Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Digitale Verwischungen und die Trüffelschweine des Internets

Für Sender wie HBO sind soziale Medien ein arges Gräuel: Im Mai etwa haben die Livestreams von Periscope und Meerkat einen Boxkampf mitgefilmt, in Echtzeit natürlich. Rechtliche Schritte wurden eingeleitet. Doch auch der berühmte Schritt nach vorne wurde getan: Diese Woche verkündete der amerikanische Filmsender, die ersten Episoden seiner zwei Serien Ballers und The Brink auf Facebook zu streamen.

If you can´t beat them, join them: ein Motto, was inzwischen auf der Agenda der meisten Unternehmen steht oder zumindest stehen sollte. Selbst Städte müssen sich damit beschäftigen: So wird Paris derzeit von der House-Sharing-Plattform Airbnb quasi eingenommen

Wie tiefgreifend Startups Unternehmen und Gesellschaft verändern, darüber sprach auch Tinder-Gründer Sean Rad bei den Cannes Lions, die derzeit an der französischen Mittelmeerküste stattfinden. Als "fun experiment" gestartet hat Rads Dating-Portal ein grundlegendes Bedürfnis der Menschheit getroffen. Marken bietet Tinder über Promoted Profiles die Option, mit Usern zu kommunizieren. Die Swipe Rate lag im Schnitt bei über 20 Prozent, verkündete Rad

Um bei den digitalen Verwischungen, Verschiebungen und Veränderungen mithalten zu können, hat sich die Agentur-Holding WPP mit dem Foto-Messaging-Dienst Snapchat und der Boulevardzeitung “Daily Mail" zusammengeschlossen: Die gemeinsame Unternehmen heißt Truffle Pig, eine neue Agentur für Content Marketing. Ziel der Partner ist es, Content-Planung, Content-Entwicklung und die Verbreitung von (Marken-)Inhalten über das Internet zu steuern. 

Sich Technologie-Konzernen zu Freunden zu machen, ist keine schlechte Idee. Auf seiner Entwicklerkonferenz hat Apple angekündigt, das Tracking von Apps durch Unternehmen zu unterbinden. Das passiert über Änderungen im neuen Betriebssystem iOS 9. Das Update sieht ebenfalls vor, dass iPhone und iPad-Besitzer Werbung über den Safari-Browser blocken können. Vernichtende Aussichten für Publisher und Agenturen, die ihre Umsätze über Ad Sales generieren. 

Der Vorstoß hat allerdings weniger damit zu tun, dass Apple Unternehmen das Leben schwer machen oder sie für die Datenerhebung zur Kasse bieten will  - sondern mit dem Schutz der Privatsphäre. Datensicherheit wird zu einem immer wichtigeren Thema: Das bringen die jüngsten Hackerangriffe auf die US-Regierung glasklar vor Augen. So schön es ist, Daten generieren zu können, so viele Gefahren sind auch damit verbunden. Mit Omas Worten: Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt. 

Das gilt (noch) nicht für Cannes. An der Cote d´Azur ist noch alles Gold, was glänzt. Deutsche Agenturen haben bereits sechs mal Gold geholt. Zusammen mit zwölf Silber- und 19 Bronze-Medaillen kommen die Werber bisher auf 37 Löwen.

Digitale Verwischungen und die Trüffelschweine des Internets

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht