe.

Trotzdem stehen kommerzielle Aspekte auch hier mehr im Vordergrund zur nachhaltigen Fanbindung. Die Menüpunkte zum Verkauf von DVDs oder MP3s ist bei TVoG präsenter als die sogenannte „Fanbox“ und es werden erstaunlich viele Links zur eigenen Website gesetzt, statt die Inhalte auf Facebook zu belassen. Das kann man auch als  Zeichen dafür sehen, dass den Sendern Traffic und schneller Umsatz derzeit wichtiger sind als eine aktive und nachhaltige Community.

Kein Supertalent für Facebook?

Das trifft besonders auf "Das Supertalent" zu. Hier wird im Social Web sehr passiv agiert, und mit 452 Statusmeldungen wurden weniger als halb so viele Nachrichten veröffentlicht wie beim Newcomer "Voice of Germany". Die RTL-Show wirkt mut- und kraftlos. Hier spiegelt sich nicht zuletzt auch der Rückgang von 8,23 Mio Zuschauern im Finale 2010 zu gerade mal noch 3,9 Mio Zuschauern beim Halbfinale am 09. Dezember dieses Jahres wider.  

Im Halbfinale ausgeschieden: "X Factor" und "Popstars"

Im Gegensatz zu DSDS kann die Sendung "Popstars" ihren Klassikerstatus nicht vom TV ins Social Web retten: Die 491 eigenen Posts der Seite im Jahr 2012 wurden insgesamt nur 651-mal geteilt, und die Fanentwicklung ist mit einem Plus von 27.452 kaum nennenswert im Vergleich zu den Top 3. Offenbar können die Macher der Show um Detlef D! Soost ihr Publikum nicht mehr wirklich erreichen.

 

Auch "X Factor" hat nur etwa ein Achtel der Fans im Vergleich zu DSDS und die wenigsten Likes und Kommentare im Ranking. Wir erklären uns das mit fehlender Kreativität der Ansprache und der veröffentlichten Bilder. Das macht DSDS mit kurzen und manchmal auch provokanten Posts („’Love is in the air’, singt Joey in der 4. Mottoshow. Die Jury geizt leider auch diesmal mit der ‚Love’“) und aussagekräftigen, qualitativ hochwertigen Bildern von der Show wesentlich besser. Entsprechend interagieren die Fans fast 20-mal so stark.

Kurz und knackig statt verkopft

Auch bei TVoG dominiert eine persönlichere, unkonventionellere Ansprache („Liebe Isabell Schmidt, du FINALISTIN, wir gratulieren! Und dem Schätzelein Brigitte Lorenz wünschen wir, dass sie noch viel von sich hören lässt!“), und die Fans werden immer wieder zum Interagieren und Partizipieren animiert („Finalwoche! Jetzt dürft ihr noch mal richtig laut werden für euer Talent. Video aufnehmen und in der Vodafone FanBox hochladen!“). Im Gegensatz dazu wird bei "X Factor" oft nicht klar, was die geposteten Bilder mit der Show selbst zu tun haben; außerdem sind die Status Updates, die teilweise von den Gewinnern und Verlierern der Show selbst kommen, oft sehr lang.

Die Top 3 der beliebtesten Posts 2012 –And the winner is...

Spannend für uns war auch der Blick auf die erfolgreichsten Postings dieses Jahres. Auf Platz 1: ein Bild von DSDS-Kandidat Christian Schöne. Obwohl der Herr im eigenwilligen Bühnenkostüm bereits vor der ersten Mottoshow von den Zuschauern abgewählt wurde, erzielte der mit „Gewagtes Outfit, Herr Schöne!“ betitelte Post im Februar 2012 mit 10.371 Kommentaren und 6.691 Likes den absoluten Spitzenwert. Neben Fremdschäm-Beiträgen dieser Art war es vor allem polarisierender und emotionalisierender Content, der überdurchschnittlich viele Likes auf sich ziehen konnte, wie beispielsweise der zu Hamed Anoushehs Abwahl in der vierten Mottoshow (9.725). Die meisten Likes (63.558) und eine überdurchschnittliche Anzahl an Shares (2.949) erhielt ein Bild vom Auftritt von Supertalent-Halbfinalist Jean-Michel-Aweh am Klavier. Der Grund dafür: ein besonders emotionsgeladener Auftritt.

Fazit: Wer kann mehr als Klatsch produzieren?

Derzeit scheint es die vorrangige Strategie der Sender zu sein, die Zuschauer auch abseits der eigentlichen Show mit eigenen Inhalten zu bespaßen. Das gelingt DSDS und TVoG mit großem Abstand am Besten. Bislang sind allerdings der Blick hinter die Kulissen und Ansätze der Trendforschung nur bedingt zu erkennen. Auch die Talentsuche auf Facebook und der Blick über die eigene Sendung hinaus haben definitiv Potenzial nach oben. Das Jahresplus von über 400.000 Fans ist aber ein klares Zeichen dafür, dass die Zuschauer weit über die Sendezeit hinaus mit den DSDS- und TVoG-Kandidaten mitfiebern. Die Frage ist, wer als erstes eine Strategie findet, daraus mehr zu machen als kurzweilige Klatschreportagen.

Alexander Peiniger ist Geschäftsführer von Quintly(ehemals AllFacebook Stats). Der Diplom-Mathematiker, der auch schon für McKinsey tätig war, gründete Quintly vor etwa zwei Jahren.

DSDS siegt auch im Social Web auf ganzer Linie

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht