Data Days | | von Kerstin Mattys

Der Mensch, das Ding

Bislang hatte Nugg.ad-Boss Stephan Noller nur den Protyp des „Targetometers“ vorgestellt. Die Prototyp-Phase ist nun beendet und so hielt der Targeting-Experte während der „Data Days“, die an der Berliner Spree stattfanden, erstmals den für seine Kunden bestimmten fertigen Raspberry Pi vor Publikum in die Höhe. Auf dem LED-Display des "Targetometers" können sie auf einen Blick Kampagnen-Kennzahlen und Trends erfassen. Noller pries das Kästchen sogar als „Social Device“ an – denn über den Button „Yeah!“ geben sich Nugg-ad und Kunden Feedback zur Performance einer Kampagne.

Die von Nugg.ad veranstalteten „Data Days“ erstreckten sich über zwei Tage. Gestreift wurden Themen wie Automation, Datensammelwut und Ethik,  Macht der Daten und Demokratie, Internet of Things, Algorithmen und Vorhersagen. Auch kritische Töne fanden ihren Weg ins Publikum. Gleich in einem der ersten Vorträge merkte Alexandra Deschamps-Sonsino von Designswarm Industries an, dass wir Menschen zu „Dingen“ würden. Und uns Daten künftig stigmatisieren könnten. Die Ärmsten würden weiter degradiert. Schon heute können Autos von extern „stillgelegt“ werden, wenn die monatliche Rate nicht bezahlt wurde. Ein weiteres Problem sei, dass sich Außenstehende in alle möglichen Hausgeräte hacken und selbst wildfremde Babys über Babymonitore beobachten können.

Obwohl bereits viel zu viele Daten herumschwirren, förderte das Panel „Algorithms & Predictions“ die Erkenntnis zutage, dass „wir die Welt noch viel mehr „datafizieren“ müssen, um Antworten auf Fragen zu finden“. Es gelte die richtigen Fragen zu stellen, um dann dank der Daten sinnvolle Antworten zu erhalten. Dazu müssten halt auch Daten produziert werden, die noch nicht vorhanden sind. Vor allem im Bereich Gesundheit, Logistik, Welternährung erhoffen sich die Fachleute Positives vom ausgeklügelten Umgang mit Daten und aus der Fortentwicklung künstlicher Intelligenz. Klaas Bollhöfer von Unbelievable Machine erdete die Höhenflüge aber gleich wieder und sprach gnadenlos aus, worum es der Branche natürlich vorrangig geht: ums Geschäft. Weniger um Tools, die die Welt verbessern, auch wenn dies allzu gerne behauptet wird. Im Folgepanel forderte Matthias Ehrlich, Präsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft, auch dazu auf, die EU daran zu hindern, Regulierungen zum Datenschutz durchzudrücken, die die europäische Wirtschaft lähmen. Gegenstimme Anne Roth, NSA Inquiry Commitee, meinte hingegen: „Datenschutz sollte kein Opt-out sein.“

Letztlich will der Konsument die Kontrolle darüber behalten, was in seiner unmittelbaren Nähe womit vernetzt ist. Werden Daten in seinem (smarten) Haus automatisch gesammelt, dann benötigt er eine „zentrale Intelligenz“ im Haus, etwa ein Dashboard, auf dem er alles beobachten kann. Zumal sich Google durchaus ein Predictive Targeting innerhalb der vier Wände seiner User vorstellen kann. Google-Mann Jeremy Abbett merkte jedenfalls an: „Interessant wird Predictive Targeting, wenn man alle Dinge miteinander vernetzt.“ Nach Ansicht von Nan Zhao, Changing Environments, sind Sensoren ohnehin eine Erweiterung des menschlichen Nervensystems, sie sagt: „Sensoren machen Entscheidungen weniger komplex.“ Martin Vesper von Digitalstrom ist sich sicher: Solange es das Leben der Nutzer bequemer macht, werden sie vernetzte Gegenstände haben wollen.

Der Mensch, das Ding

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