Meike Leopold über die digitale Transofrmation
Meike Leopold über die digitale Transofrmation © Foto:Dorothee Elfring

Digitale Transformation ist das neue Social Media | | von Meike Leopold

Digitale Transformation – jetzt auch in der Kommunikation #kreisch

Wer nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird "digital transformiert". Die grassierende Digitalisierungswut erfasst uns alle – ob wir wollen oder nicht. Der Amazon Dash Button verfolgt uns bald bis in den dunkelsten Waschkeller. Unser Auto übernimmt langsam das Kommando. Sogar die Kirche macht einen auf digital!

Zumindest in Altötting. Neulich erzählte mir eine gute Freundin, dass die Ausrede "habe kein Kleingeld dabei" dort nicht mehr zieht. Man bietet jetzt nämlich die bargeldlose Zahlung mit der EC-Karte an. Die nächste Zündstufe der Transformation (mit der sich die Kirche auch historisch gesehen ganz gut auskennt) ist dann sicher eine App, die Bescheid sagt, wenn meine Opferkerze runtergebrannt ist. Oder der Beichtstuhl, der den Sünder mit einer kleinen Nachricht darin erinnert, dass er selbigen doch wieder einmal aufsuchen sollte.

Der digitale Opferstock in Altötting

Der digitale Opferstock in Altötting

Igitt: "in aller Munde"

Jaja, die "digitale Transformation ist in aller Munde" (ca. 40.000 Treffer spuckt Google zu dieser Plattitüde aus!). Auch vor Kommunikationsabteilungen macht sie nicht Halt. So schrieb ein bekanntes PR Medium in einem Newsletter:

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"Aufgrund der Digitalisierung (haben die Kommunikationsabteilungen) ein bedeutend breiteres Spektrum an Aufgaben als noch vor einigen Jahren. Zusätzlich gilt es den Anforderungen nach erhöhter Geschwindigkeit, effizientem Einsatz von Ressourcen, Nutzung von Synergien und Wertschöpfungsbeitrag gerecht zu werden."

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Daher hätten viele in den vergangenen Jahren "ihren Kommunikationsansatz geändert und auf die Herausforderungen der digitalen Transformation mit tiefgreifenden Reformprogrammen in ihrer Kommunikationsorganisation reagiert". Um mich dazu schlau zu machen, könne ich an einer nicht mal 1.000 Euro teuren Führung bei BMW & Co. in München teilnehmen.

Digitale Transformation ist das neue Social Media

Moooment! Ist das eigentlich wirklich so neu? Waren es nicht wir Kommunikatoren und Marketeers, die schon vor Jahren im Gefolge des Social Media Hypes (mehr oder weniger freiwillig) zu Pionieren der "digitalen Transformation" im Unternehmen wurden? Und die sich seinerzeit noch von ihren Chefs oder Kollegen aus anderen Abteilungen erzählen lassen mussten, dass Blogs, Facebook, Twitter und Co. alberner Kikifax seien?

Damit will ich nicht sagen, dass bereits alles vollbracht ist. Wir alle wissen: Die Transformation hat gerade erst begonnen, und wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, wird sozusagen eiskalt disruptiert.

Die gute Botschaft lautet: Gerade in der Kommunikation – ganz gleich ob digital oder analog – gelten zum Glück einige Grundregeln, die Ewigkeitswert haben und den etwas bedrohlich klingenden "tiefgreifenden Reformprogrammen" hoffentlich nicht zum Opfer fallen.

Ganz analog: Hirn einschalten!

Wirksame Kommunikation fängt nämlich immer ganz analog an, das heißt: Hirn einschalten und als erstes die Frage klären: WAS soll an WEN kommuniziert werden? Es geht also um:

  1. Botschaften formulieren
  2. Zielgruppen definieren
  3. Und entscheiden, wie man die Botschaften am besten an die Zielgruppen bringt

Dabei schadet es übrigens nicht, nach dem jeweiligen Nutzen für die Adressaten zu fragen, wie dieser lesenswerte Beitrag über die Dmexco zeigt.

Nicht alle Buzzwords taugen für alles!

Apropos Botschaften – meine lauten:

1. Liebe Kommunikatoren, ihr müsst Euch jetzt nicht "digital transformieren", denn wenn ihr nicht schon vor Jahren auf der digitalen Klaviatur virtuos zu spielen gelernt habt, dann ist es jetzt eh zu spät.

2. Vorsicht mit Social Media, sprich digital transformierter Kommunikation – vermeintlich neue Kanäle entledigen einen nicht der Aufgabe, die Inhalte der Kommunikation zu definieren.

3. Wer noch einmal den Satz "Die digitale Transformation ist in aller Munde" schreibt, zahlt 10 Euro in den digitalen Opferstock in Altötting :-)

Meike Leopold ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zur Autorin und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

Digitale Transformation – jetzt auch in der Kommunikation #kreisch

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