Wochenrückblick | | von Tobias Weidemann

Digitale Agenda und kennzeichnungspflichtige Satire

Lange wird darüber geredet, nun endlich hat sich die Bundesregierung dazu durchgerungen, "eine digitale Agenda zu schaffen". "Netzausbau, Cybersicherheit und die Förderung der digitalen Wirtschaft" sind  die zentralen Themen des digitalen Wandels. All das steht bei den Parteien bereits seit einigen Jahren auf der Tagesordnung und viele Interessengruppen reden mit. Kaum auf dem Tisch, steht die digitale Agenda bereits in der Kritik. Die TK-Konzerne fordern eine Unterstützung des Staates beim Ausbau des Breitbandinternets, andere Konzerne wollen nachhaltigen Schutz vor Cyberangriffen. Sicher ist bislang nur, dass noch einige Zeit ins Land gehen wird, bis sich die Parteien zu entsprechenden Maßnahmen und Gesetzen durchringen können. Maßnahmen, die eigentlich schon im Koalitionsvertrag stehen…

Mit dem Urheberrecht hat sich mal wieder Google herumzuschlagen. Eine Million Löschanforderungen wegen Verletzung des Urheberrechts bekommt Google von Rechteinhabern, die ihre Rechte im Netz verletzt sehen – am Tag! In 95 Prozent der Fälle gibt Google den Antragstellern Recht und entfernt die entsprechenden Verlinkungen aus den Suchergebnislisten. Nicht berücksichtigt werden in dem jetzt vorgelegten Transparenzbericht die Anfragen, die sich aus dem EuGH-Urteil ("Recht auf Vergessen") ergeben.

Immerhin kurz erwähnen wollen wir die zahlreichen Personalien, die uns diese Woche erreichten (und die uns zeigen, dass die Dmexco ihre Schatten voraus wirft): Bei Quisma gibt's eine neue Doppelspitze, bestehend aus Pascal Kässmann und Markus Forster, der von Gruner+Jahr kommende Manager und Business-Punk-(Mit-)Gründer Jan Honsel wird Deutschland-Chef bei Pinterest und Eric Eichmann wird neuer President und Chief Operating Officer beim Performance-Advertising-Dienstleister Criteo.

Ganz anderes Thema: 95 Prozent aller Menschen verstehen keine Satire, sagte einmal ein bekannter Kabarettist – und das ist wohl auch der Grund, warum solche ab sofort bei Facebook gekennzeichnet wird. Bislang findet die Kennzeichnung nur in den USA statt - dort betrifft sie vor allem die bekannte Satire-Website The Onion. Am meisten Spaß scheint der Schritt den Satire-Portalen wie dem Postillon zu machen: "Schon bald soll auch neben Artikeln von Bild.de wahlweise [Lüge], [Hetze] oder [substanzloses Gerücht] stehen. Weiterhin wird mit den Hinweisen [Vorsicht: Autor ist Mitglied in sieben transatlantischen Bündnissen] sowie [Welt.de/Focus.de - gar nicht erst anklicken] experimentiert", kommentiert beispielsweise Postillon-Macher Stefan Sichermann. Tatsächlich gehen viele Menschen den Scherz-Nachrichten auf den Leim – zuletzt anlässlich der Fußball-WM.

Leider keine Satire ist der Tod von Corey Griffin, einem der Initiatoren der "Ice Bucket Challenge", einer viralen Video-Idee, bei der sich Leute eine Eiswasserdusche verabreichen, um auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam zu machen – die Idee hatte sich in den letzten Wochen über die sozialen Netzwerke verbreitet. Griffin starb nun laut einem Zeitungsbericht im Alter von nur 27 Jahren bei einem Badeunfall. Immerhin: Die von ihm losgetretene virale Kampagne dürfte noch für einige Zeit weiter bestehen bleiben.

Digitale Agenda und kennzeichnungspflichtige Satire

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