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Marcus da Gloria Martins ist seit 2015 Pressesprecher der Münchner Polizei.
Marcus da Gloria Martins ist seit 2015 Pressesprecher der Münchner Polizei. © Foto:Phoenix / Youtube

Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins | | von Frank Zimmer

Dieser Mann verantwortet Münchens Krisenkommunikation

Über die Hintergründe des Anschlags von München weiß man noch nicht viel, aber eins steht fest: Die Kommunikation der Münchner Polizei ist exzellent. Kurz nach den ersten Meldungen über die Schießerei im Olympia-Einkaufszentrum setzte der Twitterstream ein. Sachlich, informativ, ruhig, warnend und immer souverän. Auf Deutsch und später auch auf Englisch, Französisch, Spanisch und Türkisch.

163.000 Menschen folgen der Münchner Polizei auf Twitter. Der Account ist noch nicht einmal zwei Jahre alt. Verantwortlich für die als vorbildlich geltenden Behördenkommunikation ist Marcus da Gloria Martins. Der 43-Jährige ist seit 2015 Pressesprecher und hat seinen Job von der Pike auf gelernt - aber nicht als PR-Mann, sondern als einfacher Polizist in Köln. Er arbeitete sich zum Kommissar hoch, absolvierte ein Masterstudium an der Polizeihochschule in Münster und leitete zuletzt die Münchner Verkehrspolizei.

Als er die Pressestelle übernahm, war Martens Polizeirat. Reich wird man davon nicht: Die damit verbundene Besoldungsstufe A 13 entspricht etwa dem Gehalt eines jüngeren Gymnasiallehrers.

Für die Krisenkommunikation von Polizei, Feuerwehren und Behörden gibt es einen ausführlichen Leitfaden des Bundesinnenministeriums. Das Dokument kann hier abgerufen werden.

Dieser Mann verantwortet Münchens Krisenkommunikation

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Beschwerden nach TV-Berichten über Amoklauf von München

von Petra Schwegler

Die Art und Weise, wie private und öffentlich-rechtliche Sender über den Amoklauf von München am Freitagabend mit 10 Toten berichtet haben, empört Zuschauer. Das Entsetzen des TV-Publikums drückt sich in Meldungen beim Bürgerportal Programmbeschwerde.de aus.

Das gemeinsame Angebot der Medienanstalten hat nach deren Angaben vom Dienstag "seit dem Wochenende etliche Beschwerden des Fernsehpublikums zu verzeichnen, die sich auf die Inhalte sowie Art und Weise der Berichterstattung über den Amoklauf von München beziehen". Betroffen sind demnach sowohl private als auch öffentlich-rechtliche Programme. Auf Anfrage hieß es etwa bei der Medienanstalt NLM in Hannover, die die Aufsicht über RTL führt, dass sich drei Beschwerden gegen den Kölner Sender richten. Alle seien unbegründet, es bestünde kein Anfangsverdacht, heißt es. 

Erstaunen über das "Wie" im TV zeigte sich allerdings bereits am Freitagabend im Social Web:

Kritisiert wird nun bei Programmbeschwerde.de, dass Live-Aufnahmen von Leichen wiederholt und teilweise in Großaufnahmen gezeigt werden, durch Reporter vor Ort Polizeianweisungen ignoriert und traumatisierte oder schockierte Menschen vor die Kamera gezogen würden. "Auch die ständig wiederholten Aufnahmen des schießenden Täters, teilweise in Endlosschleife, werden kritisiert, ebenso wie eine spekulative und teilweise als sensationslüstern empfundene Art der Berichterstattung", heißt es von der Landesmedienanstalt Saarland (LMS), die das Portal betreut.

Einige Zuschauer sehen darin nicht nur medienethische Probleme. "Sie vermissen auch die Einhaltung journalistischer Grundsätze und befürchten, dass durch die Art der Darstellung Persönlichkeitsrechte verletzt wurden oder gegen Bestimmungen des Jugendschutzes und des Schutzes der Menschenwürde verstoßen wurde", heißt es weiter.

Eine Jugendschutzproblematik sei auch hinsichtlich des Einsatzes der Videosequenz mit dem schießenden Täter am Folgetag gesehen worden. Befürchtet werde auch eine "Anreizfunktion der Tataufnahmen für psychisch labile Nachahmungstäter". Die Beschwerden leiten die Medienwächter an die TV-Anbieter weiter. Im Fall der Privatsender, die die Medienwächter beaufsichtigen, müssen die zuständigen Landesmedienanstalten die Vorwürfe prüfen. 

Das Publikum trifft mit seinen Annahmen über psychische Folgen ins Schwarze, glaubt man dem Hamburger Psychiater Michael Schulte-Markwort. In einem Gastbeitrag für das "Hamburger Abendblatt" (Dienstagsausgabe) nahm der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Hamburger UKE diesbezüglich auch die Medien in die Verantwortung.

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"Es geht nicht darum, Berichte über Amokläufe komplett zu streichen, so, wie Berichte über Einzelselbstmorde von Jugendlichen in der Regel nicht veröffentlicht werden. Wir müssen allerdings verstehen, dass selbst durch terroristische Anschläge hasserfüllte Massentötungsimpulse oder Amokimpulse verstärkt werden können. Je weniger wir das reißerisch in den medialen Mittelpunkt stellen, desto geringer sind die Effekte."

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Die allgemeine Verunsicherung führt nach Einschätzung von Schulte-Markwort dazu, "dass reflexhaft und vorschnell von terroristischen Anschlägen ausgegangen wird, im Fernsehen stundenlang Berichte darüber an erster Stelle stehen". Auch großformatig abgedruckte Fotos der Polizeieinsätze seien Ausdruck der "kollegialen Angst". Diese wiederum erzeuge bei jungen Menschen, "die aus anderen Gründen depressiv und verzweifelt sind, eine Sogwirkung, die wir nicht unterschätzen dürfen".

Die Medienanstalten jedenfalls und ihre Direktorenkonferenz DLM mit dem Präsidenten Siegfried Schneider wollen jedenfalls Lehren aus den aktuellen Vorkommnissen ziehen. Es solle nun "grundsätzlich über die Standards der Berichterstattung im Fernsehen" diskutiert werden, heißt es.

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben

Polizei München erhält Sonderpreis für Krisenkommunikation

von Markus Schmelzer

Gute Kommunikation in Krisenzeiten ist eine Kunst. Als am 22. Juli 2016 im OEZ in München geschossen wurde, hat die Pressestelle der Polizei unter der Führung von Marcus da Gloria Martins hervorragende Arbeit geleistet. Dafür verleiht der Bund deutscher Pressesprecher (BdP) der Münchner Polizei nun einen Sonderpreis. 

Laut dem Magazin "Pressesprecherhat sich das Präsidium des BdP dazu entschieden, das professionelle Vorgehen der Münchner Polizei besonders zu würdigen. Die Pressestelle um Marcus Da Gloria Martins habe mit Souveränität, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit überzeugt. Der Preis wird am 22. September während des Kommunikationskongresses in Berlin verliehen.

Gleichzeitig gab der BdP auch die Nominierungen für den Preis der "Pressestelle des Jahres 2016" bekannt. Der "goldene Apfel" wird in drei Kategorien verliehen: "Politik und Verwaltung", "Verbände und NGOs" und "Unternehmen". 

Nominiert wurden die Stadt Heidelberg, die Oper Stuttgart und Helmholtz -Zentrum Geesthacht für "Politik und Verwaltung" und in der Kategorie "Verbände und NGOs" sind es die Welthungerhilfe, Save the Children und der Bund deutscher Baumschulen. Von den Unternehmen sind Voestalpine, DAK-Gesundheit und die Deutsche Wohnen AG im Finale.  

Der Preis "Pressestelle des Jahres" wird jährlich verliehen. Für die Auszeichnung müssen sich die Bewerber in den Bereichen Analyse, Konzeption und Realisierung besonders verdient machen. 

von Markus Schmelzer - Kommentare Kommentar schreiben

Sonderpreis für Polizeisprecher: Glaubwürdigkeit im Live-Stream-Zeitalter

von einem W&V Leserautor

Er ist der Pressesprecher, der mit Blaulicht unterwegs ist. Marcus da Gloria Martins ist durch die Krisenkommunikation der Münchner Polizei nach dem Amoklauf vom 22. Juli berühmt geworden. Am Abend erhält er auf dem Kommunikationskongress in Berlin für seine Arbeit den "Sonderpreis des Bundesverbands deutscher Pressesprecher".

Jérôme Cholet, Sprecher der McCann Worldgroup, traf Marcus da Gloria Martins am Rande des Kongresses in Berlin. Seinen Artikel über den Polizeisprecher veröffentlichen wir hier als Gastbeitrag.

Von Jérôme Cholet

Ruhig, souverän, informativ – das sind die Grundeigenschaften des Pressesprechers der Münchner Polizei: Marcus da Gloria Martins. Millionen hörten ihm gebannt zu Ende Juli nach dem Amoklauf eines 18-Jährigen in München. Es war vor allem die Flut an unbestätigten Informationen und die Kraft der Bilder, die den Krisen-PR-Experten an jenem Abend herausforderten.

Glaubwürdigkeit ist für Marcus da Gloria Martins die zentrale Währung als Pressesprecher, nicht nur bei der Polizei. Als die Meldung ihn an jenem 22. Juli erreichte, war er auf einer Konferenz außerhalb der Landeshauptstadt. Aber die Meldungskette funktionierte. „Und ich darf zu den wenigen Pressesprechern gehören, die mit Blaulicht unterwegs sein können,“ sagt er schmunzelnd. Als er dann das Polizeipräsidium erreichte, liefen ihm schon die ersten Menschen in der Fußgängerzone panisch entgegen und Kollegen der Polizei waren mit Maschinenpistolen unterwegs.

Sein Stab ist jederzeit auch ohne ihn arbeitsfähig

Aber sein „Stab ist jederzeit auch ohne mich arbeitsfähig,“ gibt der bescheidene Mann mit der dunklen Brille zu. „Als ich im Polizeipräsidium eintraf, waren schon Mitarbeiter vor Ort und hielten uns auf dem Laufenden.“

Die größte Herausforderung am Abend des Münchner Amoklaufs war für ihn, die Masse an unbestätigten Informationen zu ordnen und zu verifizieren. Denn bereits wenige Minuten nach dem ersten Schuss wurde live auf Social Media wie beispielsweise Periscope von dem Amoklauf berichtet. Gleichzeitig sahen sich die klassischen Medien wie Radio, Fernsehen und auch online von den Echtzeitinformationen unter Druck gesetzt und die Macht der Bilder überwältigte alle.

Gloria Martins musste also Informationsdruck und Verifizierungs-Zeiten ausbalancieren. Dass genau dies ihm und seinem Team aus 18 Mitarbeitern an jenem Abend gelang, zeichnet jetzt auch der Bundesverband deutscher Pressesprecher auf dem Kommunikationskongress 2016 aus.

Gelungen ist die Kommunikation einerseits aufgrund eines abgestimmten Teams, vordefinierter Prozesse und schließlich auch, weil die Journalisten in Hintergrundgesprächen stetig informiert wurden und sich Gloria Martins schließlich selber vor die Kameras stellte und damit dem hohen Informationshunger Rechnung trug und genau die Botschaften platzieren konnte, die verifiziert waren. Anderes ordnete er gekonnt ein, was Ruhe in die Berichterstattung brachte. „Wir hatten einen roten Faden, eine Einsatzkonzeption. Und schließlich mussten wir flexibel sein,“ sagt er.

Alles ganz ohne Training - nur durch Stresshormone 

Allerdings klappte auch nicht alles. Das Social Media-Monitoring, das auch in seinen Arbeitsbereich fällt, hatte bei über einhundert Interaktionen pro Minute nicht mehr funktioniert. Denn jenseits aller Automatisierungsmöglichkeiten bedarf es dazu noch immer Menschen, die die Relevanz der Tweets und Posts bewerten können. 52.000 Interaktionstickets waren noch um 24 Uhr offen, das konnte erst innerhalb der nächsten Tage abgearbeitet werden. „Obwohl auch darin wertvolle Hinweise für andere Weichenstellungen gelegen hätten,“ gibt Gloria Martins selbstkritisch zu.

Ganz zufrieden war Gloria Martins am Ende nicht. Denn die Interaktion mit den Bürgern per Telefon und Twitter, eine der Aufgaben seines Teams, musste an dem Abend eingestellt werden. Dazu hat das Personal einfach nicht gereicht. Stolz sein kann er aber trotzdem, denn nicht nur durch seine souveräne Art vor den Kameras wurde der Hysterie begegnet, sondern auch durch die Koordination aller Stellen, die zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gehören. Sachlich, souverän und ruhig begegnete er den Journalisten. „Und das alles, ganz ohne Training,“ gibt er zu, „kein Abendessen, kein Kaffee, keine Vorbereitungsseminare, einfach nur durch Stresshormone.“

von einem W&V Leserautor - Kommentare Kommentar schreiben