Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Die Aufreger der Woche: Selbstzerstörung ist Gold wert

Die NSA-Affäre hat weitreichende Folgen. Nicht nur, dass Internet-User noch mehr darauf bedacht sind, möglichst keine private Daten im Web preiszugeben. Es rücken auch Portale ins Visier, die den User tatkräftig dabei unterstützen, keine Spuren zu hinterlassen. Wie zum Beispiel die App Snapchat. Die Besonderheit des Instant Messaging Service: Fotos und Videos lösen sich wenige Sekunden nach dem Lesen in Luft auf. Dass man aufgrund der Kurzlebigkeit offenherziger Inhalte austauschen kann, kommt insbesondere bei US-Teenagern gut an: Über Snapchat werden mittlerweile 60 Millionen Fotos am Tag verschickt, 20 Millionen mehr als auf dem Bilder-Sharing-Dienst Instagram. “Vergänglichkeit hat einen Nutzen”, wie es auf dem Snapchat-Blog heißt. 

Offenbar auch für Facebook: Das weltgrößte Online-Netzwerk hat den jungen Gründern Evan Spiegel, 23, und Bobby Murphy, 25, für ihr zwei Jahre altes Startup dem Vernehmen nach drei Milliarden Dollar geboten. Das ist dreimal soviel wie Yahoo für Tumblr geboten hat - der CEO des Microblogging-Diensts David Karp, auch erst 26, hatte daraufhin eingeschlagen. Spiegel und Murphy haben aber abgelehnt. Wieviel, spottet man nun in der Branche, denken die beiden Snapchatter denn noch verdienen zu können? Noch dazu, wenn die App noch nicht mal Daten - das heutige Gold der Branche - speichert, um Geld zu verdienen? Immerhin: Neulich hat der Dienst erst 13,5 Millionen Dollar eingesammelt - die Finanzierungsrunde wurde von Benchmark Capital angeführt. Mitch Lasky, Partner bei der Wagniskapitelgesellschaft sagte: „Wir glauben, dass Snapchat eines der wichtigsten Unternehmen für mobile Dienste in der Welt werden kann.“ 

Während bei der neuen Generation an Startups Daten sammeln offenbar keine große Rolle spielt, gehört es bei Google zum Grund- und Erfolgsprinzip: Der Suchmaschinen-Riese taucht aufgrund seiner reichhaltigen First Party Data und Vermarktungstechnologie immer mehr ins Display-Geschäft ein. Seit seiner Akquise von DoubleClick 2007 führt Google mit Facebook ein Kopf-an-Kopf-Rennen, nachdem Yahoo 2010 abgehängt wurde. Nun scheint sich Google an die Spitze abzusetzen: Die Publicis-Agenturen DigitasLBi und Razorfish haben angekündigt, 100 Millionen Dollar für Google-Inventar zu investieren, wie zum Beispiel Google Plus und YouTube

Indes behauptet Mr. Media und Geschäftsführer von TKone, Thomas Koch, dass Online-Werbung sowieso nicht funktioniert. Ein Schuss vor den Bug der jüngsten Kooperationen der digitalen Welt wie zum Beispiel der Axel Springer Verlag, der mit DoubleClick AdExchange weitere Umsatzpotenziale im Web erschließen will. Seine unbequeme These enthält verschiedene Faktoren: “von der mangelhaften Sichtbarkeit der Werbemittel, über eine erschreckend geringe Beachtungsdauer, am dramatischen Einbruch der Klickraten, bis hin zur sprunghaften Zunahme der Adblocker”. Für Koch ist Online weniger ein prädestiniertes Werbemedium, denn ein Kommunikations-, Informations-, Unterhaltungs-, Such- und Vertriebs-Medium. “Wenn wir nicht sehr bald lernen, wie wir unsere Zielgruppen Online - und erst recht in Social Media - verführen, einladen und umwerben, können wir das Internet als Werbemedium endgültig aufgeben. Dann wird Online zur Müllabgabestelle für Gammel-Media. Dann ist die digitale Marketingrevolution vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hat.”

Dass in der Tat nicht alles glänzt, was in der digitalen Zauberwelt angerichtet wird, zeigt auch Apples jüngstes iPhone, das Modell 5S. Wechselt man zwischen Apps per Multitasking-Leiste oder nutzt man speicherhungrige Applikationen wie Games und Navigationssoftware, sieht man laut heise.de am Startbildschirm samt Apfel-Logo und danach dem Lock Screen. Ein eingebauter Selbstzerstörungsmechansimus à la Snapchat? Wohl kaum.

Die Aufreger der Woche: Selbstzerstörung ist Gold wert

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