Wochenrückblick | | von Frederik Birghan

Die Netzgemeinde bejubelt ihr Bashing

Was war im Vorfeld nicht gelästert worden über den Auftritt von Bademeister-Mime David Hasselhoff auf der Re Publica. Doch der Saal war voll, und der Schauspieler sagte durchaus bedenkenswerte Dinge zum Thema Privatsphäre und Freiheit im Netz. In der Tagesschau gab es dennoch nur die "Looking for freedom"-Gesangseinlage zu sehen. So sind halt Qualitätsmedien. Die Re Publica jedenfalls stand eindeutig im Zeichen von Snowden und den NSA-Enthüllungen. Sascha Lobo hielt eine Rede "zur Lage der Nation" (hier bei Youtube), die ziemlich wütend ausfiel, wütend gegen die Netzgemeinde, die sich zu wenig gegen die Totalüberwachung wehre. Und die zu wenig bis gar kein Geld für die dringend notwendige Lobbyarbeit spende, im Gegensatz zu irgendwelchen bedrohten Vogelarten. Bei Tierschützern beliebt macht er sich damit nicht. Die dort versammelte Netzgemeinde jedenfalls bejubelte ihr Bashing mit Standing Ovations.

Bei fast 20 verschiedenen Veranstaltungen im Rahmen der diesjährigen Web Week konnten Besucher leicht den Überblick verlieren: Wo muss ich hin, was ist nett, was komplett überflüssig? Neben der Re Publica pilgerten die meisten Besucher zur Next und zur Media Convention: Große Namen, spannende Themen. Oder auch mal eine Fake-Aktion wie die "Google Nest" von den Aktivisten des "Peng Collective". Etwas ruhiger dagegen lief es auf der Fachmesse Tools, die in diesem Jahr zum ersten Mal startete. Veranstalter und Gründer war der Branchenverband BVDW, der zügig Optimismus verbreitete: 69 Aussteller und über 1.000 vorab angemeldete Fachbesucher.

Fast wäre bei den ganzen tollen Themen auf der Web Week untergegangen, dass die Freunde der Netzneutralität (alle Daten sind gleich und werden gleich behandelt beim Transport) ziemlich prominente Fürsprecher gewonnen haben: Amazon, Facebook, Ebay, Microsoft, Google, Netflix und Yahoo haben einen offenen Brief an die US-Telekommunikationsaufsichtsbehörde "Federal Communications Commission" (FCC) geschrieben, in dem sie sich vehement gegen Pläne der Behörde aussprechen, ein Netz der zwei Geschwindigkeiten zuzulassen. Wörtlich heißt es in dem Brief, die Pläne stellten "eine Bedrohung für das Internet" dar.

Nach 18 Jahren hat Katie Cotton, Kommunikationschefin bei Apple, sich zurückgezogen. Eine Nachricht, die nur Eingeweihte als "Meilenstein" bezeichnen, denn Katie Cotton galt eher als verschlossener Kommunkationstyp. Sie galt als Vertraute von Steve Jobs. Unter Tim Cook war Apple etwas offener in der Kommunikation geworden. Apropos offen: Auf dem Tisch liegt wohl ein Übernahmeangebot von Apple. Die Firma aus Cupertino will den Kopfhörerhersteller Beats, von Rapper Dr. Dre mitgegründet, für gut drei Milliarden Dollar übernehmen. Wobei in den Medien darüber spekuliert wird, dass Apple weniger an den Kopfhörern als an dem Musik-Streamingdienst von Beats interessiert ist.

Die Netzgemeinde bejubelt ihr Bashing

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