Der rote Teppich für die Werbebranche
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Wochenrückblick | | von Yvonne Göpfert

Der rote Teppich für die Werbebranche

Es war die Woche der Preisverleihungen. Events wie der Deutsche Mediapreis oder der Best Brands Award sorgen dafür, dass die Branche Themen wie Return on Investment, Werbewirkung oder Grenzen neuer Mobile-Techniken diskutiert.

W&V hat zum 19. Mal den Deutschen Mediapreis in München vergeben. Einer  der Gewinner: McDonalds. Zusammen mit seiner Agentur Xad hat die Burgerkette in der Kategorie Mobile abgeräumt. Bekanntlich hat McDonald's seine Filialen ja in engster Umgebung zu anderen Burgerketten etabliert. Und ebenso wissen wir, dass die Werbung für Burger im Moment des größten Hungers fallen muss. Geofences sind hier eine wunderbare Möglichkeit, Kunden im Umkreis der eigenen  Filiale aufzuspüren und anzusprechen. Doch was, wenn der Geofence durch einen Burger King verläuft? Das wäre fischen in fremden Gewässern. Beim Ausspielen von mobilen Anzeigen sind also moralische Grenzen zu beachten. Und die Technik muss diese Grenzen erkennen. So sehr Location-Based-Marketing auch gelobt wird, es bleibt eine hohe Schule. Xad macht hier mit seiner Blueprint-Technologie vieles richtig. Wie genau Blueprint funktioniert, hat Johannes Paysen, Country Manager Germany bei Xad diese Woche auf der LOCA Konferenz zum Thema Location-Based-Services, erläutert: Per Blueprint errichtet Xad virtuelle polygonale Umrisse um Gebäude, die sogenannten Points of Interest. Über die Kombination mehrerer Standortdaten lässt sich ein potentieller Kunde so genau orten, dass Xad weiß, ob sich sein Smartphone beispielsweise in einem Geschäft befindet oder nur auf dem Parkplatz davor. Und genau diese Genauigkeit braucht es, um Kunden nicht direkt aus fremden Läden abzufangen. Was ja quasi Entführung wäre.

Media Preis: Beste Media-Strategie

Zurück zum Mediapreis: Der Preis in der Königsdisziplin Beste Media-Strategie geht in diesem Jahr an die "Perfect Match Influencer-Kampagne" von L'Équipe L'Oréal. Hehre Ziele: L’Oréal Paris zielte nicht nur darauf, die Marke Perfect Match möglichst schnell in der Zielgruppe bekannt zu machen, sondern wollte zudem möglichst viele Testerinnen gewinnen, zum Austausch über das Produkt animieren und zu überzeugten Markenbotschafterinnen machen. Der klassische Perfect Match TV-Spot mit Heike Makatsch inkl. anschließendem zehnsekündigem Aktions-Tag-on läutete Mitte September die Consumer-Recommendation-Kampagne ein. Im Tag-on riefen die beiden Fashion- und Beauty-Bloggerinnen Maike Schmitz von Shoppisticated.blogwalk.de und Laura Noltemeyer von Designdschungel.blogwalk.de dazu auf, sich direkt unter www.mein-perfect-match.de als Produkttesterin zu bewerben und zu registrieren. Parallel zum TV-Aufruf wurde über die verschiedensten Online- und Mobile-Kanäle auf die Aktion aufmerksam gemacht: u. a. über die NOW-Apps von RTL und VOX, die Netzwerke von IP sowie G+J EMS, selbstverständlich über mein-perfect-match.de und nicht zuletzt über die Social-Media-Kanäle Facebook und Instagram. Sowohl auf ihren Blogwalk-Seiten als auch in den sozialen Netzwerken posteten die beiden Bloggerinnen regelmäßig interessante Facts über das Make-up und den Produkttest. Hier wird deutlich: Mediastrategie heißt, dass alle Kanäle ineinandergreifen müssen. Für einen effektiven Return on Invest.

Media Preis: Beste Content Marketing-Strategie

In der Kategorie Content Marketing war die Telekom erfolgreich: Hier setzte Gruner + Jahr EMS das Mobile-Game "Sea Hero Quest" der Deutschen Telekom mit "Spielen gegen das Vergessen", einer umfangreichen Kooperation mit der dem Magazin "Stern", in Szene. Die Deutsche Telekom kämpft per Videospiel gegen Alzheimer. Zusammen mit der gemeinnützigen Organisation Alzheimer's Research, dem University College London, der Universität East Anglia und dem Spieleentwickler Glitchers hat der Kommunikationskonzern die Initiative "Game for Good" ins Leben gerufen. Es wurde das Spiel "Sea Hero Quest" entwickelt, in dem Spiel der Spieler in die Rolle des Sohnes von einem Seemann schlüpft, der an Demenz leidet. Der Sprössling reist durch die Meere und versucht dabei die verlorenen Erinnerungen seines Vaters zu finden. Mit Hilfe des Games soll die Grundlagenforschung für Demenz massiv beschleunigt werden. Ein schweres Thema, Content Marketing in Verbindung mit Gamification der richtige Ansatz.

Die 30 kreativsten Digitalagenturen

Wer auf der Suche nach einer Digitalagentur ist: Diese Woche hat W&V wieder die Rangliste der 30 kreativsten Digitalagenturen veröffentlicht. Wer in das Ranking aufsteigt, hat in der Regel mehrere Preise für herausragende Kampagnen gewonnen. Prekäres Detail am Rande: Die meisten Agenturen haben eine eigene Abteilung "Awards", die dafür Sorge zu tragen hat, dass die Agentur möglichst viele Preise einheimst. Das ist gut fürs Renommee und steigert den Tagessatz. Im Umkehrschluss heißt das für Sie als Unternehmen aber auch: Sie zahlen einen höheren Tagessatz als nötig. Und wenn Sie Pech haben, haben die kreativsten Köpfe der Agentur für Ihr Unternehmen gar keine Zeit, weil sie gerade im Award-Team arbeiten.

Best Brands Award

Bei den Best Brands Award räumten BMW, Coca-Cola und Duplo ab. Interessant war aber die Sonderkategorie, die jährlich wechselt. Dieses Jahr lautete das Motto "Best Future Mobility Brand." Platz 1 - Tesla - scheint nur logisch. Schließlich fällt jedem digital interessierten Werber zum Stichwort Future Mobility sofort Tesla ein. Geschenkt. Ein Senkrechtstarter, der richtig für Überraschung sorgte, war dagegen Öffi. Die App, die jeden, der öffentlich unterwegs ist, verlässlich von A nach B dirigiert, verströmt nicht nur den Spirit einer immer mobiler werdenden Gesellschaft, sondern kommt auch komplett ohne Kommunikationsbudget aus. Es ist einer der seltenen Beweise, dass wirklich gute Produkte in einer digitalen Welt kein Marketing brauchen.

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